Ein veganer Friseur. Gibt es das und wenn ja, was ist das? Die Stylinglounge Hall bietet ihren Kunden Pflegeprodukte, die nicht an Tieren getestet wurden, und pflegt nebenbei auch die Tiere ihrer Kunden mit Produkten „that are tested on humans first“, die also zuerst am Menschen getestet wurden. Doch das ist noch lange nicht alles.

Der im Oktober 2015 eröffnete Salon ist ein Vorbild in Sachen Umweltfreundlichkeit, Tierliebe und soziales Engagement. Seit dreizehn Jahren kennen sich Lingling Liu und Anita Thür, die Gründerinnen des Beautysalons und schon lange ist klar: „Irgendwann machen wir uns gemeinsam selbständig und dann wird das Thema Nachhaltigkeit, sei es im sozialen, ökologischen oder ökonomischen Bereich, bei jeder Entscheidung berücksichtigt werden.“

Wünscht man sich hier „ein Mal waschen, schneiden, föhnen“, werden dafür ausschließlich umweltfreundliche und tierversuchsfreie Produkte verwendet.
Die beiden Hundeliebhaberinnen wollen für ihre Kunden nur das Beste und setzen deshalb auf natürliche und vegane Inhaltsstoffe. Salonhund Heera freut sich und lässt sich mit Streicheleinheiten auch gerne mal verwöhnen.

schmerzhaft aber nachhaltig

Im Kosmetikbereich, wollte man noch einen Schritt weitergehen. „Wenn das Waxing schon so schmerzhaft sein muss, soll es sich zumindest für die Umwelt etwas angenehmer gestalten und wird deshalb mit unseren 100 Prozent natürlichen und hausgemachten Haarentfernungswachsen durchgeführt.“, erzählt uns Lingling mit einem Glas ihres selbstgemachten Wachses aus Biozitronen und Biozucker in der Hand. „Und es geht noch weiter“, lacht Lingling und führt uns zum Kaffeautomaten, „um unseren Kunden die Wartezeit zu versüßen, servieren wir natürlich auch unseren Kaffee vegan, ohne Kuhmilch, dafür mit Sojamilch.“ Der Salon ist zudem vollständig barrierefrei und bezieht den benötigten Strom aus erneuerbaren Energiequellen.

der fairteiler

Als wir fast schon wieder bei Tür heraus sind erleben wir noch eine kleine Besonderheit. Eine junge Dame kommt vollgepackt mit Lebensmitteln in den Salon, stellt sie in einen Kühlschrank, wirft ein „Ciao, danke“ in den Raum und geht wieder. Anita erklärt uns:

„Wir betreiben den ersten Foodsharing-Kühlschrank in Hall und wollen damit bedürftigen Familien helfen.“

Sogenannte Fairteiler sind öffentlich zugängliche Kühlschränke, in denen genießbare Lebensmittel unter Privatpersonen kostenlos getauscht und geteilt werden können. Jeder kann also Lebensmittel, die nicht mehr gebraucht werden, hineingeben und jeder, der möchte, kann sich daraus bedienen.

Anita und Lingling verzichten vollständig auf ihr Trinkgeld, und bitten ihre KundInnen stattdessen etwas in den Kühlschrank zu geben. Bisher gibt es noch eine kleine Hemmschwelle bei den Abnehmern.

„Das ist schade. Der Kühlschrank ist ja gerade deshalb da, weil viel zu viele Lebensmittel im Müll landen, obwohl sie noch gut sind, während so viele Menschen gegen Ende des Monats kaum mehr Geld fürs Essen haben.“

Aber nicht nur Essen wird gespendet, kürzlich fanden sich auch ein paar Tuben Zahnpasta und Bürsten im Kühlschrank.


in österreich...

...werden jedes Jahr rund 157.000 Tonnen Lebensmittel weggeworfen, jeder Haushalt verschwendet also im Schnitt Nahrungsmittel im Wert von 300 Euro. Das muss nicht sein. Doch zum Glück werden Fairteiler immer salonfähiger (und hier meinen wir nicht nur Friseursalons) und Lebensmittel dadurch nicht mehr weggeworfen, sondern sinnvoll weiter verschenkt.

auf ganzer linie

Doch nicht nur im Beruf, leben die zwei Damen das Thema Nachhaltigkeit, auch privat setzen sie sich bei Demomärschen für den Tierschutz ein, Anita engagiert sich zusammen mit Hund Heera bei der Hundestaffel des Roten Kreuzes, konsumiert vorwiegend Produkte vom hauseigenen Biobauernhof und ab April, sind die zwei Mädels auch nur noch mit dem bereits bestellten Elektroauto unterwegs.

„Ich gehe jeden Abend nach Hause und weiß, dass ich mit meiner Arbeit etwas Gutes getan habe und jeder Kunde der bei uns vorbeischaut, tut automatisch auch etwas Gutes, ob er will oder nicht.“