Anfang 2007 fanden sich vier junge Burschen auf der Spielwiese im Höralt in Wattens zusammen. Generationen von VolksschülerInnen haben sich an ebendiesem Platz erbitterte Fußball- und Völkerballmatches geliefert. Nun war es an der Zeit, Lebewohl zu sagen. Die Verbauung der Wiese durch die neue Sporthalle war beschlossen und der Abschied von ihr sollte gebührend mit einem berauschenden Fest begangen werden. Damit war Wiesenrock geboren.

das Engagement vieler

Fast zehn Jahre später hat sich das Projekt zu einem festen Bestandteil des Tiroler Festivalkalenders gemausert und zu einem nachhaltige Musik-, Kunst- und Kulturfestival entwickelt. „Wir, der gemeinnützige Kulturverein Grammophon, stellen Wiesenrock in Zusammenarbeit mit dem Weekender Club und Global 2000 auf die Beine. Rund 30 junge Menschen engagieren sich zwölf Monate im Jahr und in 8000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden, um im Sommer ein charmantes und kunterbuntes Festival in den Wattener Hauptschulhof zu zaubern, das Menschen begeistert und Spuren hinterlässt“, erzählt der Gründer und Koordinator Alexander Erler.

Wider Erwarten sind da aber kaum Spuren von Müll, zumindest nicht mehr. 2013 standen die VeranstalterInnen vor einem Wendepunkt. „Die Abfallmengen wurden uns mehr und mehr ein Dorn im Auge. Auf der Wiese lagen zum Beispiel jede Menge Zigarettenstummel. Wir haben für die gründliche Beseitigung des Abfalls meist länger gebraucht, als für den Abbau der Bars “, blickt Sylvia Farbmacher zurück. Sie leitet das Nachhaltigkeitsteam Wiesenrock und hat 2014 gemeinsam mit dem Klimabündnis Tirol und dem Umwelt Verein Tirol etwa 90 Nachhaltigkeitsmaßnahmen für das Festival ausgearbeitet.

„Wir versuchen jedes Jahr, weniger Müll zu produzieren. 2015 fielen bei rund 2000 BesucherInnen nur 187 Kilogramm Abfall und somit 94 Gramm pro BesucherIn an.“

Green Event tirol Star

"Wir veranstalten Wiesenrock nach den Kriterien von „Green Event Tirol“. Dabei wurden wir nun zweimal mit der höchsten Punktezahl bewertet. Das ist noch keinem vor uns gelungen“, freut sich Sylvia. Zudem wurde das Festival beim EUREGIO Umweltpreis mit dem 1. Platz ausgezeichnet, mit dem Österreichischen Umweltzeichen zertifiziert und gewann 2016 den Wettbewerb „Nachhaltig gewinnen“ von Green Events Austria in der Kategorie Kulturevents.

soziale nachhaltigkeit

Wiesenrock arbeitet mit dem Flüchtlingsheim Volders zusammen oder bindet Vereine in die Planung mit ein. Eine Gruppe PfadfinderInnen zum Beispiel hat letztes Jahr Palettenmöbel für das Festivalgelände gebaut. Zudem werden die AnrainerInnen über das Programm informiert und aktiv miteinbezogen.

"Ein großes Anliegen ist uns außerdem, das Festival barrierefrei zu gestalten. Wir rufen deshalb Menschen mit Behinderung auf, sich bei uns zu melden, damit wir auf ihre individuellen Bedürfnisse eingehen können."

alle mit ins boot holen

Ein Green Event könne nur dann gelingen, wenn sich die BesucherInnen auf das Konzept einließen, sind sich die OrganisatorInnen sicher. „Unsere BesucherInnen tun das voll
und ganz. Sie verwenden die von uns verteilten Taschenaschenbecher und halten so die Wiese sauber. Vegetarische Gerichte kommen zum Teil noch besser an als Fleischgerichte. Ein Großteil der Gäste
reist gemütlich und stressfrei mit den öffentlichen
Verkehrsmitteln an und spart damit CO2 ein.“

wiesenrock in zahlen

7.400 ehrenamtlich geleistete Arbeitsstunden
2.600 BesucherInnen
187 kg Müll → 94 Gramm pro BesucherIn

erfolg ist nicht immer das was man sieht

Viele der rund 90 Nachhaltigkeitsmaßnahmen, die bei Wiesenrock umgesetzt werden, bleiben den Augen der FestivalbesucherInnen aber verborgen, da diese die Organisation und technische Aspekte der Veranstaltung betreffen. Eine große Verbesserung sehen die VeranstalterInnen in den letzten Jahren vor allem im kulinarischen Bereich. „Es ist uns gelungen, überwiegend regionale Bio-Produkte anzubieten. Auffallen dürften auch die liebevoll arrangierten und teils upgecycelten Deko-Elemente“, ist sich Sylvia sicher.

der Knackpunkt
für ein gelungen nachhaltiges Event: 

„Essenziell wichtig ist, dass es unserem gesamten Team ein Anliegen ist, das Festival so grün wie möglich zu gestalten. Nur wenn man den Leuten nicht hinterherlaufen muss und sich eine kollektive Eigendynamik entfaltet, kann ein Projekt wirklich nachhaltig durchgeführt werden und wachsen.“

Mehr
Infos



Fotorechte: Miriam Raneburger, David Innerhofer, Wiesenrock