Ein Kraftwerk für kulinarische Genüsse

Revitalisierte Kleinwasserkraft liefert Metzgerei Leitner in Jenbach Energie.


Wenn es um die Wurst geht, setzt die Traditionsmetzgerei Leitner in Jenbach auf saubere Energie aus Kleinwasserkraft – und das seit vielen Jahrzehnten. Durch Revitalisierungsmaßnahmen des hauseigenen Kleinwasserkraftwerks am Kasbach konnte die Stromerzeugung um mehr als die Hälfte gesteigert werden – ein wirtschaftlicher Vorteil für den energieintensiven Betrieb mit seinen 15 MitarbeiterInnen. 

Seit fast 100 Jahren nutzt die Familie Leitner die Kraft des Kasbaches. Diente das Kraftwerk früher als Antrieb für ein Sägewerk, wurde die Anlage in den 1930er Jahren elektrifiziert, um die Metzgerei, die heute auf die Fleischveredelung spezialisiert ist, mit Strom zu versorgen. „Das Kraftwerk trägt wesentlich zur Wirtschaftlichkeit unseres Familienunternehmens bei. Wir setzen den gesamten eigenproduzierten Strom zum Betrieb der Geräte, in der Kühlung und in der Beleuchtung ein“, erläutert Metzgermeister und Kraftwerksbesitzer Vinzenz Leitner.

Die wirtschaftliche Bedeutung und der merkliche Leistungsabfall des Kraftwerks in den vergangenen Jahren haben die Familie Leitner vor fünf Jahren dazu bewogen, die vom Land Tirol geförderte Revitalisierungsberatung bei der Wasser Tirol in Anspruch zu nehmen. Das Ergebnis: Das große Potenzial des Kraftwerks konnte durch relativ einfache Maßnahmen genutzt und die Energieerzeugung von knapp 216.000 Kilowattstunden auf zirka 350.000 Kilowattstunden pro Jahr erhöht werden. Damit deckt der Metzgereibetrieb nunmehr rund 80 Prozent seines gesamten Strombedarfs aus der eigenen Kraftwerksanlage.

Kleinwasserkraft ist Stromlieferant, Kulturgut und Zeuge des Pioniergeistes
„Die Metzgerei Leitner ist ein Beispiel für die Bedeutung der Kleinwasserkraft in unserem Land. Die Kraftwerksanlage liefert zum einen kostengünstigen Strom für den Metzgereibetrieb und ist damit ein Wettbewerbsvorteil für das Familienunternehmen. Zum anderen leistet das Kraftwerk einen kleinen, aber wichtigen Beitrag zur Erreichung der Energieautonomie Tirols“, freut sich Energielandesrat Josef Geisler über die revitalisierte Kraftwerksanlage. Ein Viertel des in Tirol aus Wasserkraft erzeugten Stroms stammt aus den landesweit 850 Kleinwasserkraftwerken (131 davon im Bezirk Schwaz). „Die Kleinwasserkraft ist aber nicht nur ein wichtiger Stromlieferant, sie ist auch Kulturgut und Zeugnis des Pioniergeistes unserer Vorfahren“, so Geisler.

Seit dem Jahr 2011 bietet das Land Tirol eine zweistufige Beratungsförderung und unterstützt damit die Optimierung bestehender Kleinwasserkraftanlagen. „Strom spielt in unserem künftigen Energiesystem ohne fossile Energieträger eine zentrale Rolle“, erklärt Geisler. Eine effiziente und verstärkte Nutzung der heimischen Energieressourcen Wasser, Sonne, Biomasse und Erdwärme soll das Land Tirol und somit auch Haushalte und Betriebe zunehmend energieautonom und das Land unabhängig von Energieimporten machen.

Durchschnittlich 75 Prozent Stromgewinn
Seit dem Start der Beratungsförderung zur Revitalisierung von Kleinwasserkraftwerken in Tirol haben bereits 129 KraftwerksbetreiberInnen eine kostenfreie Erstberatung und davon wiederum 69 eine vertiefende Evaluierung der Anlagen mit Vor-Ort-Begehung in Anspruch genommen. „Bislang haben wir 59 Optimierungskonzepte ausgearbeitet, bei zwölf Anlagen wurden bereits Maßnahmen umgesetzt oder von der Behörde bewilligt. Die durchschnittliche Erzeugungssteigerung beträgt 75 Prozent“, resümiert Rupert Ebenbichler, Geschäftsführer der Wasser Tirol.

Von der Erstberatung bis zur Optimierung der Anlage hat es beim Kraftwerk der Familie Leitner fünf Jahre gedauert. Eine Neubewilligung der Anlage war nicht notwendig, weil lediglich Sanierungsmaßnahmen am Bestand durchgeführt wurden. Grundsätzlich haben alle KraftwerksbetreiberInnen großes Interesse am weiteren Betrieb und am Ausbau ihrer Anlagen, hat Ebenbichler festgestellt. Die komplexen Rahmenbedingungen und auch die teils erheblichen Kosten machen aber eine umfangreiche und professionelle Begleitung der Revitalisierungsprojekte notwendig.