"Dafür habt ihr jetzt genau drei Minuten Zeit!" Der Global Goals Design Jam für Schulklassen ab der 9. Schulstufe hat es in sich. Die rund 50 SchülerInnen schauen sich in ihren Kleingruppen etwas skeptisch an. In drei Minuten Lösungen zur Verbesserung der Welt entwickeln? Doch dann geht es los - jede und jeder greift einen Stift und innerhalb kürzester Zeit sind zig erste Ansätze, Themen und Projektideen auf bunten Zetteln über die Tische verteilt.

IDEEN SUCHEN & FINDEN

Der Rahmen des Ganzen: An einem einzigen Tag werden die Hintergründe der 17 Sustainable Development Goals (kurz SDGs) der Vereinten Nationen und passende Lösungen erarbeitet, die die SchülerInnen in ihrer eigenen Lebenswelt betreffen. Dafür durchlaufen die Jugendlichen drei Hauptphasen: Brainstorming, Bauen und Testen von Prototypen und die Abschlusspräsentation. Immer wieder gibt es Feedback: Grüne Zettel für positive Rückmeldungen, rote für konstruktive Kritik.

VIEL WISSEN, MEHR KREATIVITÄT

Der Workshoptag ist dabei straff getaktet. In der Brainstorming-Phase werden die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele präsentiert, dann auf einzelne wie Klimaschutz, Erneuerbare Energien oder Leben am Land an Thementischen mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis vertiefend eingegangen. Hier werden Inputs, Fragen und Herausforderungen gesammelt und Ideen formuliert.

In Phase Zwei wird schließlich der bunte Methodenkoffer ausgepackt: Für die Prototypen liegen Legosteine, Bastelkleber,
Kartone oder Knete bereit. Auch das eigene Smartphone wird zum Werkzeug. Mit wenigen Klicks und ein paar Fotos werden mit
der „Marvel-App“ Prototypen für Apps erstellt.

UTOPIEN OUT OF THE BOX

Was daraus entsteht, zeigt sich dann in der letzten Phase, der Präsentation: „Aber wie willst du das denn mechanisch lösen?", lautet die Reaktion auf eine Idee. Der dreistöckige Bus, der sein oberstes Geschoss komplett zur Seite fahren kann, um unter Brücken durch zu kommen bringt alle zum Lachen. "Darüber habe ich ehrlich gesagt noch gar nicht nachgedacht", schmunzelt Amelie. Ihre Gruppe hat sich der Herausforderung gestellt, wie bis zum Jahr 2050 nur mehr öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden könnten und darauf auch politische Antworten gefunden: "Es braucht einfach viel mehr Platz in den Öffis. Und sie müssen viel öfter fahren", erörtert Carla. "Parkplatzpreise müssen steigen, es braucht mehr Buslinien und mehr Haltestellen, kürzere Wartezeiten und günstige Tickets. Und am besten in dem Triple-Deckerbus ein Stockwerk als Ruhezone", zählt Julia ihre Ideen auf. "Ich fänd‘s cool, wenn‘s in die Richtung geht", pflichtet Noah ihr bei. Viele grüne und rote Zettel.

WIE WIR MORGEN ESSEN

Eine andere Gruppe hat sich dem Thema regionale Vermarktung angenommen: „BIO on Wheels“ ist eine Art „Uber“ für regionale Bioprodukte im Bereich Lieferservice, der eine Einkommensquelle für junge E-Tuktuk Fahrerinnen und Fahrer schafft. 

Die „Beef-Card“ soll im Sinne der Erfinderinnen und Erfinder beim täglichen Einkauf den Fleischkonsum registrieren und bewussten Kundinnen und Kunden so beim Maßhalten helfen - zunächst auf freiwilliger Basis.

Aktivierung und Selbstwirksamkeit "made in Tirol"

Auch Workshops entstehen aus Ideen. Der "Global Goals Design Jam" wurde in Tirol auf Grundlage des „Design Thinking“-Ansatzes in Form gegossen. Helga Mayr, Wirtschaftspädagogin und Beauftragte für den Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung an der PH Tirol, hat das Format 2017 gemeinsam mit Markus Hormeß und Adam Lawrence konzipiert. Mit Unterstützung der Sinnbildungsstiftung (Programmschiene „Bildünger“) und dem Institut für Geographie der Universität Innsbruck wird das Format nun durch Schulworkshops, Projektunterricht, Universitätskurse oder Lehrerfortbildungen in ganz Tirol etabliert.

UND WOHIN MIT DEN IDEEN?

In der Schule setzen sich die SchülerInnen dann im Follow-Up-Workshop nochmals mit ihren Innovationsideen auseinander: Woran haben wir noch nicht gedacht, wie müssen wir die Idee noch weiterentwickeln? Wie können wir dabei wirksam werden und welche Ideen setzen wir wirklich um, um z.B. die Lebenswelt Schule nachhaltiger zu gestalten?


Dass das Programm Steine ins Rollen bringt, hat sich jedenfalls gezeigt:

Von einem Second-Hand-Tauschmarkt über einen SDG-Garten bis hin zu einer Dachbegrünungviele Ideen konnten bereits umgesetzt werden.

Die Anschubförderung der Sinnbildungsstiftung für weiter verfolgte Projekte und ein Netzwerk von Expertinnen und Experten helfen den Jugendlichen dabei.

ÜBER DEN UNTERRICHT HINAUSSCHAUEN

Unterstützend zeigt sich auch Matthias Köck, Lehrer der zwei Klassen für Geographie, Haushaltsökonomie und Geschichte am Ursulinengymnasium Innsbruck: "Ich finde das Thema einfach wichtig. Im regulären Unterricht kann man das nicht so ausbreiten. Dazu kommt die wissenschaftliche Programmbegleitung. Für die Reflexionsschleife kommt das Projektteam nochmals in die Klassen, das ist auch super. Es macht Spaß zu sehen, wie die Jugendlichen hier selber aktiv werden." 

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