Ein Festival, auf dem fast 1000 Gäste campen aber quasi kein Restmüll anfällt? Auf dem 7000 BesucherInnen zu Reggae-Klängen feiern, aber keine Berge von Plastikbechern am Boden liegen? Von dem eigens eine Mitfahrbörse angeboten wird, um Autofahrten zu sparen? Ja, das gibt es am Hill Vibes Reggae Festival in Telfs, Tirol.


Jedes Jahr im Juli ist es wieder soweit: Das „Hill Vibes“ öffnet seine Wiesen und bringt die Menge zum Wogen. Seit 2017 achtet das Festival auch auf Klimaschutz und Energieeffizienz und das ist Corinna und Mario Köfler zu verdanken:

„Dass wir den Schritt gegangen sind, nachhaltiger zu handeln war ein klarer Lerneffekt – nach den ersten Festivals lagen unsere Hallen voller Bergen von Müll. Das ganze Plastik hat uns zum Umdenken gebracht und wir haben angefangen, uns zu informieren.“


Dabei unterstützte sie die Initiative „Green Events Tirol“, welche VeranstalterInnen eine Checkliste und viele Tipps für möglichst ressourcenschonende Veranstaltungen bietet. Je nach Umsetzungsgrad der Maßnahmen können die Events anschließend das Label des „Going Green“ oder „Green Event“ tragen.

"Zum Einstieg haben wir dann das Modell ‚Going Green‘ gewählt",
erzählt Corinna.

JEDER BECHER EIN UNTERSCHIED

„Die größte Verbesserung haben sicherlich die Mehrwegbecher gebracht – es war gleich im ersten Jahr einfach extrem viel weniger Müll. Daraufhin haben wir entschieden, alles umzustellen“, erzählt Corinna. „Im Team waren die meisten schnell dafür, ich als Obmann auch. Trotzdem hat es eine treibende Kraft gebraucht, die sich besonders für die Umsetzung einsetzt“, lächelt Mario seiner Schwägerin Corinna zu.

LÖSUNGEN STATT PROBLEME


"Wir haben dann netterweise auch ein kleines Geschirrmobil aus Hall geliehen bekommen.“

Das erworbene Know-How setzt der Verein nun auch bei anderen Dorffesten ein und ist sich sicher: Wenn einer anfängt, machen bald auch alle anderen mit.

„Finanziell war das schon nicht einfach, gerade als kleiner Verein. Die wenigsten Gemeinden bieten einen Geschirrverleih oder einen Waschwagen für die Becher an. Einwegbecher bekommt man fast von jeder Brauerei gratis so viel man will, aber die Firma Starkenberger ließ sich überzeugen, bedruckte Mehrwegbecher zu sponsern."

GEPFLEGTE VERPFLEGUNG

„Und da wir leider alle nicht nur von Luft und Liebe leben können, achten wir auch bei den Speisen und Getränken auf Bio, FairTrade, saisonale und regionale Produkte. Gerade bei der Umstellung auf ein größtenteils vegetarisches Menu hätte sich manch einer mehr Protest erwartet. Die BesucherInnen reagieren positiv, die wenigsten jammern. Unser aufgeschlossenes Publikum erkennt den Sinn dahinter“, strahlt Corinna.

ALLE HELFEN MIT

Die Unterstützung der BesucherInnen macht sich bemerkbar. Direkt am Eingang bekommen sie etwa Müllsackerl, damit auch am eigenen Zelt direkt getrennt werden kann. Taschenaschenbecher stehen gratis zur Verfügung. Die Firma Höpperger stellt zusätzliche Trennstationen mit 30 bis 40 Kübeln fürs ganze Gelände zur Verfügung. Durch dieses Konzept fällt fast kein Restmüll mehr an. Ein weiterer positiver Effekt:

„Auch die Landwirte sind sehr zufrieden und angetan, weil es so sauber ist und die Wiesen danach wieder problemlos genutzt werden können.“

AUF DEM WEG ZUM BESTEN WEG

„Im Bereich Mobilität steht noch viel Arbeit vor uns, das ist ein sehr schwieriges Thema. Ein Kombiticket mit dem VVT wäre toll, aber die werden bisher nur für Großveranstaltungen angeboten. Das wäre sicher attraktiv für unsere Gäste. Die Mitfahrbörse wird aktuell vor allem von Gästen aus Wien oder Salzburg genutzt“, erzählt Corinna. Schon jetzt bewirbt das Team die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln und ganz bewusst liegt das Gelände in Bahnhofsnähe.

VIELFÄLTIGES PROGRAMM

Ob beim Dancehall, bei den Workshops, in der „Family Area“ oder beim Baden im angrenzenden Schwimmbad: Die Gäste genießen das saubere Festival in vollen Zügen. Die Infrastruktur und Dekoration dafür wird soweit möglich aus Upcycling Materialien hergestellt. Dafür hat das Team eine eigene „Hill Vibes Werkstatt“

Nicht nur dort wird die nächsten Jahre weiter gebastelt am nachhaltigsten mehrtägigen Festival Westösterreichs

Diese Geschichte ist erschienen: 2019

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