Von Schulen über Restaurants bis zum Krankenhaus Schwaz – bereits 25 Betriebe haben die Produkte der Karakter-Ernte bezogen und so in nur acht Monaten schon ca. 5700 kg aussortiertes Gemüse und Obst vor dem Kompostieren gerettet. Warum das Projekt der Abfallwirtschaft Tirol Mitte (ATM) ein voller Erfolg ist? Mitarbeiterinnen und Schülerinnen der LLA Rotholz berichten.

INTUITIV ÖKOLOGISCH

„Unsere SchülerInnen haben sofort gefragt: Warum ist das Ausschussware? Wenn ein Sellerie eine Runzel zu viel, eine Kartoffel ein Auge mehr und eine Karotte eine Biegung hat, ist das für mich kein Genussfehler. Qualität ist ja das, was ich esse und nicht nur das, was ich sehe“, erläutert Elisabeth Pichler, Lehrerin für Produktverarbeitung an der Fachschule für ländliches Betriebs- und Haushaltsmanagement der LLA Rotholz voller Begeisterung.

NUTZEN, WAS DA IST

An der Schule wird seit Frühjahr 2018 „Karakter-Ernte“ bezogen, also Tiroler Gemüse und Obst, das bisher nicht genutzt wurde. Aufgrund der Maße, die außerhalb des Normbereichs liegen, optischer Mängel oder eines temporären Überangebotes wird ein Produkt als unverkäuflich eingestuft und aussortiert. 

„Unter großem Ressourcenaufwand werden Lebensmittel produziert, die dann nicht auf unseren Tellern landen. Die aufgebrachte Energie war umsonst. Um diese einwandfreien Produkte in den Verkauf zu bringen, haben wir mit dieser Initiative erste Maßnahmen eingeleitet“,

erzählt Projektkoordinatorin und –initiatorin Claudia Sacher von der ATM.

LEHRPLAN: RESSOURCENSCHONUNG

Im Rahmen des Projekts besucht nun jede Klasse der Fachschule in Rotholz einmal einen Workshop zum Thema Karakter-Ernte und verarbeitet diese auch im Unterricht. So stellen die SchülerInnen sämtliche Produkte von Brot über Marmeladen bis hin zu Spezialitäten wie Dörrbirnen selbst her. In der kräftigen „Würzbasis“ ist ebenfalls Karakter-Ernte enthalten.

ANDERE INSPIRIEREN

„Auch auf unserem Schulbauernmarkt wird die Karakter-Ernte verkauft, weil wir bei unseren KundInnen ebenso ein Bewusstsein schaffen wollen“,

bekräftigt Maria Gschwentner, Abteilungsvorstand der Schule.


„Das tun wir auch, indem wir jährlich ein 'Essen macht Wissen!-Dinner'
veranstalten, und Ökolog- und Umweltzeichenschule sind – uns ist das Thema einfach wichtig.“

LIEBLINGSFACH NACHHALTIGKEIT

Bei den SchülerInnen kommt das Engagement gut an:„Ich finde das Projekt super, schließlich ist das Gemüse ja qualitativ genauso gut. Es ist auch nicht aufwändiger, es in unserer Schulküche zu verwerten. In Zukunft sollte immer die gesamte Ernte genutzt werden. Daheim haben wir einen Garten, da schaut ja auch nicht alles gleich aus“,erzählt Ida Maiwald, die gerade gedämpfte Gemüsespieße in Butter zubereitet.

ENERGIEAUTONOMIE mitgestalten

„Darüberhinaus macht das Projekt in puncto regionale Wertschöpfung Sinn. Schließlich geht den Bäuerinnen und Bauern mit jedem nicht verkauften Kilogramm bares Geld verloren“, gibt Direktor DI Josef Norz zu bedenken.

„Daneben ist unsere Schule auch im Bereich Photovoltaik engagiert: Etwa
10 % unseres Strombedarfs werden über Photovoltaik erzeugt, eine weitere PV-Anlage kann wahrscheinlich heuer noch realisiert werden.“

„Die gesamte Wärmeversorgung des Schulareals erfolgt über die Bioenergie Tirol (ca. 3 Mio Kilowattstunden/Jahr). Bereits vor 10 Jahren wurde dieser entscheidende Schritt in Richtung nachwachsende Rohstoffe und Energieautonomie gesetzt“, so Norz.

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Die Initiative Karakter Ernte ist aus dem EU-Projekt STREFOWA entstanden, an dem die Abfallwirtschaft Tirol Mitte GmbH (ATM) beteiligt ist.

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