Der mindestens 400 Jahre alte Kasperhof im Ortskern von Patsch, dem ältesten Dorf im westlichen Mittelgebirge, ist das Pilotprojekt der Genossenschaft architektur:lokal. Aber was steckt hinter diesem vielversprechenden Titel, fragen wir uns? „Innovative Konzepte für die Belebung alter, leer stehender Bausubstanz, Förderung des guten alten Bauhandwerkes, Forschung und Weitergabe von altem Wissen: die Genossenschaft architektur:lokal vereint das alles unter einem Dach“, erklärt die Architektin und Initiatorin Gertrud Tauber.

wissenstransfer

Damit reagiert die Genossenschaft auf ein Phänomen, das weltweit zu beobachten ist: Verfall und Verlust der traditionellen Baukultur und dem damit verbundenen Können und Wissen der Bauhandwerker. Tauber erklärt das so: „Viel zu oft passiert es, dass alte Bausubstanz verfällt, abgerissen und durch Neubauten ersetzt wird. Dabei geht nicht nur unsere baukulturelle Identität verloren, sondern wertvolles Erfahrungswissen und Können, welches für eine ressourcenschonende Baukultur grundlegend ist.“ 

von fall zu fall

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Meinung verbreitet, dass neu bauen besser und billiger wäre als sanieren. Für Tauber ist diese Behauptung zu allgemein, um richtig oder falsch zu sein. Man muss von Fall zu Fall klären, um welche Bausubstanz es sich handelt und in welchem Zustand sie sich befindet.

"Eine gute alte Steinmauer hat ihren Wert und eine trockene Holzbalkendecke kann noch viele Jahrzehnte ihren Dienst tun. Die traditionell verwendeten Baumaterialien wie Holz, Stein und Kalkputz sind nicht nur langlebig und ökologisch, sondern unumgänglich, wenn wir gesund wohnen wollen.“.

AUS ALT WIRD NEU

Aktuell hat architektur:lokal ein Bauherrenprojekt für den ca. 400 Jahre alten „Kasperhof“ in Patsch entwickelt. „Dieser Hof unterliegt dem Ortsbildschutz und darf somit nicht abgerissen werden“, freut sich Tauber. Bei diesem Projekt sollen vorwiegend ökologische Baumaterialien zum Einsatz kommen. Erfahrene traditionelle Handwerker wie Maurer, Schlosser, Hafner, Fensterbauer und Zimmermann werden für die Sanierungsarbeiten beauftragt. „Der Charme und Charakter des Hauses soll erhalten bleiben, gleichzeitig aber auf die heutigen Bedürfnisse eine Antwort geben“.

UMFUNKTIONIEREN

„Im Erdgeschoss, wo das Büro der Genossenschaft untergebracht sein wird, wollen wir zeigen, was solch alte Räumlichkeiten für besondere Qualitäten zu bieten haben.“

Der Stall wird zum Seminarraum umfunktioniert. Die Selchküche wird zum Badezimmer. Der alte Küchenherd wird wieder funktionsfähig gemacht; der Kachelofen in der Stube wiederaufgebaut. Die fast 100 Jahre alten und schönen Holzdielen bleiben erhalten.

Das Altholz, das beim Abbruch entsteht, wird für die Verkleidung der Terrassen und bei der Fassade wiedereingesetzt. Tauber handelt aus innerster Überzeugung: „So ressourcenschonend wie möglich zu sanieren, das ist das Ziel“.

förderung

Gefördert werden Projekte wie der „Kasperhof“ von der Dorferneuerung, einem speziellen Förderprogramm des Landes Tirol. „In den Dörfern gibt es viel Leerstand, vor allem alte Gebäude“, so Tauber. Im Rahmen der Ortskernrevitalisierung werden Gemeinden und Private angeregt, diesem Leerstand wieder neue Funktionen zu geben. 

kooperation

Das Gelingen solcher Projekte hängt von vielen Faktoren ab. Wesentlich ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Eigentümer, Gemeinde und Fördergeber.

„Im Falle vom „Kasperhof“ war die konstruktive Zusammenarbeit und Unterstützung von Seiten des Besitzers, der Gemeinde und der Dorferneuerung ein ganz wesentlicher Baustein dafür, dass dieses Projekt auf die Beine gestellt werden konnte“, erzählt Tauber.

Das langfristige Ziel von architektur:lokal ist es, Impulse zu setzen, Perspektiven zu eröffnen und alternative Wege zu beschreiten, dies im Zuge von Bauprojekten, Bildungs- und Forschungsprojekten. „Wir knüpfen an unsere traditionelle Baukultur und das damit verbundene Wissen und Können an, um Antworten auf die Herausforderungen von heute und morgen geben zu können“, so die Architektin Tauber.

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