Damit etwas geschieht, muss man die Dinge manchmal selbst in die Hand nehmen. Das ist das Credo des Vereins Energie-Impulse Osttirol, der 2015 eine E-Carsharing-Initiative in Lienz gestartet hat. Anfänglich unterstützte die Stadt Lienz das Projekt durch einen zentral gelegenen Stellplatz inklusive Ladestation an dem der FLUGS – so wird das geteilte E-Auto genannt – bereitsteht.

an die vision glauben

„Wir waren überzeugt von der Idee des E-Carsharings und haben binnen kurzem ein Elektroauto geleast, mit unserem Logo beklebt und mit der notwendigen Carsharing-Hardware ausgestattet“, erzählt Michael Oberlojer von den Anfängen des Projekts.
Die laufenden monatlichen Kosten sollten durch die Nutzer aufgebracht werden, so der Plan. Also wurden alle Lienzer und Lienzerinnen eingeladen beim E-Carsharing mitzumachen. Über 200 Mitglieder sind es mit Stand heute.

das ehepaar moser


Franz und Erna Moser wurden von ihrem Sohn auf FLUGS aufmerksam gemacht. Genau zum richtigen Zeitpunkt. Der jährliche Servicetermin beim Mechaniker stand an. Die anfälligen Reparaturen und Wartungen wären einfach viel zu teuer gewesen.

"Da kam uns das kürzlich entstandene E-Carsharing in Lienz gerade recht“.

Kurzerhand hat Franz das Familienauto verkauft.

„Ich wurde einfach vor vollendete Tatsachen gestellt“, erinnert sich Erna und lacht.

Das Teilen eines Elektroautos, Reservierung per Smartphone, Auf- und Zusperren mit der FLUGS Mitgliedskarte, all das war ihr suspekt. Sie gesteht: „Zu Beginn war es einfach das fehlende Privatauto das mich mitmachen ließ – bei jeder Fahrt war ich etwas unsicher oder fühlte mich unwohl“. Mittlerweile ist Erna ein E-Carsharing Profi und übernimmt auch für Franz spontane Buchungen des Autos mit dem Smartphone. Franz übernimmt dafür die Buchungen am PC, zu Hause und in Ruhe.


ein eingespieltes team

An der Ladestation merkt man, welch eingespieltes Team die beiden sind: Erna öffnet die Verriegelung für das Ladekabel, Franz zieht das Kabel ab und legt es in den Kofferraum. Dann geht’s los. Lautlos gleiten die beiden über den Parkplatz und durch die Straßen von Lienz. Die beiden sind ganz offensichtlich glückliche Elektroautomobilisten. „Seit einem Jahr sind wir nun Mitglieder und nutzen den FLUGS regelmäßig“. Obwohl es zu Beginn hin und wieder kleinere Probleme mit den Chipkarten gegeben hat, sind sie dem FLUGS treu geblieben. „Das war alles völlig neu, auch für die, die den FLUGS betreiben. Da verstehen wir, wenn mal was nicht klappt und sind froh, dass es so ein Angebot in Lienz überhaupt gibt“, sagt Erna. Franz sah die anfänglichen Probleme weniger gelassen. „Es gab Momente, da habe ich meine Entscheidung unser altes Auto zu verkaufen fast bereut.“ Die Probleme wurden durch den Betreiberverein aber gelöst und seitdem FLUGSen die zwei ohne Probleme durch Osttirol.

der flugs spart kosten und zeit

Auf die Frage hin, ob die Mosers auch finanziell Auswirkungen gespürt haben, antworten sie ohne langes Nachdenken: „Ja, erstens fahren wir durch den FLUGS weniger. Wir planen unsere Fahrten genauer bzw. nehmen auch mal das Fahrrad statt des Autos. Zweitens haben wir immer ein gepflegtes Auto, das auf uns wartet und wir zahlen nur dafür, wenn wir damit fahren.“ Mittlerweile ist das Auto jedoch nicht mehr an allen Tagen für die Familie Moser verfügbar – denn immer mehr Osttiroler nutzen das E-Carsharing Angebot in Lienz. „Da kommt es schon vor, dass das Auto bereits von einem anderen FLUGSer reserviert wurde und wir erst einen freien Termin im Buchungskalender finden müssen“.

sichtlich zufrieden

Da der Verein den FLUGS ehrenamtlich betrieben hat, reichten die personellen und zeitlichen Ressourcen langsam nicht mehr aus. Um das
E-Mobilitätsangebot weiter auszubauen kam im Jahr 2016 aber professionelle Hilfe zur richtigen Zeit.

„Am Anfang hätten wir uns nicht erwartet, dass der FLUGS so gut angenommen wird“, freut sich Michael Oberlojer.


Die Regionalenergie Osttirol hat den FLUGS in den ersten Jahren bereits unterstützt und übernahm das Geschäftsmodell.

"Wir sehen auch die soziale Komponente des FLUGS. Mobilität wird leistbar. Besonders in Osttirol ist man auf einen Zweit- oder sogar Drittwagen in der Familie angewiesen. Das E-Carsharing bietet da eine perfekte Alternative. Zudem treibt regionale Energie den FLUGS an, das passt doch perfekt zum Namen unserer Genossenschaft.“

so Albert Pichler, Obmann der Regionalenergie Osttirol. 

Fazit

Auch wenn das E-Carsharing keine großen Gewinne erwarten lässt,
ist die Genossenschaft überzeugt,
einen wertvollen Beitrag für die Region leisten zu können.
Mit Mitte 2020 sind insgesamt 9 Fahrzeuge in ganz Osttirol im Einsatz.


Diese Geschichte ist ursprünglich erschienen: 2016
Aktualisiert: 2020

Akzeptieren
Mehr Infos
Diese Seite verwendet Cookies.