Unser Siedlungsraum ist kostbar und Lebenszusammenhänge komplex. Macht ein Passivhaus im Grünen Sinn, wenn wir täglich mit zwei Autos pendeln müssen? Wir brauchen eine Bauweise, die lange nutzbare Gebäude schafft. Elisabeth Steinlechner und ihre Familie zeigen was nachhaltige Baukultur  und ein entsprechender Lebensstil in der Praxis bedeuten.

Ein Haus für Drei Generationen

Ein Haus aus den 50ern, gedämmt in den 80ern und saniert 2014 bietet heute ein Zuhause für drei Generationen. Das bestehende Haus Steinlechner wurde 1952 von den Großeltern der Bauherrin errichtet und in den 1980er Jahren von den Eltern nach den damaligen wärmetechnischen Anforderungen saniert. Nach einigen Jahren im Ausland, kehrte Elisabeth mit ihrem Partner in die Heimat, nach Landeck, zurück und wollte das (Groß-)Elternhaus grundsanieren.

Altes & Neues

Architektonisch war das Gebäude wenig ansprechend, die Bauweise funktional. Schnell war klar, die Sanierung soll auch eine Umstrukturierung werden. Trotzdem, sollten Teile des Altbaus erhalten bleiben. Vor allem die von den Großeltern der Bauherrin in ca. 3 Jahren Handarbeit geschaffenen Natursteinmauern, stellten ein besonderes Element des Altbestands dar. Entsprechend war es auch der Wunsch der Bauherren, diese in ihrem ursprünglichen Zustand zu erhalten.

Die Planung beginnt

Elisabeths Mutter sollte auch während der Umbauarbeiten weiterhin im Gebäude wohnen bleiben. Somit war ein gut geplantes Baumanagement, mit einer kurzen Umbauzeit für die Außenarbeiten ein wichtiges Kriterium, das bei der konkreten Planung des Gebäudes zu berücksichtigen war. Vor dem Hintergrund dieser Anforderungen entstand die Idee, das bestehende Dach abzutragen und zu einem Vollgeschoss in Massivbauweise zu erweitern.

Elisabeth und ihr Mann sind seit Jahren in der Energiewirtschaft tätig und beraten Unternehmen speziell in der Anwendung erneuerbarer Energien. Es überrascht also nicht, dass die Sanierung das Wohnhaus so energieeffizient wie möglich machen sollte. Dazu wurden alle Zubauten in Holzbauweise ausgeführt.

Atmosphärische Innenraum-gestaltung

Auch der Innenbereich der neu errichteten Wohnung zeichnet sich durch die Verwendung natürlicher Materialien aus. Der Wohn-, Koch- und Essbereich wurde als zentrales Element bewusst großzügig gestaltet und bietet der jungen Familie einen idealen Raum für das tägliche Zusammenleben. Eine besondere Atmosphäre geht dabei von der von einem Vorarlberger Künstler gestalteten Stampflehmwand sowie einem mit einer Oberfläche aus Kaseinspachtelung versehenen Holzofen aus.

Ausblicke

Das Herzstück der Wohnung ist für Elisabeth: „Das große Ostfenster mit Sitzbank. Es bietet einen unbeschreiblichen Blick auf Perjen, Zams und die Kronburg. Doppelt so schön, an verschneiten Wintertagen bei einem Glas Rotwein und mit einem guten Buch in der Hand.“

Upcycling

Und auch bei den Möbeln, achtet die kleine Familie auf Nachhaltigkeit. So wurden die Holzbalken aus dem alten Dachstuhl kurzerhand upgecycelt und zu einem Esstisch umfunktioniert.

„Dieses Erinnerungsstück gefällt uns allen besonders gut und ist ein schönes Andenken an die Großeltern“

Energiestandard & nachhaltige Baumaterialien

Die hinterlüftete Fassade ist mit einer Verkleidung aus Vorarlberger Weißtanne versehen und wird in den kommenden Jahren sukzessive vergrauen und sich damit in den Hintergrund und die bestehenden Natursteinmauern integrieren. Generell wurden überwiegend Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen eingesetzt. Die Dämmung erfolgte vorrangig mit Hanf und Schafwolle.


Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

  • Hanf und Schafwolle für die Dämmung
  • regionales Holz – z.B. Vorarlberger Weißtanne
  • naturbelassene Holzböden
  • Wände mit Lehmputz

Das Holz für den Holzbau stammt aus der Region. Im Innenraum wurden naturbelassene Holzböden verlegt und die Wände mit Lehmputz versehen. Um den hohen Energiestandard zu erreichen, wurden die Gebäudehülle durchgehend gedämmt und alle Fenster als hochwertige dreifach verglaste Holzfenster ausgeführt. Weitere wichtige Bestandteile für das energetische Konzept waren der Einbau einer Komfortlüftung, die aktive Nutzung der Sonnenenergie und die Beheizung mit Biomasse.

Fazit

Ein ökologisch und energetisch hochwertiges Gebäude,
das jetzt Raum für zwei Generationen bietet.
Ein eindeutiger Mehrwert für Mensch und Umwelt.

Im Dreamteam zum Traumhaus

Ein Sanierungsprojekt braucht präzise Harmonie und Geduld bei  Planung und Umsetzung. Bauherren und Architekt des prämierten Sanierungsprojektes im Trilog.

Bauherren (links):
Elisabeth Steinlechner und Jürgen Neubarth

Architekt/Planer:
Arch. Harald Kröpfl, Landeck

Wie habt Ihr Euch, die Bauherren und der
Architekt, gefunden?

Elisabeth Steinlechner/Jörg Neubarth: Wir kannten Projekte und den Stil unseres Architekten Harald Kröpfl und waren uns sicher, dass alle Beteiligten den gleichen Geschmack haben. Das hat sich dann auch bestätigt.

Wie verlief der Planungsprozess?

Kröpfl: Wir hatten das Glück, dass wir bei diesem Projekt sehr viel Gleichgesinntheit und Verständnis für einander hatten. Darum haben wir uns wahrscheinlich auch sehr rasch auf den ersten Entwurf einigen können. Auch dass Elisabeth und Jürgen besonderen Wert auf Nachhaltigkeit und Ökologie legten, war ganz in meinem Sinne. Denn Nachhaltigkeit fängt im ganz Großen an, wie in diesem Fall bei der Nachverdichtung am Elternhaus.

Wie hat sich Eure Entscheidung der konsequenten ökologischen Umsetzung auf die Baukosten ausgewirkt?

S + N: Für uns stand von Anfang an fest, dass wir eine möglichst ökologische Lösung haben wollen. Und kostenmäßig fiel das nur gering ins Gewicht. Aus der Angebotsphase hat sich gezeigt, dass die Mehrkosten für ökologische Maßnahmen etwa fünf Prozent betrugen.

Kröpfl: Für mich war es spannend und herausfordernd, wie konsequent die beiden das Thema Ökologie umgesetzt haben. Bauherren haben oft den Wunsch, ihr Haus ökologisch zu bauen oder sanieren. Aufgrund vermeintlich zu hoher Kosten wird das aber meistens wieder fallen gelassen.

Was waren Eure Beweggründe für die Komfortlüftung?

S + N: Sie steigert die Raumluftqualität und damit das Wohlgefühl. Zudem vermeidet die Komfortlüftung in heißen Perioden bei richtiger Planung Überhitzungen. Das war jetzt bei der Hitzeperiode im Sommer eine echte Wohltat.

Kröpfl: Zuerst war ich nicht ganz unkritisch der Komfortlüftung gegenüber eingestellt. Ich hab mich gefragt: „Was bringt das?“ Jetzt bin ich aber vor allem vom Komfortaspekt überzeugt und nehme das Thema für künftige Projekte mit.

Gab es bei Euch eine Detailplanung?

Kröpfl: Ja, das ist unerlässlich. Oftmals werden gute Ansätze ohne Konsequenz umgesetzt, was sich dann auch im Ergebnis wiederspiegelt. Detaillösungen müssen einfach gewusst und gesehen werden.

Bezüglich Energiekonzept, wie seid Ihr da vorgegangen?

S + N: Wir hatten keine exakte Vorgabe was die Kategorie des Heizwärmebedarfs betraf, wir haben auch nicht auf ein Passivhaus bestanden. Harald hatte aus vorhergehenden Projekten Erfahrungen mit hochwertigen Gebäudekomponenten, sprich Wandaufbau, Dachaufbau, Dämmstärken etc. – die haben wir übernommen. Und wir wollten eine Komfortlüftung und eine größtmögliche Nutzung der Sonnenenergie.

Kröpfl: Wichtiger ist aus meiner Sicht immer die gesamtheitliche Betrachtung, nicht nur ein bestimmter Rechenwert, wie der Heizwärmebedarf.

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