Tirol hat zum Ziel, bis 2050 den gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energien zu beziehen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist der weitere Ausbau der erneuerbaren Energiequellen auf allen Ebenen zu forcieren. Alle Tirolerinnen und Tiroler – von den privaten Haushalten, über die Unternehmen und die Tourismuswirtschaft bis hin zu den Gemeinden können durch ihre Bemühungen, Tirols Zukunft künftig den Stempel TIROL 2050 energieautonom aufdrücken.

Hungrige Klärwerke

Für die Gemeinden sind Abwasserreinigungsanlagen oft der höchste Posten in der Energiebuchhaltung und für einen Großteil des Energieverbrauches aller kommunalen Einrichtungen verantwortlich.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Verknappung fossiler Energieträger, deren Auswirkung auf das Klima, sowie der im Klimavertrag von Paris vereinbarten Ziele, stellt die Steigerung der Energieeffizienz in allen Bereichen eine unumgängliche Herausforderung, aber auch Chance für den Umwelt- und Klimaschutz dar. Gerade die öffentliche Hand und somit auch die Kläranlagen, sollten einen Vorbildcharakter in Sachen Energieeffizienzmaßnahmen einnehmen.

Kläranlagen können sowohl einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion des Energieverbrauches leisten, als auch die Nutzung erneuerbarer Energien erhöhen.

So geschehen im Klärwerk
Westendorf – Brixen im Thale.

Mitarbeiter mit Weitblick

Die zwei engagierten Mitarbeiter Matthias Manzl und Andreas Groder arbeiten schon lange genug im Klärwerk, um zu wissen wie energieintensiv die Verfahrensschritte ihrer täglichen Arbeit sind. So haben sie den Entschluss gefasst, daran etwas zu ändern. Mit viel Eigeninitiative haben die beiden Klärwärter nach Möglichkeiten gesucht, den Energieaufwand an ihrem Arbeitsplatz zu reduzieren.

Die Recherche beginnt

In einer Kläranlage erfordert die Belüftung der Klärbecken in der Regel den mit Abstand größten Energieaufwand von allen Verfahrensschritten. „Auch bei uns im Klärwerk Westendorf haben die Wasserbelüfter im Belebungsbecken viel Energie verbraucht und waren zudem häufig defekt, oder mussten intensiv gewartet werden“, so Betriebsleiter Matthias.
Matthias und Andreas haben angefangen zu recherchieren und sich bei Kollegen aus anderen Anlagen zu erkundigen.

„Der Austausch mit den Betreibern anderer Kläranlagen war sehr wichtig für uns. Aus deren Wissen und Erfahrungen und dank der Vorarbeit des früheren Betriebsleiters Anton Bachler konnten wir viel lernen und den für uns richtigen Weg finden.“

Nicht zufrieden geben

Der erste Schritt war also den Energieverbrauch zu minimieren. Dazu wurden die bisherigen Belüfter durch effizientere Modelle ausgetauscht. Aber auch andere Maßnahmen wurden umgesetzt, wie zum Beispiel die Umstellung der Hebeanlagen auf drehzahlgeregelte Pumpen, die Optimierung der Drucklufterzeugung und die Prüfung aller Verfahrensschritte auf Ihre Effizienz.

In Summe konnte der
Stromverbrauch Beinahe
halbiert werden.

Zum Vergleich: Mit dem eingesparten
elektrischen Strom könnten fast
150 Tiroler Haushalte
versorgt werden.

Den nächsten Schritt machen

Als man den Energieverbrauch reduziert hatte, wollte man noch einen Schritt weiter gehen und die verbrauchte Energie auch selbst erzeugen. Dazu stand man in Westendorf vor verschiedenen Möglichkeiten. Unter Abwägung der Anschaffungs- aber auch Wartungskosten entschied man sich für den Kauf einer Micro-Gasturbine.

Aus Faulgas kann diese Strom erzeugen, welcher direkt in der Kläranlage wieder verbraucht wird. Mehr oder weniger als Nebenprodukt fällt Abwärme an. Diese Abwärme wird ebenfalls verwertet und trägt dazu bei, dass 60.000 Liter Heizöl eingespart werden konnten. Um das technische Konzept zu vervollständigen, wurde noch eine Photovoltaik-Anlage montiert, die pro Jahr ca. 50.000 kWh elektrische Energie liefert.

Ziel ist,
in den nächsten Jahren
das Klärwerk Westendorf –
Brixen im Thale de facto
Stromautonom zu machen.

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