Es ist ruhig hier im 420-Einwohnerort Pinswang. Doch in der Ruhe liegt die Kraft: Als die alte Ölheizung im Gemeindeamt vom „Dorf an der Grenze“ ausgetauscht werden musste, folgte man nach genauen betriebswirtschaftlichen Überlegungen dem Motto „Raus aus Öl“ und ersetzte sie durch eine neue zentrale Pellets-Heizung. Mit diesem Schritt wurde in Pinswang ein Stein ins Rollen gebracht: „Auch in einer kleinen Gemeinde gibt es viele Möglichkeiten und wir sind natürlich bestrebt im Sinne des Umweltschutzes innovativ am Weg zu sein“, so Bürgermeister Karl Wechselberger.

Vorausschauend geplant

Mit der Pellets-Anlage werden die Volksschule, der Kindergarten und die Gemeindeverwaltung inklusive der Nebenräumlichkeiten (Gemeindesaal für 150 Personen) beheizt. Zusätzlich wird das angegliederte Mehrzweckgebäude mithilfe einer Fernleitung versorgt: Feuerwehr, Musikkapelle und Bauhof wurden bereits vorausschauend ohne kostenrelevante Bauteile wie z.B. einen Kamin gebaut. „Das machen wir jetzt alles zentral mit einer Heizanlage und einem Kamin“, freut sich der Bürgermeister.

Zwei drittel einsparung

Waren es früher ca. 14.000 Euro, belaufen sich die jährlichen Heizkosten heute nur noch auf ungefähr 5.000 Euro. Fast zwei Drittel der Kosten können jährlich also durch die neue Heizanlage in Kombination mit der Sanierung der Gebäudehülle und der Fenster eingespart und für sinnvollere Maßnahmen eingesetzt werden. Neben der handfesten wirtschaftlichen Vorteile hat die Umstellung auch eine jährlichen Einsparung von 37.800 kg CO2 gebracht. Wie auch im Rest Tirols, sind in Pinswang Stückholzheizungen und Heizöl weit verbreitet. Durch das positive Beispiel der Gemeinde stellen sukzessive aber immer mehr EinwohnerInnen auf Pellets um. Das liegt auch an der Pellets-Einkaufsgemeinschaft, die von der Gemeinde ins Leben gerufen wurde. 

„Je mehr Pellets gekauft werden, desto günstiger werden sie. Wir müssen für uns jährlich mehrere Tonnen Pellets beschaffen. Wenn wir für die Bevölkerung gleich mit einkaufen, wird es für alle günstiger.“

Auf die vom Amtsleiter Edmund Huber 2014 dann erstmals ausgeschickte Ausschreibung zum Interesse an einer Einkaufsplattform für Pellets reagierten die BürgerInnen durchaus positiv.

Für Austausch offen

Der Aufwand ist durch die mittlerweile vorhandenen Vorlagen überschaubar: „Das ganze kostet uns zwar einen gewissen Verwaltungsaufwand, aber im Sinne vom Umweltschutz sag ich: Das ist ein Service für die Bürgerinnen und Bürger, den wir gerne erbringen.“, stellt der Bürgermeister klar. „Wir machen also zunächst eine Bedarfserhebung und fragen im Frühjahr bei mehreren Lieferanten für die Gesamtmenge an, schlüsseln aber bereits für den jeweiligen Anbieter die Einzelbestellungen inkl. Lageplan der Abladestellen auf. Unsere Erfahrungen und Vorlagen teilen wir natürlich auch gerne mit anderen interessierten Gemeinden.“

Glückliche BürgerInnen

Martin Rauter bezieht seine Pellets auch über die Einkaufsgemeinschaft. Für ihn ist vor allem der unkomplizierte Service ein Vorteil:

„Ich finde es super, dass die Gemeinde das anbietet. Jedem selbst ist es schnell zu viel die Angebote einzuholen und sich um die Bestellung zu kümmern. So weiß man, dass es passt und bekommt die Ware bequem bis ans Haus geliefert.“

Über solche Rückmeldungen freut sich Amtsleiter Huber ganz besonders: „Anfangs waren wir nämlich schon etwas skeptisch, ob das von den Leuten wohl so angenommen wird.“ Mittlerweile ist die Einkaufsgemeinschaft bei einem Bestellvolumen von ca. 70 Tonnen angelangt, von denen für die gemeindeeigene Anlage zwischen 25 und 30 Tonnen anfallen. Auch aus den Nachbargemeinden Vils und Musau gibt es schon Teilnehmer und weiteres Interesse.

verminderter aufwand und weniger transit

„Ein wesentlicher Punkt für uns ist auch, dass wir die LKW Fahrten minimieren können. Wieso muss für jede Lieferung extra ein LKW kommen, dazu noch aus ganz verschiedenen Himmelsrichtungen? Wir reden hier immer davon, Transit zu reduzieren und da muss man sich schon mal bei der eigenen Nase nehmen“, ergänzt der Gemeindechef.

Im Moment sind es je nach Jahresbedarf zehn bis dreizehn Lieferpunkte im Ort. Durch die Einkaufsplattform können mehr KundInnen mit weniger Aufwand beliefert und sogar noch sukzessive Neukunden gewonnen werden.

„Wenn die Pellets-Anlage vom Nachbar problemlos läuft, spricht sich das herum und ich überleg mir natürlich auch eine anzuschaffen. Das wird auch von den Lieferfirmen begrüßt.“

Das herzstück

„Pellets machen zudem eine wohlige, konstante – und saubere – Wärme“, freut sich der Bürgermeister. „Die Anlage ist unser Herzstück! Das geht alles automatisch: Sie zündet selber, verbrennt selber. Und die Pellets werden automatisch durch Rohre vom Lagerraum zugeführt. Ich bin wirklich froh, dass wir das gemacht haben.“

Auch eine PV-Anlage wurde im Zuge der Gebäudesanierung am Dach errichtet. Diese erzeugt fast das Dreifache des eigentlichen Stromverbrauchs. „Unser Ziel ist es, den Gemeinderat zu überzeugen, dass wir eine Energie- und Klimaschutzgemeinde werden und als aktuelles Projekt haben wir die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED laufen. Das wird uns eine jährliche Stromkosten-Einsparung von 3000 Euro bringen.“, gibt der erste Bürger einen Einblick in laufende Planungen.

So schnell wird es wohl in Pinswang nicht ruhiger werden, gute Ideen gibt es zur genüge.

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