Ein Jahr VVT-Tarifreform

Fast jede fünfte Tirolerin und jeder fünfte Tiroler hat aktuell ein Öffi-Jahres-Ticket in der Tasche: 138.300 Stammgäste verzeichnet der Verkehrsverbund Tirol (VVT) mit 30.4.2018 – das sind um 22.585 Personen mehr, als am 31.5.2017.


Den Löwenanteil der Ticket-Steigerungen lösten das Tirolticket um 490 Euro sowie das Regioticket um 380 Euro aus: allein 32.611 Fahrgäste nützen damit aktuell Bus, Bahn und Tram. Unter dem Namen „Tarifreform“ setzte das Land Tirol am 1.6.2017 ein Bündel von Maßnahmen für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr um. Nach dem Tirolticket und dem Regioticket folgte am 01.09.2017 das Semester-Ticket LAND um 180 Euro (inkl. Kernzone Innsbruck). Auch die Möglichkeit, das Job-Ticket durch eine Aufzahlung auszuweiten, wurde eingeführt.

Am 31.5.2017 nutzten noch 11.596 VVT-StammkundInnen ein streckengebundenes Jahres-Ticket (Preise 359 bis 2058 Euro). In einer groß angelegten Umtauschaktion wurde vielen von ihnen der Kaufpreis des alten Tickets teilweise erstattet, sie profitieren auch von der Reichweite der neuen Tickets. Die neuen Jahres-Tickets sind bis zu 75 Prozent günstiger und entwickelten  sich zum Verkaufshit. Dieser Trend hält an: monatlich gewinnt der VVT rund ein Prozent an NeukundInnen für Tirolticket, Regioticket und IVB-Jahreskarte dazu.

Angesichts dieser Entwicklungen ziehen die InitiatorInnen der größten Tarifreform des Landes, LHStvin Ingrid Felipe, VVT-Geschäftsführer Alexander Jug und der Tiroler Mobilitätskoordinator Ekkehard Allinger-Csollich heute erfreut Bilanz: „Der große Zuspruch hat alle unsere Erwartungen übertroffen. Die Umsetzung eines leistbaren und flächendeckend gültigen Tickets ist angewandte Umwelt- und Sozialpolitik zugleich. Mit dieser Reform ist es uns gelungen, Entlastungen für Geldbörserln, für Straßen und für Natur und Umwelt gleichzeitig herbeizuführen“, ist die stellvertretende Landeshauptfrau Ingrid Felipe überzeugt. Alexander Jug ergänzt: „Die Zuwächse in VVT SmartRide App und web zeigen: Auch TirolerInnen, die bisher keinen Kontakt mit Öffis hatten, interessieren sich jetzt für Bus und Bahn. Sie steigen vom Auto auf Öffis um, vielleicht dauerhaft. DAS ist der große Erfolg!“.

Das gesteigerte Interesse an den Tiroler Öffis spiegeln die Abfragen auf www.fahrplan.vvt.at  und  der VVT SmartRide App wider: zwischen 800.000 und 1 Mio. Zugriffe pro Monat verzeichnete die digitale Fahrplanauskunft im ersten Halbjahr 2017. Im August wurden bereits 1,1 Mio. und im Dezember 2017 1,5 Mio. Zugriffe registriert. Die persönlichen Beratungen im VVT KundInnencenter stiegen in einem 5-monatigen Vergleichszeitraum von 15.000 auf 25.000, die Anrufe auf der VVT Hotline von 5.800 auf 9.200.

Wer ein „Abo“ für Öffis in der Hand hält, nützt dieses auch unvermittelt: mehr Menschen fahren Bus und die Züge füllen sich. Bereits zum Fahrplanwechsel Dezember 2016 erhöhte der VVT in enger Zusammenarbeit mit den 38 beauftragten Verkehrsunternehmen, insbesondere den ÖBB, die Kapazitäten im Nahverkehr. Die Maßnahmen umfassen neue PendlerInnenzüge zu den Hauptverkehrszeiten, mehr Verkehrsangebot auf der Schiene und mit Bussen nachts an Wochenenden sowie ein verstärktes Angebot im SchülerInnenverkehr.

Eine Studie der Universität Linz beziffert aber auch die ökonomischen Effekte der Verkehrsreform des Landes Tirol. Die Berechnungen fußen auf durchschnittlichen Nettokosten von 1,6 Mio. Euro pro Jahr für den Zeitraum 2015 – 2021. Der Wertschöpfungseffekt ist an das Ausmaß der Außenfinanzierung gebunden: bei 100 % Außenfinanzierung (d.h. Kosten der Tarifreform werden nicht durch weitere Einsparungen in anderen Bereichen der öffentlichen Hand finanziert) beläuft sich der durchschnittliche jährliche Wertschöpfungseffekt auf 5,9 Mio. Euro. Bei vollkommener Kompensation der Reformkosten durch anteilige öffentliche Einsparungen, würde die nationale Wertschöpfung um durchschnittlich 0,2 Mio. Euro sinken. Das Resümee der Studienautoren unter der Leitung von Jakob Kapeller: „Ein entscheidender Grund für die im Vergleich zu den Nettokosten relativ hohen Wertschöpfungseffekte liegt darin, dass ein großer Teil der Reform mit Mehreinnahmen aus Verkehrsstrafen finanziert wird, die mehrheitlich von Personen aus dem Ausland eingezahlt werden und somit mit deutlich geringeren Wertschöpfungseinbußen einhergehen, als herkömmliche Einsparungsmaßnahmen.“

Teil II der Tarifreform setzt der VVT im Winter 2018/19 um. Enthalten sind Tickets für GelegenheitsfahrerInnen, Familien und ein digitaler Ticket-Shop. Damit bezahlen und lösen TirolerInnen ihre Bus- und Bahnkarte bequem vom Handy aus und können Mobilität so konsumieren wie sie sie brauchen: für kurze Fahrten, für lange Strecken, in Gruppen oder allein.

Akzeptieren
Mehr Infos
Diese Seite verwendet Cookies.