VCÖ-Mobilitätspreis Tirol geht an „Carsharing Tirol 2050“

„Imst bewegt“ und Konzept für Mikro-ÖV-Wipptal wurden ebenso als vorbildliche Projekte ausgezeichnet


Mit rund zwei Millionen Tonnen CO2 pro Jahr in Tirol ist der Verkehr der größte Verursacher von klimaschädlichem CO2 – der diesjährige VCÖ-Mobilitätspreis stand daher unter dem Motto „Verkehr auf Klimakurs bringen“. Siegerprojekt des VCÖ-Mobilitätspreises Tirol 2020 ist das Projekt Carsharing Tirol 2050, das heute, Mittwoch, im Innsbrucker Landhaus von Verkehrsreferentin LHStvin Ingrid Felipe, Michael Schwendinger vom VCÖ und Harald Schreyer von der ÖBB-Infrastruktur AG verliehen wurde. Als vorbildliche Projekte wurden zudem „Imst bewegt: Schulweg = Fußweg“ und das Konzept für Mikro-Öffentlichen Verkehr im Wipptal prämiert. „Bei all diesen zukunftsfitten Projekten steht im Wesentlichen die Reduktion des individuellen Straßenverkehrs im Mittelpunkt, der in Tirol eine Belastung für Bevölkerung und Umwelt darstellt. Digitalisierung der multimodalen Angebote im öffentlichen Verkehr, Bewusstseinsbildung bei den Jüngsten unserer Gesellschaft und ein maßgeschneidertes Mobilitätskonzept für Gäste und Einheimische sind nicht länger nur Visionen, sondern bereits konkret umgesetzter Klimaschutz“, sagt LHStvin Felipe.

„Allein der Verkehr ist für so viel klimaschädliches CO2 verantwortlich wie alle anderen Sektoren – Industrie, Energieerzeugung, Gebäudesektor und Landwirtschaft – zusammen. Deshalb haben wir den diesjährigen VCÖ-Mobilitätspreis unter das Motto ‚Verkehr auf Klimakurs bringen‘ gestellt. Die drei Projekte, die wir heute beim VCÖ-Mobilitätspreis Tirol auszeichneten, zeigen, wie die Klimabilanz des Verkehrs erfolgreich verbessert werden kann“, gratuliert auch VCÖ-Experte Michael Schwendinger den GewinnerInnen. „Wer den Verkehr auf Klimakurs bringen will kommt an den ÖBB nicht vorbei, denn die Bahn ist wesentlicher Teil der Lösung im Kampf gegen den Klimawandel. Tirol nimmt hier bereits eine Vorreiterrolle ein und die ausgezeichneten Projekte zeigen, dass auch kleine Schritte Wirkung haben. Übrigens kann jeder diesen ersten wichtigen kleinen Schritt tun mit dem Umstieg vom eigenen Auto auf Bus und Bahn“, betont auch Harald Schreyer.

Siegerprojekt: Carsharing vom VVT – 38 E-Autos für 21 Gemeinden

Der öffentliche Verkehr gelte als Rückgrat eines klimaverträglichen Verkehrssystems und Carsharing als ideale Ergänzung – insbesondere für die sogenannte „letzte Meile“, vom Bahnhof in kleinere Orte, wie LHStvin Felipe betonte. Derzeit stehen in 21 Tiroler Gemeinden 38 Autos zur Verfügung. Die Carsharing-Autos fahren nicht mit Diesel oder Benzin, sondern mit Strom. „Dieses Projekt kombiniert die Verkehrswende mit der Energiewende und holt damit ein Stück Mobilitätszukunft in die Gegenwart“, stellt VCÖ-Experte Schwendinger fest.

Der Verkehrsverbund Tirol kooperiert mit Energie Tirol sowie den Carsharing-Betreibenden Stadtwerke Wörgl (floMOBIL), Stadtwerke Kufstein (beecar) und der Regionalenergie Osttirol (FLUGS). Personen, die ein Jahres-Ticket Land oder Region für den öffentlichen Verkehr haben, können gegen einen Aufpreis von 100 Euro auch die bestehenden Carsharing-Angebote in Tirols Gemeinden nutzen. 20 Fahrstunden sind im Preis bereits inkludiert.

Foto v.l.n.r.: Harald Schreyer von der ÖBB-Infrastruktur AG, David Kranebitter von Communalp, Thomas Geisler von der Energie Tirol, Alexandra Medwedeff vom VVT, Martina Frischmann - "Imst bewegt", Mobilitätslandesrätin Ingrid Felipe und Michael Schwendinger vom VCÖ.

„Imst bewegt: Schulweg = Fußweg“

„Gerade in einer Zeit, in der Bewegungsmangel ein zunehmendes Problem bei Kindern und Jugendlichen ist, ist der Schulweg eine Chance, auf eine tägliche Portion gesunde Bewegung zu kommen“, sind sich LHStvin Felipe und VCÖ-Experte Schwendinger einig. Das sei auch das Ziel des Projekts „Imst bewegt: Schulweg = Fußweg“. Die Plattform „Miteinand in Imst“ und das Regionalmanagement Bezirk Imst setzen seit dem Herbst 2018 Maßnahmen um. Neben Informationen gibt es auch einen spielerischen Wettbewerb, bei dem die Volksschulklassen Punkte sammeln: Für jeden zu Fuß zurückgelegten Weg gibt es einen Punkt, mit Öffis einen halben Punkt und fürs Elterntaxi null Punkte. Gestartet wurde an drei Schulstandorten mit fast 500 SchülerInnen. Das Ergebnis: Über das gesamte Schuljahr legten die Kinder 80 Prozent der Schulwege zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück. Damit wurde nicht nur viel CO2 eingespart: Der Autoverkehr und die Abgasbelastung in der Schulumgebung nahmen spürbar ab, die Kinder lernten selbständig mobil zu sein und waren dank vermehrter Bewegung ausgeglichener und die Eltern wurden zeitlich entlastet.

„Mikro-ÖV-Wipptal“

Die Verbesserung des Mobilitätsangebots im Wipptal hat das Konzept „Mikro-ÖV-Wipptal“ zum Ziel. Es wurde von Communalp gemeinsam mit dem Planungsverband Wipptal unter Einbindung der zwölf Gemeinden des Wipptals erstellt. Das Konzept beinhaltet neun umsetzungsreife Projekte, die sowohl die Mobilität der rund 15.000 BewohnerInnen als auch für die Freizeit- und Urlaubsgäste verbessert. Im Wipptal stehen für Übernachtungen fast 4.000 Betten zur Verfügung. Unter anderem sollen ein Anrufsammeltaxi für das Navistal, Fahrrad und E-Bike-Verleih an Bahnhöfen und ein Gesamtkonzept für Wanderbusse angeboten werden.

„Der VCÖ-Mobilitätspreis ist alljährlich die Auszeichnung von umgesetzten Mobilitätsideen in Tirol, die den Verkehr nachhaltig reduzieren, die vorhandenen Ressourcen effizient nutzen, Mobilitätsalternativen aufzeigen und dem heurigen Motto entsprechend den „Verkehr auf Klimakurs“ bringen. Ich darf allen Verantwortlichen für ihren Einsatz und ihr Engagement danken, mit welchem sie einen großen Beitrag zur notwendigen Mobilitätswende leisten“, betont LHStvin Felipe abschließend.

Der VCÖ-Mobilitätspreis Tirol wird vom VCÖ in Kooperation mit dem Land Tirol und den ÖBB durchgeführt und von der TIWAG unterstützt. Auf der VCÖ-Website sind unter www.vcoe.at bereits mehr als 3.000 vorbildliche Projekte in einer Online-Datenbank zu finden. In dieser können Gemeinden, Schulen, Unternehmen und Wohnbauträger Tipps und Anregungen holen, wie Verkehrsprobleme klimaverträglich gelöst werden können.

Die VCÖ-Mobilitätspreis-Siegerprojekte der vergangenen fünf Jahre in Tirol:

  • Jahr 2020: Carsharing 2050, Mikro ÖV-System Wipptal, „Imst bewegt“
  • Jahr 2019: Tram/Regionalbahn Innsbruck (Innsbrucker Verkehrsbetriebe), floMOBIL (Stadtwerke Wörgl), PRO-BYKE (Klimabündnis Tirol), Naturtrip Wilder Kaiser (Tourismusverband Wilder Kaiser)
  • Jahr 2018: Mobilitätszentrum der Stadtgemeinde Lienz, „Bahnhofshuttle“ von Tirol Werbung und Four Seasons Travel, E-Carsharing vom Regionsmanagement Osttirol
  • Jahr 2017: Dorfbahn Serfaus; Tiroler Fahrradwettbewerb; Mitfahrbank der MobilitäterInnen
  • Jahr 2016: Mobilitätsmanagement am neuen Standort Wörgl: Berger Logistik
  • Jahr 2015: Gemeinde Serfaus – Begegnungszone Serfaus


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