Das Energie-Zielszenario TIROL 2050 energieautonom ist eine Art Fahrplan für Tirols Energiezukunft. Es zeigt, wie das Land in Zukunft komplett ohne fossile Energieträger wie Öl und Gas auskommen kann und seinen Energiebedarf stattdessen aus heimischen, erneuerbaren Quellen wie Wasser, Sonne, Umweltwärme oder Wind deckt. Dafür wurde von Expertinnen und Experten von der Energieagentur Tirol, der Universität Innsbruck und dem MCI, ein wissenschaftlich fundiertes Modell entwickelt.

Es beleuchtet alle Sektoren, die Energie benötigen: unsere Gebäude, die geheizt oder gekühlt und mit Warmwasser sowie Strom versorgt werden, die Produktion, die große Mengen an elektrischer Energie und Wärme für Maschinen und Prozesse braucht, und die Mobilität, die Antriebsenergie für Straßen-, Schienen- und Flugverkehr benötigt. Der Sektor Gebäude inkludiert außerdem den Energiebedarf der Landwirtschaft und von Dienstleistungen. Auch aktuelle Entwicklungen wie Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum werden miteinbezogen, um realistische Wege in die Energieautonomie bis 2050 aufzuzeigen.

Dieser Fahrplan ist essenziell, weil er eine klare Grundlage für politische Entscheidungen liefert und uns hilft, die Energiewende voranzutreiben. Er zeigt, wie wir mit bereits verfügbaren Technologien ein robustes und sicheres Energiesystem aufbauen können. So stellen wir sicher, dass Tirols Wirtschaft auch in Zukunft stark bleibt und unsere Energieversorgung nicht mehr von Importen abhängig ist.

Wasser, Sonne, Holz, Umweltwärme und Wind – all das ist in Tirol reichlich vorhanden. Wenn diese Ressourcen klug genutzt werden, kann Tirol seinen Energiebedarf für Gebäude, Produktion und Mobilität bilanziell langfristig aus eigenen Quellen decken. Das fördert die regionale Wertschöpfung, schafft Arbeitsplätze, spart Kosten, und schont Klima und Umwelt.

Seit 2014 ist festgelegt, dass Tirol schrittweise unabhängig von fossilen Brennstoffen werden und langfristig energieautonom sein soll. Damit soll der Klimaschutz vorangetrieben und zugleich rund zwei Milliarden Euro Wertschöpfung zurück ins Land geholt werden.

Auf halber Strecke

Die bisherigen Anstrengungen machen sich bezahlt. Das belegt die neueste Aktualisierung des Energie-Zielszenarios TIROL 2050. Dort zeigt sich anhand der Kennzahlen, dass der halbe Weg bereits geschafft ist. Tirol hat dank seiner reichlich vorhandenen natürlichen Ressourcen – Wasser, SonneHolz, Umweltwärme und Wind – das Potenzial, seinen Bedarf an Energie für Gebäude, Produktion und Mobilität langfristig selbst zu decken. Treiben wir diese Entwicklung weiter voran, entstehen zudem neue Arbeitsplätze und es wird Wertschöpfung geschaffen, die in Tirol bleibt.

So nutzen wir die erneuerbaren Energiequellen

Im Jahr 2050 soll Tirol seinen Energiebedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen decken – vor allem aus Wasser, Sonne, Umweltwärme und Holz. Dafür muss der Einsatz von erneuerbaren Energieträgern um rund 80 Prozent gegenüber dem Stand von 2021 ausgebaut werden. 

Energiemix 2050

Die Kärtchen zeigen den Anteil der einzusetzenden Energieträger für das Jahr 2050. Um die gesamte einzusetzende Energie von 22.249 Gigawattstunden (GWh) vollständig aus erneuerbaren Energien zu decken, müssen diese weiterhin stark ausgebaut werden. Die einzusetzende Energie setzt sich aus dem Bedarf für Wärme und Strom zusammen und wird in den Sektoren Produktion, Mobilität und Gebäude, inklusive Dienstleistungen und Landwirtschaft, benötigt.

Dieser Ausbau zeigt sich im Energie-Zielszenario TIROL 2050 (2024) vor allem beim Zuwachs der Sonnenkraft, deren Anteil am Energiemix von zwei Prozent im Jahr 2021 auf 22 Prozent bis 2050 steigen wird. Auch die Umweltwärme wird stark wachsen und schlussendlich 13 Prozent der 2050 einzusetzenden Energie einbringen, während sie im Jahr 2021 lediglich ein Prozent eingebracht hat.

Öl, Kohle und Gas haben im Jahr 2021 noch 54 Prozent zum Energiemix beigetragen. Um diese bis 2050 komplett ersetzen zu können, sollen alle erneuerbaren Energieträger weiter ausgebaut werden. Deshalb steigt die Wasserkraft bis 2050 von 24 auf 43 Prozent und bildet das Rückgrat der sauberen Stromversorgung. Holz hat sein Potenzial bereits weitestgehend ausgeschöpft und wächst bis 2050 nur um ein Prozent auf insgesamt 17 Prozent, während Wind mit zwei Prozent an Bedeutung gewinnt. Andere Ressourcen, wie die thermische Abfallverwertung sowie Bio- bzw. synthetische Gase, kommen in kleinen Mengen zum Einsatz und steuern ingesamt drei Prozent zum gesamten Energiemix 2050 bei.

Einzusetzende Ressourcen
im Jahr 2050

... und wie viel wir davon bereits nutzen

Auch wenn die Zahlen in die richtige Richtung weisen, dürfen wir jetzt nicht nachlassen: Das aktualisierte Energie-Zielszenario gibt vor, welche Technologien und welche heimischen Ressourcen entscheidend sein werden, um die Energiewende auch in Hinblick auf das zu erwartende Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum voranzutreiben.

Dabei zeigt sich: Das energieautonome Tirol wird im Jahr 2050 vor allem auf Elektrizität als effizienteste Energieform bauen – und zwar in der Mobilität und in Gebäuden ebenso wie in der industriellen Produktion. Rund zwei Drittel des Strombedarfs werden im Jahr 2050 durch Wasserkraft abgedeckt werden. Die verbleibenden rund 30 Prozent werden größtenteils von Photovoltaik generiert, aber auch der Wind soll seinen Beitrag leisten.

Bei der Versorgung mit Heizwärme spielen neben stromgetriebenen Wärmepumpen vor allem Holz und Fernwärme eine wichtige Rolle.

Da wollen wir hin!

30 
Prozent weniger

81
Prozent

mehr

Damit TIROL 2050 energieautonom Realität wird, sind vor allem zwei Maßnahmen entscheidend: Der landesweite Endenergiebedarf muss um 30 Prozent reduziert werden. Zugleich muss die weiterhin benötigte Energie vollständig aus erneuerbaren, heimischen Quellen erzeugt werden. Dazu muss der Einsatz erneuerbarer Energieträger um 81 Prozent ausgebaut werden

Den größten Hebel hat die Mobilität: Ihr Anteil am Gesamtendenergiebedarf Tirols liegt aktuell bei 33 Prozent.  Durch eine weitgehende Elektrifizierung kann der Endenergiebedarf der Mobilität bis 2050 um 62 Prozent sinken. Damit würde ihr Anteil am Gesamtendenergiebedarf von 2050 nur mehr 18 Prozent betragen.

Die industrielle Produktion soll ihren Bedarf trotz Wachstum um sechs Prozent senken – vor allem durch Elektrifizierung. Knapp ein Drittel des Endenergiebedarfs 2050 wird die Produktion benötigen. Auch Gebäude spielen eine Schlüsselrolle: minus 18 Prozent Endenergiebedarf und der Ausstieg aus Öl und Gas stehen bevor. Schon jetzt gewinnen Wärmepumpen, Fernwärme und Holzheizungen stark an Bedeutung. 2050 entfallen 54 Prozent des zukünftigen Endenergiebedarfs  auf Gebäude.

Energieebenen einfach erklärt:

Eingesetzte Energie ist der Startpunkt jedes Energieprozesses. Sie ist die Energie, die zu Beginn in ein System hineingegeben wird – etwa Sonnenlicht für eine PV-Anlage, Pellets für eine Heizung oder Strom für Fahrzeuge. Bei der Umwandlung wird diese Energie nutzbar gemacht, zum Beispiel wenn aus Sonnenlicht Strom wird, aus Holz Wärme oder aus Strom Antriebsleistung. Dabei gehen immer Teile der ursprünglichen Energie verloren. Endenergie ist das, was am Ende wirklich ankommt: der Strom, der Maschinen antreibt, die Wärme im Gebäude oder die Energie, die Fahrzeuge bewegt. 

Einsparziele

„Unser Kurs zur Energieautonomie ist klar und das Energie-Zielszenario TIROL 2050 weist uns den Weg: Trotz vieler Herausforderungen halten wir entschlossen an unserem Ziel fest und setzen konsequent auf Eigenständigkeit. Energie effizienter nutzen, regionale Ressourcen ausschöpfen und eine sichere Energie­zukunft schaffen – das ist unser Weg bis 2050.“

Josef Geisler, Landeshauptmann-Stellvertreter

Du willst auf dem Weg in die Energieautonomie nichts mehr verpassen?

Dann melde dich hier zu unserem Newsletter an.