Familie Eckelt

Sanieren als Königsdisziplin

Wenn alle Optionen zur Verfügung stehen, kann die Entscheidung schwierig sein. Die Architektin Brigitte Eckelt kennt die Situation, beginnt die Planung für ein neues Gebäude häufig auf einem leerem Blatt Papier. Für ihr eigenes Haus entschied sich Familie Eckelt für ein Bestandsgebäude, für das sie anfangs sogar bemitleidet wurden. In unserer neuen Geschichte erzählt die Architektin, wie es ist, ein Zuhause zu gestalten, wenn nicht alle Optionen zur Verfügung stehen.

Erschienen: September 2023 / LESEDAUER: 3 Minuten / Erfahre hier mehr über Energieeffizienz

Brigitte Eckelt ist Architektin. Und wenn Architekt*innen ihr Eigenheim planen, dann stellen sie sich die Frage, was sie von ihrem Zuhause erwarten. Die eigenen vier Wände zu planen kann durchaus kniffelig sein. Das mag verschiedenste Gründe haben, der häufigste wird aber sein, dass es perfekt werden soll. Alles beginnt mit einem leeren Blatt Papier. Schließlich gibt es im Neubau wenig Einschränkungen, vieles ist möglich, und es gibt niemanden, der dazwischenfunkt.

Nicht so schwierig war das bei Brigitte Eckelt. Für sie war klar, sie will sanieren. Also begab sie sich gemeinsam mit ihrem Mann Andreas auf die Suche nach einem passenden Objekt. Fündig wurden sie in Schwaz. Es wurde ein kleines, altes, enorm baufälliges Haus mit Garten. „Als unsere Familie das Haus gesehen hat, haben alle gesagt, dass wir ihnen leidtun“ schmunzelt Brigitte. Unbeirrt von den Ratschlägen doch etwas Neueres zu kaufen, folgten die beiden ihrem Traum. Ihr Mann Andreas meint dazu: „Wenn bei uns einer einen Plan hat, dann wird der von beiden gelebt“. Vor fünf Jahren kauften sie schlussendlich das kleine Haus.

"Als unsere Familie das Haus gesehen hat, haben alle gesagt, dass wir ihnen leidtun."

Brigitte Eckelt

Heute sitzen wir auf der Terrasse ihres gelebten Traumes und sie erzählen uns ihre Geschichte der Sanierung. Mit einer ungewöhnlichen, aber sehr charmanten Gelassenheit. Vielleicht ist die Sanierung schon lange genug her, dass sie sich nur mehr an die schönen Seiten erinnern können? Mag sein. So ganz ist das bei Familie Eckelt aber sicher nicht der Grund. Ihre Gelassenheit hat auch mit ihrer Leidenschaft zum eigenen Haus zu tun.

Zurück zum Anfang. Wie schon erwähnt war es für Brigitte Eckelt überhaupt nicht schwierig, ihr Eigenheim zu planen. Im Gegenteil, sie hat das Haus betreten und ihr war mehr oder weniger sofort klar, was sie will. Und was sie an der Baumasse verändern wird. Neben einem neuen Dach, einer neuen Bodenschüttung und Dämmung sowie einem modernen Energiekonzept mit Luftwärmepumpe, Wandheizungen und Photovoltaikanlage wurde das Haus nicht vergrößert oder in seiner Kubatur verändert. Im Grunde genommen wurde es mit viel Gefühl geöffnet und sympathisch kompakt gehalten.

Beim Eintreten erschließt sich sogleich die Struktur des Hauses. Es gibt kein langsames Reinkommen, kein Durchführen, kein Kennenlernen der vier Wände. Jeder Gast ist sofort da und fühlt sich angekommen. Jeder ist sofort Teil des Hauses.

Dazu gehört viel Mut, denn versteckt werden kann hier nichts. Nun gut, ganz so stimmt das nicht, denn die beiden haben jede noch so kleine Ecke des Hauses genutzt, um Stauraum zu schaffen. „Wir waren mehr oder weniger dazu gezwungen, alles auszunützen, weil wir nicht so viel Platz haben. Aber genau das macht auch den Charme des Hauses aus“, erklärt Andreas.

So findet auf knapp über 100 Quadratmetern alles seinen Platz. Und das ohne Keller. Not macht erfinderisch, könnte man sagen. Jedoch in diesem Fall war das gar keine Not – Brigitte und Andreas wollten nicht klotzen, sondern sind glücklich mit dem, was sie haben und in enorm viel Eigenleistung selbst schufen. Das macht die beiden sichtbar stolz.

Sollten sie auch sein. Das Haus wäre früher oder später abgerissen worden, hätten sich die beiden nicht darum gekümmert. So entstand ein ressourcenschonendes, neues Eigenheim für eine junge Familie. Eines, das vorzeigt, wie effizientes Ausnützen von Wohnraum aussehen kann. Und das mit einer mutigen Vision von Bauleuten, Neues aus vermeintlich Kaputtem geschaffen werden kann.

In nur einem Jahr Sanierung ist das Haus nun wieder für Jahrzehnte gerüstet, durch zeitgemäße Energiestandards und einem modernen Energiekonzept. Und Brigitte hat ihren Traum nicht nur im Privaten verwirklicht, sondern fokussiert sich zunehmend auch beruflich darauf: „Natürlich kommen hier und da auch Neubau-Projekte auf mich zu. Ich begleite aber mehr und mehr Sanierungen“, erklärt sie. „Das Schöne daran ist, dass ich Bauleute dabei unterstützen kann, Bestehendes neu zu beleben. Meist handelt es sich um das Elternhaus, wo sich oft niemand vorstellen kann, dass daraus etwas ganz Neues, Anderes werden kann. Etwas, das mehr dem Charakter der jungen und nicht mehr der alten Generation entspricht. So eine Sanierung ist auch ein Ausbrechen aus gewohnten Strukturen, eine Altlast abladen. Oft mehr als ein Neubau,“ fügt sie hinzu. Sie leistet so ihren Beitrag zu Tirol 2050 energieautonom, indem sie den Lebenszyklus von Bestandsgebäuden verlängert und behutsam mit verwendeten Ressourcen umgeht. Das sei dann am Ende des Tages auch viel schöner als „nur“ neuzubauen. Sanieren als Königsdisziplin.

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