Tirols Gemeinden treiben die Energiewende mit großem Engagement voran. Das zeigte die e5-Gala am 06. Oktober 2026, bei der 14 Gemeinden für ihre Leistungen in den Bereichen Energieeffizienz, Klimaschutz und nachhaltige Mobilität ausgezeichnet wurden. Insgesamt vergab das e5-Programm 49 e’s an die Tiroler Gemeinden. Besonders erfreulich: Mit der Gemeinde Assling und der Marktgemeinde St. Johann in Tirol erreichten gleich zwei Gemeinden die Höchstwertung von fünf e’s. Beide werden zusätzlich mit dem European Energy Award in Gold ausgezeichnet.
„Die Energiewende ist eine gemeinsame Aufgabe, bei der jede und jeder einen Beitrag leisten kann und muss. Gerade die Gemeinden haben dabei eine wichtige Vorbild- und Multiplikatorenrolle. Die e5-Gemeinden zeigen, dass sich konsequentes Handeln auszahlt: Es senkt den Energiebedarf, stärkt die regionale Energieversorgung und verbessert gleichzeitig die Lebensqualität. Mein Dank gilt allen Gemeinden und den engagierten Menschen dahinter, die mit konkreten Projekten dazu beitragen, dass wir unserem Ziel TIROL 2050 energieautonom Schritt für Schritt näherkommen“, betont Energielandesrat LHStv. Josef Geisler.
Die diesjährigen Auszeichnungen stehen zum dritten Mal im Zeichen eines weiterentwickelten Kriterienkatalogs. Dieser bewertet die tatsächliche Wirkung von Maßnahmen noch stärker und legt den Fokus auf Projekte mit messbarem Beitrag zu Energieeffizienz, Klimaschutz und Energiewende. Dass Tirols Gemeinden auch unter diesen anspruchsvolleren Rahmenbedingungen hervorragende Ergebnisse erzielen, unterstreicht ihre Vorreiterrolle.
„Die Tiroler e5-Gemeinden zeigen, dass Klimaschutz und Energiewende auf Gemeindeebene vorangetrieben werden können und die Maßnahmen dort besonders rasch wirksam sind. Ob erneuerbare Energieversorgung, klimafreundliche Mobilität oder die Anpassung an den Klimawandel: Die Vielfalt und Qualität der Projekte beweist, wie engagiert Tirols Gemeinden die Energie- und Mobilitätswende gestalten und dass Worten auch Taten folgen“, ist Klimaschutz- und Mobilitätslandesrat René Zumtobel überzeugt.
Die ausgezeichneten Projekte zeigen die ganze Bandbreite der kommunalen Energiewende: von erneuerbarer Wärmeversorgung und Energiegemeinschaften über nachhaltige Mobilitätsangebote bis hin zu klimafitten Ortszentren und innovativen Bildungsprojekten. Hinter diesen Erfolgen stehen langfristige Strategien, engagierte e5-Teams und politische Entscheidungen auf Gemeindeebene.
Die Gemeinde Assling und die Marktgemeinde St. Johann in Tirol führen das diesjährige Teilnehmerfeld mit jeweils fünf e’s an. Erstmals in die Spitzengruppe der Tiroler e5-Gemeinden vorgerückt ist St. Johann in Tirol im Bezirk Kitzbühel. Mit dem Kinderbetreuungszentrum KIM setzt die Marktgemeinde neue Maßstäbe für nachhaltiges Bauen: Wärmepumpe, Photovoltaikanlage und eine hohe Energieeffizienz machen das Gebäude zu einem Vorzeigeprojekt. Gleichzeitig schafft die Begegnungszone im Ortszentrum mehr Raum für aktive Mobilität und Aufenthaltsqualität. Der eingeschlagene Weg wird konsequent fortgesetzt: Ab 2028 soll ein neuer Ortsbus die nachhaltige Mobilität in der Gemeinde zusätzlich stärken.
Assling erreicht die Höchstwertung von fünf e’s bereits zum dritten Mal. Besonders hervorzuheben ist die vollständige Umstellung aller Gemeindegebäude auf erneuerbare Wärmeversorgung. Seit 2025 wird kein kommunales Gebäude mehr mit fossilen Energieträgern beheizt. Ein weiteres Vorzeigeprojekt ist das vollelektrische Assling Mobil, das seit rund 15 Jahren ein kostengünstiges Mobilitätsangebot für die Bevölkerung bereitstellt. Aktuell wird die Erschließung des Wohngebiets „Sonnenhang 3“ vorangetrieben. Dort entsteht neuer, sozial verträglicher Wohnraum, der durch energieeffiziente Bauweise den Anforderungen einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Entwicklung gerecht wird.
Neben Assling wurde im Bezirk Lienz außerdem die Gemeinde Dölsach erstmals mit vier e’s ausgezeichnet. Mit ihrer Energiegemeinschaft steigert die Gemeinde den Bezug aus selbst erzeugtem Sonnenstrom und spart dadurch jährlich Energiekosten. Daneben setzt sie mit ihrem Fußverkehrskonzept und den bereits umgesetzten Elternhaltestellen wichtige Impulse für sichere und nachhaltige Mobilität. Als nächster Schritt soll das Fußwegenetz im Ortszentrum weiter verbessert werden, um die Verkehrssituation im Umfeld von Schule und Kindergarten zusätzlich zu entschärfen.
Im Bezirk Imst wurden heuer die Gemeinden Roppen, Mieming, Mötz und Sautens ausgezeichnet. Roppen wurde erstmals mit vier e’sbewertet. Die beschlossene Energie- und Klimastrategie definiert konkrete Ziele auf dem Weg in eine nachhaltige Energiezukunft. Ein weiteres Leuchtturmprojekt ist das Trinkwasserkraftwerk aus dem Jahr 2019, dessen Strom nun über die Energiegemeinschaft direkt für die gemeindeeigenen Gebäude genutzt werden kann. In den kommenden Jahren stehen die Sanierung und Erweiterung der Volksschule auf dem Programm. Durch die Modernisierung sollen der Wärmebedarf reduziert, die Sommertauglichkeit verbessert und ein erneuerbares Heizsystem umgesetzt werden.
Die Gemeinde Mieming erreicht erstmals vier e’s. Durch die Umstellung der Straßenbeleuchtung sowie zahlreicher kommunaler Gebäude auf LED-Technologie konnte der Energiebedarf deutlich reduziert werden. Parallel dazu baut die Gemeinde ihre Energiegemeinschaft laufend aus und integriert künftig auch Strom aus dem Trinkwasserkraftwerk in die regionale Versorgung. Seit 1. Juli sind auch die Nachbargemeinden Obsteig und Wildermieming Teil der Energiegemeinschaft. Damit kann der lokal erzeugte Strom nun über Gemeindegrenzen hinweg am Mieminger Plateau geteilt und genutzt werden.
Die Gemeinde Mötz wurde mit drei e’s ausgezeichnet. Besonders hervorzuheben ist das neue Vereins- und Feuerwehrhaus, das nach klimaaktiv-Gold-Standard errichtet wurde. Neben einer Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher sorgen eine Grundwasserwärmepumpe, eine kontrollierte Lüftungsanlage sowie qualitätsvolle Radabstellanlagen für eine nachhaltige und energieeffiziente Nutzung. Künftig soll die Ladeinfrastruktur, welche schon vorausschauend vorbereitet wurde, ausgebaut werden. Geplant ist eine Erweiterung der bestehenden Schnellladestationen beim neuen Mehrzweckgebäude.
Sautens wurde erstmals zertifiziert und erhielt auf Anhieb zwei e’s. Eine neue Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher erhöht den Eigenversorgungsgrad kommunaler Einrichtungen deutlich und ermöglicht die Nutzung von Sonnenstrom auch in den Abend- und Nachtstunden. Erst vor einigen Wochen wurde die PV-Anlage auf dem Gemeinhaus fertiggestellt. Außerdem investiert die Gemeinde mit einem neuen Hochbehälter und weiteren Maßnahmen in eine zukunftsfitte Trinkwasserversorgung.
Die Landeshauptstadt Innsbruck wurde mit vier e’s ausgezeichnet. Mit der Neugestaltung des Bozner Platzes entstand eine klimaresiliente Aufenthaltsfläche, die dank Begrünung und Schwammstadtprinzip an heißen Tagen für spürbare Kühlung sorgt. Darüber hinaus setzt die Stadt mit der Photovoltaikanlage am Tivoli Stadion auf den konsequenten Ausbau erneuerbarer Energie und erzeugt damit Strom für rund 1.000 Haushalte. Als nächstes steht E-Carsharing auf dem Plan: Fünf E-Carsharing-Standorte mit jeweils zwei Fahrzeugen sollen an unterschiedlichen Orten im Stadtgebiet entstehen.
Im Bezirk Innsbruck-Land wurden die Marktgemeinden Zirl und Wattens ausgezeichnet. Zirl erhielt drei e’s. Die neue Schulstraße zwischen Mittel- und Volksschule erhöht die Sicherheit der Kinder und fördert außerdem aktive Mobilität. Darüber hinaus engagiert sich die Gemeinde bei der Eindämmung invasiver Neophyten und leistet damit einen Beitrag zum Schutz der heimischen Natur. Insbesondere im Zuge der geplanten Kanalbauarbeiten entlang bestimmter Straßenzüge ergeben sich in den kommenden Jahren neue Möglichkeiten für eine umfassende Weiterentwicklung des Ortszentrums. Im Projekt “Dorfoasen” werden etwa die Stärkung des Ortskerns, die Verbesserung der Aufenthaltsqualität, die Förderung des Fuß- und Radverkehrs, die Verkehrsberuhigung, sichere Schulwege sowie mehr Begrünung und Klimaresilienz in den Fokus gerückt.
Die Marktgemeinde Wattens wurde erstmals auditiert und gleich mit zwei e’s ausgezeichnet. Die Revitalisierung des gemeindeeigenen Trinkwasserkraftwerks, welches bereits vor längerem umgesetzt wurde, stärkt die regionale Stromerzeugung und schafft die Grundlage für eine künftige Energiegemeinschaft. Gleichzeitig setzt die neue Volksschule am Kirchplatz mit Holzbauweise, Entsiegelungsmaßnahmen und klimafitter Kühlung Maßstäbe für nachhaltige Gemeindeentwicklung. Außerdem wurde auf dem Pflegeheim „Haus Salurn“ eine 52 kWpgroße PV-Anlage installiert, die erneuerbaren Strom direkt vor Ort bereitstellt. Nach der geplanten Dachsanierung soll die Anlage erweitert und das vorhandene Potenzial von 80 bis 100 kWp künftig vollständig genutzt werden.
Im Bezirk Kufstein wurden die Gemeinden Kundl und Langkampfen ausgezeichnet. Kundl erhielt auf bereits sehr hohem Umsetzungsgrad vier e’s. Besonders hervorzuheben sind der konsequente Ausbau der Photovoltaik auf kommunalen Gebäuden, die mittlerweile jährlich rund 675.000 kWh Sonnenstrom erzeugen, sowie die Gründung einer Energiegemeinschaft zur regionalen Nutzung dieser Energie. Auch die nächsten Schritte sind bereits gesetzt: Nach dem erfolgten Spatenstich im September soll ein neues Feuerwehrhaus entstehen, das nach klimaaktiv-Standards umgesetzt wird und damit die energieeffiziente Entwicklung der Gemeinde weiter vorantreibt.
Die Gemeinde Langkampfen wurde mit drei e’s ausgezeichnet. Zwei Energiegemeinschaften ermöglichen die gemeinsame Nutzung regional erzeugter erneuerbarer Energie durch Gemeinde und Bevölkerung. Einen wichtigen Beitrag leistet auch der Ausbau der Photovoltaik auf kommunalen Gebäuden: Die Gemeinde verfügt bereits über mehr als 500 kWp installierte Leistung. Damit schafft Langkampfen wichtige Voraussetzungen, um den Anteil erneuerbarer Energie in der Gemeinde kontinuierlich weiter zu erhöhen. In den nächsten Jahren wird außerdem die Neue Mittelschule in Unterlangkampfen saniert und rundherum ein kommunales Zentrum mit neuen Gemeindegebäuden entwickelt. In den derzeit laufenden Planungen wird das Thema Energieeffizienz prioritär behandelt.
Auch der Bezirk Reutte war mit einer Gemeinde vertreten. Die Gemeinde Pflach wurde erstmals auditiert und erreichte auf Anhieb drei e’s. Mit dem Energiewichtelprogramm setzt die Gemeinde einen Schwerpunkt auf Bildung und Bewusstseinsbildung und vermittelt bereits den Jüngsten die Themen Energie, Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Gleichzeitig wird der Ausbau der Photovoltaik konsequent vorangetrieben: Bereits rund 80 Prozent der kommunalen Gebäude sind mit PV-Anlagen ausgestattet. Aktuell arbeitet die Gemeinde gemeinsam mit dem Klimabündnis Tirol im Rahmen des Beratungsprogramms PRO-BYKE daran, ihre Straßen und Wege noch fahrradfreundlicher zu gestalten.
Im Bezirk Schwaz wurde die Gemeinde Stans erstmals mit drei e’s ausgezeichnet. Die Gemeinde setzt einen besonderen Schwerpunkt auf Bewusstseinsbildung und erreicht mit Programmen wie den Energiewichteln im Kindergarten und den Energiesparprofis in der Schule bereits die jüngste Generation. Darüber hinaus leisten die gemeindeeigene Energiegemeinschaft und das Trinkwasserkraftwerk einen wichtigen Beitrag zur regionalen Nutzung erneuerbarer Energie. Auch bei der Mobilität sind bereits weitere Maßnahmen geplant: Mit der Einführung von Tempo 30 auf der Landesstraße zwischen Schwimmbad sowie Vereins- und Gemeindezentrum soll die Verkehrssicherheit erhöht und der Ortskern weiter aufgewertet werden.
Ziel des e5-Aktionsprogramms – Österreichs Bundes- und Landesprogramm für energiebewusste Gemeinden – ist es, Energieprozesse zu modernisieren, Energie effizienter und intelligenter zu nutzen und klimaschonende, erneuerbare Energieträger vermehrt einzusetzen. Auch die Bürger*innen der jeweiligen Gemeinden sollen optimal in die Realisierung der jeweiligen Projekte eingebunden werden.
e5-Gemeinden ernennen Energiebeauftragte und arbeiten in e5-Teams an der strategischen Umsetzung der energie- und klimapolitischen Ziele der Gemeinde. Bewertet werden die e5-Gemeinden ähnlich dem „Hauben Prinzip“ bei Restaurants: Im Rahmen einer umfassenden externen Evaluierung werden die Gemeinden alle vier Jahre je nach Umsetzungsgrad der gesetzten Maßnahmen bewertet und mit einem bis fünf e’s ausgezeichnet.