Die Entwicklung einer starken Dachmarke legte den Grundstein für TIROL 2050 energieautonom. Susanne Grof-Korbel von der PR-Agentur bettertogether, die Energie Tirol unter der Leitung von Bruno Oberhuber und Sigrid Thomaser bei der Markenentwicklung unterstützte, unterstreicht:
„Die Marke allein reicht nicht. Die Veränderung muss in die Mitte der Gesellschaft getragen werden, um nachhaltig wirken zu können.“
Mit dem Regierungsbeschluss zu TIROL 2050 energieautonom bekannte sich die Tiroler Landesregierung erstmals zum gemeinsamen Ziel der Energiewende und legte damit den Grundstein für den Veränderungsprozess. Im Tirol 2050-Aktionsteam stellten Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler und die ehemalige Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe die nötigen Weichen für TIROL 2050 energieautonom.
Ingrid Felipe betont: „Um die vielfältigen Programme und Maßnahmen gesamthaft sichtbar zu machen und Zuversicht zu verbreiten, wurde ein breit angelegtes Projekt ins Leben gerufen.“
Gemeinsam mit der West Werbeagentur in Imst entstand ein Logo, das als verbindendes Dach für verschiedene Personengruppen und Interessen dient, um gemeinsam eine fossilfreie und nachhaltige Zukunft zu gestalten.
„Die Dialoggruppen sind essenziell, da sie einen Mikrokosmos der Gesellschaft abbilden und damit eine repräsentative Stimme für das große Ganze sind“, erklärt Wenzl.
In diesen geschützten Räumen können Unterschiede respektvoll adressiert und Lösungen gemeinsam entwickelt werden. Dadurch beschleunigen sie die Umsetzung oder ermöglichen sie überhaupt erst – denn oft werden neue Themen zuerst in diesen Gruppen sichtbar und können dann gezielt in den Prozess eingebracht werden. „Das Besondere an den Dialoggruppen ist, dass alle Teilnehmenden aktiv mitarbeiten. Dadurch entsteht immer viel Raum für Diskussionen und Reflexionen im Sinne des Veränderungsprozesses“, so Bruno Oberhuber, Geschäftsführer der Energieagentur Tirol. „Besonders eindrucksvoll sind für mich die vielfältigen Ergebnisse der zahlreichen Titelblätter aus der Zukunft, die die Teilnehmenden im Zuge der Dialoge erarbeiteten, um Ideen und Visionen sichtbar zu machen.“ In diesem Jahr fand zudem der „Ideenkanal“ für gute und umsetzbare Zukunftsideen statt. Insgesamt wurden 75 Ideen aus den unterschiedlichsten Bereichen eingereicht. Aus diesen konnten sich 21 Visionär*innen und engagierte Menschen aus Tirol für den Präsentationsabend im Treibhaus in Innsbruck qualifizieren und stellten ihre Ideen vor lautstarkem Publikum, sowie einem Mentorenteam vor. Fünf glücklichen Gewinnerinnen und Gewinner durften sich über die Teilnahme am Ideencamp und eine finanzielle Förderung freuen.
Mit den Geschichten des Gelingens wurde TIROL 2050 energieautonom einer breiten Öffentlichkeit nähergebracht. Eine Medienkooperation mit der Tiroler Tageszeitung ermöglichte es, 52 inspirierende Erfolgsgeschichten zu veröffentlichen, die das Engagement und die Vielfalt der beteiligten Menschen und Initiativen in Tirol sichtbar machten.
Nicole Ortler, die damals die Öffentlichkeitsarbeit der Energie Tirol leitete, betonte:
„Diese Zusammenarbeit hat maßgeblich dazu beigetragen, die Bekanntheit unseres Ziels einer energieautonomen Zukunft für Tirol weiter zu steigern. Besonders wertvoll war, dass wir durch die Berichterstattung die vielfältigen Möglichkeiten, zu diesem kollektiven Ziel beizutragen, aufzeigen konnten. So entstand eine stärkere Identifikation in der Bevölkerung und die Motivation, gemeinsam nachhaltige Veränderungen voranzutreiben. Dass die Geschichten des Gelingens auch nach Beenden der Medienkooperation weiter bestehen blieben und bis heute monatlich erscheinen, zeugt von der nachhaltigen Wirkung der Aktion.“
Ein weiteres Highlight war der Regierungsbeschluss zu So fährt TIROL 2050, ein Projekt, das seither die Vorteile der E-Mobilität in Tirol mit vielen Aktionen und Bewusstseinsbildung vermittelt.
„Die kleinen Künstler*innen von heute sind die Entscheider*innen von morgen. Auf diese Generation kommt es maßgeblich an, ob Tirol die Energiewende schaffen wird und sich bis 2050 völlig unabhängig mit erneuerbaren Energien versorgen kann“, blickt die zuständige Projektleiterin Dhara Meyer zurück.
Um die Landesverwaltung stärker in den Veränderungsprozess einzubinden, wurden 25 Freiwillige in der Methodik „Appreciative Inquiry“ geschult. Sie führten rund 200 qualitative Interviews durch, die wertvolle Informationen zu gelungenen Projekten lieferten und die Eigenmotivation der Befragten stärkten. Die Initiative „DoppelPlus – Klimaschutz für die kleine Geldtasche“ wurde ins Leben gerufen und richtet sich seither an einkommensschwache Haushalte. Ehrenamtliche Energie- und Klimacoaches beraten Betroffene, wie sie durch einfache Maßnahmen Kosten sparen und zum Klimaschutz beitragen können. So entstehen Win-win-Situationen, die sowohl das Klima schützen als auch den Menschen direkt zugutekommen. Unter der Überschrift „So heizt TIROL 2050“ wurden ab 2017 zahlreiche Aktionen zum Ausstieg aus Öl und Gas initiiert.
„Im TIROL 2050 Heizungskompass haben wir neben der technischen Bewertung von Heizsystemen auch die Frage beantwortet, welche Energieträger Tirols Einfamilienhäuser bis zum Jahr 2050 mit erneuerbarer Wärme beheizen können – denn nicht alles, was möglich ist, ist auch zukunftsfähig“, erzählt Andreas Riedmann, ehemaliger Bereichsleiter Gebäudetechnik bei Energie Tirol.
Erstmals wurde mit den „Ressourcen- und Technologieeinsatz-Szenarien Tirol 2050“ eine umfassende Studie in Zusammenarbeit mit der Wasser Tirol, der Universität Innsbruck und dem MCI, zugeschnitten auf die spezifischen Gegebenheiten Tirols, erstellt. Die Ergebnisse bestätigten, dass die notwendige Energie bei kluger Nutzung aller Ressourcen im Jahressaldo gedeckt werden kann. Entscheidend sind dabei Energieeffizienz, innovative Technologien und das Engagement der Bevölkerung.
„Damit ist es uns gelungen, eine belastbare Grundlage zu den Zahlen, Daten und Fakten der Energieautonomie zu entwickeln. Dies hat maßgeblich zur Steigerung der Glaubwürdigkeit beigetragen“, so Rupert Ebenbichler, nunmehriger Geschäftsführer der Energieagentur Tirol.
Mit der Kampagne „Starker Sport. Starkes Ziel. Starkes Tirol“ wurde ein weiteres Zeichen für den bewussten Umgang mit Energie umgesetzt. Gemeinsam mit dem American Football & Cheerleading Verband Tirol (AFCVT) wurden sportbegeisterte Tirolerinnen und Tiroler dazu aufgerufen, ihren Beitrag zur Energiewende zu leisten. Vier kreative Kampagnenmotive illustrierten, wie Maßnahmen wie die Nutzung von Photovoltaik, nachhaltige Mobilität und moderne Heizsysteme die Energieautonomie fördern. Um die digitale Kommunikation zu optimieren, analysierten Studierende des MCI im „Interaction Lab“ die Website von TIROL 2050 und entwickelten Optimierungsvorschläge. Bei den „Innovation Days“ widmeten sich Studierende hingegen der Frage, wie das Ziel der Energieautonomie stärker im Bewusstsein der Bevölkerung verankert werden kann. Ergänzend dazu entstand mit Unterstützung der Standortagentur Tirol und anderer Partner ein Netzwerk energieeffizienter Unternehmen. Eine praktische Hilfe für alle Haushalte bietet der kleine, schlaue Energie-Ratgeber, der nützliche Tipps für den Alltag enthält und 2018 zum ersten Mal veröffentlicht wurde.
Vertreter von Energieversorgern (TIWAG, IKB, Energie West, TINETZ), gemeinnützigen Bauträgern (Neue Heimat Tirol, Innsbrucker Immobiliengesellschaft) und Mobilitätsdienstleistern (VVT und IVB) erarbeiteten gemeinsam Empfehlungen für die weitere Vorgehensweise und identifizierten Synergien. Stolz wurde auf bereits umgesetzte Maßnahmen zurückgeblickt: Von der Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs über den Ausbau erneuerbarer Energien bis zur Etablierung des Passivhausstandards im Wohnbau. So wurden beispielsweise 125.000 VVT-Jahrestickets verkauft, 18.000 Tonnen CO₂ durch Effizienzprogramme der TIWAG eingespart, 6.500 Mietwohnungen der Neuen Heimat Tirol energetisch saniert und 330-kWp-PV-Anlagen der IKB installiert. Dennoch war das Fazit des Treffens: Es gibt noch viel zu tun, aber auch vielfältige Möglichkeiten, um anzusetzen. Das TIROL 2050 Unternehmensnetzwerk wurde weiter ausgebaut und mit der Initiative „So wirtschaftet TIROL 2050“ ergänzt. Im Rahmen des Freiwilligentags Tirol entstand mithilfe von 20 jungen Menschen der TIROL 2050 Pop Up Store in Innsbruck, der drei Wochen lang mit Formaten rund um die Energieunabhängigkeit bespielt wurde. Die Veranstaltung „Die Energiewende ist weiblich“, beleuchtete die bedeutende Rolle von Frauen in der Energiewende und die Notwendigkeit größerer Geschlechtervielfalt im Energiesektor. Die Podiumsdiskussion, ausschließlich mit Expertinnen besetzt, setzte auf den Austausch zwischen erfahrenen Akteurinnen und jungen Frauen, die eine Zukunft in diesem Bereich anstreben. Themen wie energieeffizientes Bauen, Mobilitätswende und Green Financing wurden von Spezialistinnen präsentiert. Die gesamte Veranstaltung unterstrich, wie wichtig es ist, Frauen in Führungspositionen zu bringen, um frische Ideen und zukunftsfähige Konzepte in der Branche zu fördern. Im Rahmen von TIROL 2050 energieautonom erhielten auch die Organisatorinnen und Organisatoren der Innsbrucker Fridays-for-Future-Bewegung eine Einladung, sich mit der Landespolitik an einen Tisch zu setzen und über ihre Anliegen zu diskutieren. Dabei wurde klar: Die Jugend hat etwas zu sagen.
Über 250 Tiroler Betriebe engagierten sich aktiv im Netzwerk „So wirtschaftet TIROL 2050“, einer Initiative, die Akteur*innen und Initiativen für zukunftsfähiges Wirtschaften vernetzt. Durch regelmäßigen Austausch, thematische Schwerpunkte und gemeinsame Aktionen wurden konkrete Maßnahmen vorangetrieben. Professorin Kerstin Neumann von der Universität Innsbruck betonte die Notwendigkeit des gemeinsamen Handelns aller Stakeholder, um den Klimawandel als große gesellschaftliche Herausforderung zu meistern, wobei die Energiewende eine tragende Rolle einnimmt. Dialoggruppen mit verschiedenen Stakeholdern, darunter Energieversorgungsunternehmen, diskutierten über geplante gesetzliche Neuerungen und die Zukunft der Energieversorgun
Die Energieagentur Tirol und das Land Tirol haben mit der zweiten Tiroler Kinder-Klimaaktion die Volksschulen im Land zum Mitmachen motiviert. Zwölf Volksschulen nahmen teil und präsentierten kreative Ideen für den Klima- und Umweltschutz. Die Volksschule Gries im Sellrain beeindruckte die Jury besonders und gewann den ersten Preis: eine Photovoltaikanlage für ihr Schuldach. Die Kinder zeigten Engagement, indem sie ihre Familien, die Gemeinde und sogar die lokale Presse in ihre Aktionen involvierten.
Parallel dazu war die Testaktion „e-Auto sucht dich“ 2021 ein voller Erfolg. Über 1.200 Teilnehmende konnten den Fahrspaß und Komfort von E-Autos erleben. Rund die Hälfte der Testenden plante, ihr nächstes Auto elektrisch zu betreiben. Mit einer weiteren Aktion setzte Energie Tirol ein sichtbares Zeichen: Das Goldene Photovoltaik-Dachl in der Innsbrucker Maria-Theresien-Straße zog viele Blicke auf sich und verdeutlichte die Wichtigkeit erneuerbarer Energie. Das Jahr 2021 war ein echtes Aufbruchjahr für TIROL 2050 energieautonom. Nach den langen Lockdowns war es endlich wieder an der Zeit, Projekte sichtbar in den öffentlichen Raum zu bringen und so das Bewusstsein für eine nachhaltige Zukunft zu schärfen. Mit dem Goldenen PV-Dachl ist das in besonderer Weise gelungen – direkt an einer der meistbesuchten Straßen Innsbrucks konnte ein starkes Zeichen für die Energiewende gesetzt werden.
TIROL 2050 energieautonom hat sich als inspirierendes Vorzeigeprojekt im gesamten Alpenraum etabliert und wurde als einzige österreichische Initiative mit dem EUSALP Energy Award für herausragende Kommunikation und Bürgersensibilisierung ausgezeichnet. Diese Anerkennung, die sich gegen 23 Initiativen durchsetzte, verdeutlicht den Erfolg der Bemühungen, die Bevölkerung für die Energiewende zu begeistern. Über 60 Prozent der Tirolerinnen und Tiroler kannten bereits 2020 das energiepolitische Ziel TIROL 2050 energieautonom, und rund 80 Prozent standen dem Ziel positiv gegenüber. Dies zeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger durch Aktionen wie Dialogveranstaltungen, die Kinder-Klimakonferenz und Kooperationen mit Sportvereinen und Musiker*innen aktiv eingebunden und für die Energieziele des Landes begeistert werden konnten.
2023 markierte den Start des Lehrgangs „Changemaker*innen für TIROL 2050“, einer interdisziplinären Ausbildung, die Akteurinnen und Akteure in Tirol unterstützt, die Energie- und Klimawende aktiv mitzugestalten. Dieser Lehrgang, initiiert von der Energieagentur Tirol, dem Klimabündnis Tirol und Trainconsulting, bietet engagierten Personen aus Organisationen, Unternehmen und Verwaltungen Werkzeuge, um Veränderungsprozesse in ihren Bereichen wirkungsvoll umzusetzen.
Mit einem systemischen Ansatz lernen die Teilnehmenden, wie sie Kommunikation und Veranstaltungsplanung effektiv nutzen und neue Denkansätze anwenden können, um die tiefgreifenden Veränderungen für eine nachhaltige Zukunft anzustoßen. Parallel dazu startete das Reallabor INNERGY, ein Projekt, das klimaneutrale Lösungen für semiurbane Gebiete im Inntal entwickelt. Unterstützt durch die FFG und gemeinsam mit Partnern wie der Standortagentur Tirol und der Universität Innsbruck zielt INNERGY darauf ab, innovative Energiekonzepte für Bestandsquartiere und Industriebetriebe zu testen und weiterzuentwickeln. Die Region von Wattens bis Zirl dient als Prototyp für dieses ambitionierte Projekt, das Lösungen für eine klimaneutrale Zukunft hervorbringen soll.
2024 markiert einen bedeutenden Meilenstein für Tirol auf dem Weg zur Energieautonomie. Mit dem Energiewendetag am 3. Juli hat Tirol erstmals die 50-Prozent-Marke für erneuerbare Energieerzeugung erreicht – ein klares Zeichen dafür, dass die Hälfte des Weges geschafft ist. Tirol kann sich aktuell an 184 Tagen im Jahr rechnerisch selbst mit heimischer, erneuerbarer Energie versorgen. Um bis 2050 vollständig energieautonom zu sein, bedarf es jedoch weiterer Schritte, wie das aktualisierte Zielszenario der Energieagentur Tirol zeigt. Im Rahmen des zehnjährigen Jubiläums von TIROL 2050 energieautonom findet 2024 die erste Energiekonferenz Tirol in Innsbruck statt. Diese Konferenz markiert einen zentralen Meilenstein, da sie eine regelmäßige Plattform schaffen soll, die den Austausch und die Kommunikation zur Energieautonomie stärkt. In diesem Jahr rückten die Konferenzthemen neben einem Rückblick auf die bisherigen Erfolge auch die Herausforderungen der nächsten Jahre in den Fokus. Teilnehmende erhalten wertvolle Einblicke in multiplizierbare Lösungsansätze und konkrete Schritte, die zur Erreichung der Energieziele erforderlich sind.