Die nächste Hitzewelle ist da und zeigt einmal mehr: Städte und Gemeinden müssen sich an höhere Temperaturen anpassen. Asphalt, Beton und versiegelte Flächen speichern Wärme, fehlender Schatten und mangelnde Begrünung erhöhen die Belastung für die Bevölkerung zusätzlich. Die e5-Landeshauptstadt Innsbruck hat auf diese Entwicklung reagiert und mit einem umfassenden Hitzeaktionsplan die Grundlage für konkrete Maßnahmen geschaffen. Einer der daraus resultierenden Schritte ist die Umgestaltung von öffentlichen Plätzen, wie dem DDr.-Alois-Lugger-Platz im Olympischen Dorf und dem Bozner Platz mitten im Stadtzentrum. Ein zentrales Element beider Projekte sind Bäume, die als natürlicher Hitzeschutz eine entscheidende Rolle spielen.
Was über Jahrzehnte als vollversiegelter Betonplatz mit einer Fläche von 4.200 Quadratmetern mehr oder weniger ungenutzt blieb, entwickelte sich durch die umfangreiche Umgestaltung zu einer neuen Begegnungszone mit Grünflächen, Sitzgelegenheiten, Spiel- und Bewegungsangeboten sowie Raum für Veranstaltungen. Besonders herausfordernd dabei war die Tatsache, dass sich unter dem DDr.-Alois-Lugger-Platz eine Tiefgarage befindet. Dennoch ist es gelungen, durch eine teilweise Anhebung des Areals neue Grünflächen zu schaffen. Dadurch konnten 23 Bäume und zahlreiche Sträucher gepflanzt sowie großzügige Grünflächen angelegt werden.
„Wir haben hier ein grünes Wohnzimmer geschaffen“, sagt Christine Schermer, die damalige Projektleiterin.
Gleichzeitig sei es wichtig gewesen, durch zahlreiche Sitz-, Spiel- und Trainingsmöglichkeiten, einen Ort zu gestalten, an dem sich Menschen aller Generationen gerne aufhalten. Das Ergebnis ist ein Platz, der nicht nur optisch aufgewertet wurde, sondern durch Schatten, Verdunstung und Begrünung aktiv zur Kühlung seines Umfelds beiträgt.
Welchen Einfluss Begrünung konkret auf das lokale Mikroklima haben kann, zeigt eine Studie des EU-Projekts MountResilience der Energieagentur Tirol. Dabei wurde unter anderem die Wirkung von grüner Infrastruktur auf einem Dorfplatz untersucht und der Einfluss verschiedener Begrünungsmaßnahmen auf die gefühlte Temperatur simuliert. Die Ergebnisse sind eindeutig: „Einzelne Bäume können die gefühlte Temperatur um bis zu zehn Grad Celsius senken. Noch größer ist der Effekt geschlossener Baumreihen, die je nach Situation für eine Reduktion der gefühlten Temperatur um 15 bis 18 Grad sorgen können“, erklären Valerie Mense und Sophie Puchner von der Energieagentur Tirol. Bäume sind der Studie zufolge die effektivste natürliche Kühlungsmaßnahme im öffentlichen Raum. Sie senken die Temperaturen effektiver als reine Grünflächen, da sie sowohl Schatten spenden als auch durch Verdunstung kühlen.
Dass Bäume die Belastung durch Hitze maßgeblich reduzieren können, belegen auch die Simulationen für den Bozner Platz in Innsbruck, der im Zuge der Umgestaltung mit zahlreichen Jungbäumen bepflanzt wurde.
„Hier am Bozner Platz zeigen unsere Modelle, dass in 20 Jahren die gefühlte Temperatur um 18 Grad unter jener liegen wird, die wir heute vorfinden“, erklärt Projektleiter Christian Müller.
Viele Bäume, zahlreiche Sitzgelegenheiten und ein kühlender Brunnen ermöglichen es den Menschen in der Stadt, sich auch bei heißen Temperaturen im Freien aufzuhalten.
Ein zentrales Element am Bozner Platz ist außerdem das sogenannte Schwammstadtprinzip. Dabei wird Regenwasser nicht in die Kanalisation abgeleitet, sondern direkt vor Ort in einer speziellen Bodenschicht gespeichert. Dieses kann später verdunsten, entzieht dabei der Umgebung Wärme und sorgt so für natürliche Kühlung. Gerade in dicht bebauten Gemeinden gewinnt dieser Ansatz zunehmend an Bedeutung.
Die Beispiele aus der e5-Landeshauptstadt Innsbruck zeigen, dass wirksamer Hitzeschutz im öffentlichen Raum vielfältig umgesetzt werden kann. Besonders wirksam sind Maßnahmen, die Begrünung, Beschattung und den natürlichen Wasserkreislauf miteinander verbinden. Bäume, Grünflächen, Trinkbrunnen, Wasserspiele und attraktive Aufenthaltsbereiche tragen nicht nur zu einer höheren Aufenthaltsqualität bei, sondern helfen auch, die Auswirkungen zunehmender Hitze zu reduzieren. Gemeinden, die ähnliche Maßnahmen umsetzen möchten, erhalten bei der Energieagentur Tirol Unterstützung durch Beratung und fachliche Begleitung.