Die erste österreichische Stadt, die ein flächendeckendes E-Carsharing anbietet?
Die meisten werden jetzt wahrscheinlich an Wien denken. In Wirklichkeit kann diesen Erfolg Kufstein mit dem Angebot von Beecar verzeichnen.
Zwölf Autos an neun Standorten machen es möglich, dass jede Kufsteinerin und jeder Kufsteiner im Kerngebiet nie weiter als 700 Meter von einem Leihauto entfernt ist.

Projektstart

Gestartet ist Beecar 2017 als LEADER Förderprojekt der Stadtwerke Kufstein. „Carsharing und E-Mobilität war damals europaweit in aller Munde. Wir wollten den Beweis antreten, dass die beiden Konzepte in Kombination auch in Tirol funktionieren können. Wir haben uns sozusagen auf ein Abenteuer eingelassen, welches nun zu einer echten Erfolgsgeschichte gewachsen ist“, erzählt Martin Tschurtschenthaler, der das Projekt Beecar für die Stadtwerke Kufstein leitet.

von der idee zur umsetzung

Aber welches sind die Zutaten, die man für ein erfolgreiches E-Carsharing braucht?

„Am Anfang stehen natürlich die Fahrzeuge. Hier haben wir uns verschiedene Modelle angeschaut und gemeinsam mit den Gemeinden ein passendes Elektroauto ausgesucht.“

Beecar ist neben Kufstein auch in Niederndorf und Kössen aktiv. Aber mit dem Auto alleine ist noch nicht viel gewonnen. „Eine große Herausforderung war das Thema Buchungsplattform. Warum alles neu erfinden dachten wir uns, da muss es doch schon was Funktionierendes geben. Über den Austausch mit den E-Carsharing-Betreibern in Osttirol sind wir dann auf die Plattform Caruso aus Vorarlberg gestoßen und fündig geworden.“

Das Angebot war damit geschaffen. Doch wie bringt man es unter die Leute? „Damit wir möglichst viele NutzerInnen generieren können, mussten wir ein attraktives Angebot schaffen – vor allem inhaltlich aber auch aus Marketingsicht. Daher haben wir einen kreativen Prozess aufgesetzt, um einen passenden Namen zu finden und daraus eine Marke zu kreieren“, erzählt Tschurtschenthaler.

Aus diesem Prozess ist das Wortspiel Beecar entstanden, das sowohl als „be e-car“ (sei E-Auto) als auch als „bee-car“ (Bienen-Auto) gelesen werden kann.

raketenstart

Von Anfang an war klar, dass Qualität, Standard und Verfügbarkeit des Angebots zentral für den Erfolg sein werden. Anders als man erwarten könnte, gab es deshalb keinen vorsichtigen Start, sondern einen mutigen mit gleich drei Fahrzeugen, proaktivem Ansprechen von potenziellen Nutzungsgruppen wie Unternehmen, Fachhochschule, Banken, Gemeindeverwaltung usw. „Bald war klar, dass wir den Zahn der Zeit getroffen hatten und mehr Standorte und Fahrzeuge an neuralgischen Punkten wie Tiefgaragen, Altenwohnheim oder Volksschule sinnvoll wären. Und so sind wir innerhalb von zwei Jahren stetig aber doch relativ schnell in die Breite gewachsen und konnten gleichzeitig auch die KundInnenzahlen steigern“, so Tschurtschenthaler. Jetzt ist Kufstein mit neun E-Carsharing-Standorten und zwölf Fahrzeugen die erste österreichische Stadt mit einem flächendeckenden Carsharing.

sieben weltumrundungen

Monatlich werden mit den Beecars mehr als 15.000 Kilometer emissionsfrei zurückgelegt. Die Autos haben jeweils eine durchschnittliche Auslastung von 4 bis 5 Stunden pro Tag. Seit dem Start sind 280 KundInnen mit den Flitzern aus Kufstein stolze 290.000 Kilometer gefahren – und haben damit mehr als sieben Mal die Welt umrundet.

„Unser Kundenprofil ist äußerst vielfältig – vom Führerscheinanfänger über die Pensionistin, den Bankangestellten und die Professorin bis hin zum Bauhofmitarbeiter ist alles dabei.“

verbindung zum öffentlichen verkehr

Die Beecar-Autos sind auch Teil des landesweiten Carsharing TIROL 2050. Mit einem kleinen Aufschlag auf das VVT-Jahresabo ist man so automatisch Mitglied bei Beecar und floMobil, dem zweiten großen Betreiber von E-Carsharing in Tirol. Es gibt auch spezielle Vielfahrer-Tarife, welche ein Jahresticket für den öffentlichen Stadtverkehr in Kufstein beinhalten. Damit wird Beecar zur echten Alternative zum eigenen Auto.

zukunftspläne

Der Fokus für zukünftige Pläne bleibt im Raum Kufstein. „Hier kennen wir einerseits die lokalen Gegebenheiten und können zudem einen persönlichen Service gewährleisten.“ Bei der Akquise von neuen KundInnen sieht man in Kufstein noch Potenzial nach oben, auch im Segment Tourismus:

„Das Thema nachhaltige Mobilität im Urlaub kommt immer öfter auf den Tisch. Hier lässt sich bestimmt ein attraktives Angebot für Gäste schnüren.“

„Wir wollen nachhaltig wachsen – da wo die Autos stark ausgelastet sind, mehr Fahrzeuge zur Verfügung stellen und noch weitere Standorte hinzufügen. Wir möchten die Zahl unserer Standorte in den nächsten Jahren verdoppeln.“

Und mit den vielen neuen Elektroauto-Modellen die in den nächsten Monaten und Jahren auf den Markt kommen, soll vielleicht sogar ein Bus oder Lieferwagen im Fuhrpark ergänzt werden.

KundInnenstimmen


Diese Geschichte ist erschienen: 2020

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