Das neue Haus der Musik in Innsbruck muss vielen Anforderungen gerecht werden – seien es empfindliche Geigen, strenge bautechnische Vorgaben oder ein sensibles Stadtbild.

Dass das Gebäude neben all dem auch zukunftsfit sein sollte, war von Anfang an klar. „Wir als IIG bauen schon seit Jahren nach der Prämisse der Energieeffizienz - also eigentlich nur noch im Passivhausstandard und überall wo es geht mit erneuerbarem Heizsystem“, so Geschäftsführer Franz Danler. 

„Dass in diesem Fall dann der politische Wille so stark dazukam war besonders schön.“

Projektleiter Georg Preyer

Selbstverständlichkeit

„Wir machen hier ja auch nichts total Außergewöhnliches, das ist inzwischen einfach Stand der Technik – oder kann es zumindest sein. In Zeiten der Klimakrise sollte Energie effizient und erneuerbar eingesetzt werden. So sehen das ja auch die Energiestrategien bis 2050 von Land und Stadt vor“, stellt Hannes Gstrein, Bereichsleiter für Energieeffizienz und nachhaltige Gebäudeentwicklung bei der IIG, klar.

natürliche wärme

Hannes Gstreins Herz schlägt für energieeffizientes Bauen.  Beim Haus der Musik als Kulturbau gab es ganz spezielle Anforderungen.
„Die Nutzung steht berechtigterweise im Vordergrund.
Hier trotzdem ein gescheites Energiesystem zu installieren,
war eine spannende Herausforderung.“
Für die Beheizung wird auf die Energie aus dem Grundwasser zurückgegriffen – zwei im Vergleich zum Gebäude winzig wirkende Wärmepumpen nutzen mit Strom aus Tiroler Wasserkraft die Temperaturen der Tiefe.

„Alles ganz ohne Öl oder Gas und damit ganz ohne CO2!“


Bei dieser Art von Gebäude, mit komplexer Nutzung und hohem Glasanteil, verlangt die richtige Planung der Kühlung aber mindestens genauso viel Aufmerksamkeit wie die Heizung.

„Die vielen Glaselemente repräsentieren den Gedanken eines offenen Hauses. Um eine Überhitzung zu vermeiden, müssen diese natürlich auch entsprechend beschattet werden können."

"Dazu haben wir uns für bewegliche Keramik-Lamellen entschieden, die dem Lauf der Sonne automatisch nachgeführt werden. Ganz ohne maschinelle Kühlung geht es aber trotzdem nicht. Zum Glück können wir auch hier auf das Grundwasser und die Wärmepumpen zurückgreifen.“

In ihrer Funktion erzeugt eine Wärmepumpe nämlich auch Kälte. Wenn entsprechend geplant wird, kann diese ganz einfach genutzt werden.

vielfalt vereinen

Im Gebäude sind in etwa zehn verschiedene NutzerInnen untergebracht. Wäre das Haus der Musik ein Wohngebäude, hätten dort um die 150 Wohnungen Platz. Hier aber duscht nur selten jemand – für das Warmwasser wird daher mit kleinen und in diesem Fall genau richtig dimensionierten Durchlauferwärmern gearbeitet. Auch die Belüftung ist ausgefeilt: Wenn im Gebäudeteil A gerade frische Luft gebraucht wird, ist im Teil B und C nicht unbedingt ein Bedarf. Daher können die Geräte einzeln angesteuert und individuell auf die NutzerInnen eingestellt werden.

Intelligente planung

„Wird an kalten Wintertagen mehr Energie als üblich benötigt,
wird ein weiteres normalerweise ungenutztes Potenzial gehoben:
Die Wärme wird den Wasserspeichern der Sprinkleranlage entzogen.“

Eine weitere Besonderheit ist die thermische Simulation des Gebäudes. Bei der Simulation wird die Leistung für Heizen und Kühlen nicht statisch berechnet, sondern das Gebäude als Ganzes betrachtet.


Wärmeeinträge durch Personen, Sonneinstrahlung und Luftwechselzahlen sind nur drei von vielen Parametern die berücksichtigt werden. Was heute noch kaum Anwendung findet, kann und muss in Zukunft vermehrt zum Einsatz kommen“, ist Gstrein überzeugt.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Durch diese zusätzliche Planungsleistung konnte die tatsächlich benötigte Grundwassermenge gegenüber der Standardberechnung um über 66 Prozent reduziert werden.

„Das spart nicht nur immens Investitionskosten, sondern macht die gezielte Nutzung von erneuerbaren Ressourcen bei so großen Objekten erst möglich.“

pulsierend

Auch Wolfgang Laubichler, der Direktor des Haus der Musik, ist erfreut: „Schön, dass wir in so ein technisch vorbildliches Haus einladen können – als neues Herzstück des Innsbrucker Kulturquartiers sind wir auch technisch am Puls der Zeit.“

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