Ein Auto zu teilen anstatt es zu besitzen wird auch in Tirol immer beliebter. Unter dem Titel des Carsharings tauchen immer mehr Angebote für den privaten Bereich auf und haben schon das ein oder andere (Zweit-)Auto ersetzt.
Doch auch Unternehmen können bei ihrem Fuhrparkmanagement von geteilten Autos profitieren. Die international tätige Plansee Gruppe im Außerfern gibt Einblick in ihr Corporate Carsharing.

mit system

„Wir haben ein weißes System und ein blaues System“, erklärt DI (FH) Frank Pohler, Leiter des Facility Management bei Plansee. Unterschiedliche MitarbeiterInnengruppen haben unterschiedliche Anforderungen und demnach auch einen anderen Fahrzeugpool. Im weißen System befinden sich 10 Fahrzeuge, deren Hauptzweck vor allem der Transport einzelner Personen ist. Im blauen System gibt es 13 weitere Fahrzeuge, welche auch für Material und Werkzeugtransport genutzt werden.

Durch das firmeninterne Carsharing konnten bereits mehr als 30 % der Abteilungs-Fahrzeuge eingespart werden. „Das bringt natürlich einige Vorteile mit sich. Erstens haben wir einen Platzgewinn auf dem Betriebsgelände. Den brauchen wir dringend für unsere verschiedensten Gewerke und größeren Transportfahrzeuge. Zweitens ist es sicherer. Wir vermeiden durch weniger Fahrzeuge am Betriebsgelände ja auch Unfälle. Und drittens ist es natürlich insgesamt betrachtet auch günstiger. Wir reduzieren durch die Anzahl der Fahrzeuge im Fuhrpark letztendlich auch die Miet- und Gesamtkosten.“

corporate carsharing

Im ersten Moment wirkt es vielleicht etwas verwunderlich, denn das betriebliche Carsharing ist auf das Plansee Betriebsgelände beschränkt. Doch die Dimensionen sind hier andere, als man es sich zunächst vorstellen mag. Vor 99 Jahren wurde Plansee von Dr. Paul Schwarzkopf in Reutte/Breitenwang gegründet und seither ist das ‚Metallwerk‘, wie es in der Region auch genannt wird, stetig gewachsen.

Heute arbeiten mehr als 2000 MitarbeiterInnen am Standort im Außerfern, das Betriebsgelände ist weitläufig. Wer für eine Besprechung vom einen Ende zum anderen muss, überwindet auch leicht einmal 80 Höhenmeter. Daher werden die insgesamt 23 Carsharing-Autos, von denen sechs rein elektrisch fahren, am Gelände auch regelmäßig genutzt. Im Schnitt sind es 100-150 km pro Fahrzeug und Monat.

Dahinter liegt ein ausgeklügeltes System, das vom Projektpartner Stadtwerke Wörgl unter dem Namen floMOBIL entwickelt und als Komplettlösung angeboten wird. Als großer Carsharing-Betreiber in Tirol liegt hier viel Know-how. Plansee ist ein eigener Mandant in der floMOBIL Software, so dass jede/r MitarbeiterIn auf einen digitalen Buchungskalender zugreifen kann.

„Jeweils für bis zu drei Stunden kann ich mir als MitarbeiterIn ein Fahrzeug ausleihen, dann bringe ich es wieder an den ursprünglichen Standort zurück“

erklärt Christian Wolf, ein regelmäßiger Nutzer der Autos.

„Es funktioniert einwandfrei, die Fahrzeuge sind leicht zu buchen, mit der Chipkarte zu öffnen und man kommt rascher und bei jedem Wetter zum Ziel.“

Flottenanalyse

Parallel zur Anschaffung der vier Elektro-Weezl, der beiden E-Kleinwagen und der Einbindung weiterer 17 Verbrenner in das „Corporate Carsharing“, wurde auch die Flottennutzung analysiert. So werden Potenziale sichtbar. „Man kommt als Betrieb ohne eine solche Analyse nach und nach in einen Teufelskreis und schafft mit der Zeit immer mehr Fahrzeuge an. Erst die Transparenz über Auslastung, Nutzungsdauer und Verfügbarkeit der einzelnen Fahrzeuge gibt einem die Möglichkeit zur Steuerung“, erklärt Gerhard Dummeldinger von floMOBIL die Auswertung. In einem regelmäßigen Bericht werden alle Kennzahlen ans Unternehmen übermittelt.

In Zukunft sollen die erhobenen Potenziale weiter ausgebaut und noch besser genutzt werden. Dazu wird über ein offenes System nachgedacht, bei dem die MitarbeiterInnen die Fahrzeuge auch mit nach Hause nehmen. So könnten weitere Fahrzeuge aus dem Werksgelände entnommen und der Fuhrpark auf bis zu 30 % des ursprünglichen Stands 2018/19 reduziert werden. Wo möglich, werden Verbrenner nach und nach durch Elektroautos ersetzt werden. Auch Fahrräder möchte man in Zukunft in das System integrieren.

„Natürlich gab es zu Anfang auch hier und dort Missmut über die Reduzierung von Abteilungswagen, aber letztendlich überwiegen die Vorteile. Zum Glück wurde das Projekt von Anfang an von der Geschäftsführung mitgetragen, sonst funktioniert so eine Umstellung nicht. Aber was in diesem Werk gut läuft, überzeugt die MitarbeiterInnen und kann so langsam aber sicher in die Region wachsen.“


Diese Geschichte ist erschienen: 2016

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