Knackige rote Radieschen glänzen frisch gewaschen in ihren Kisten – der Betrieb auf den Feldern läuft jetzt im April auf Hochtouren. Fünf Bauern haben sich im 5er Gemüseland zu einer in Tirol einmaligen Kooperative zusammengeschlossen: Angefangen von gemeinsamen Hallen und Zufahrtswegen über die Tankstelle hin zu Maschinen wird Infrastruktur gemeinsam genutzt. 

Ideen säen...

Christian Braito kam vor gut fünf Jahren mit der Projektidee auf die Bauern zu, nachdem die beengten Platzverhältnisse im Ort für alle Beteiligten zum Problem geworden waren: „Ich kam täglich an der ehemaligen, riesigen leerstehenden Straubkaserne vorbei und hab mir gedacht – da muss man doch was machen!“ Jetzt ist er, wie er selber sagt, als „Schiedsrichter“ beim Gemüseland angestellt.

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„Idee gut – aber das klappt sicher nicht“, sei eine sehr häufige Reaktion gewesen, erzählt Braito mit heute zufriedenem Lächeln. Der Projektentwickler und Visionär schaffte es, sich gemeinsam mit den Bauern durchzusetzen. 2017 war das erste Jahr, in dem alle Landwirte nach der Planungs- und Umbauphase voll in Betrieb gingen – die Bilanz ist positiv.

„Es war klar, dass wir die großen Infrastrukturthemen – Energie, Wasser, Logistik und so weiter, zentral planen und gemeinsam umsetzen. Das hat sich gelohnt!“

„Das Schöne ist ja, dass unser Stromverbrauch so ziemlich dem Lauf der Sonne folgt – morgens fahren die Traktoren raus und wenn das Gemüse gewaschen und gekühlt werden muss, scheint die Sonne schon ordentlich!“

Auf insgesamt sechs Gebäuden wurden Photovoltaik–Anlagen errichtet. So schafft es das Gemüseland, im Jahr so viel Strom zu produzieren wie benötigt wird und jeder einzelne Landwirt profitiert davon. „Wir sind wirklich in Euro autark, was den Strom angeht. Wir werden unseren Verbrauch aber auch immer stärker so timen, dass wir unseren eigenen Strom verbrauchen“, erklärt Braito an der digitalen Verbrauchs- und Produktions-Anzeigetafel.

Zukunftsmusik

Auch die Kühlung wird besonders intelligent gesteuert: Die entstehende Prozesswärme wird mithilfe einer Wärmepumpe fürs Heizen und das Warmwasser genutzt. „So sparen wir uns natürlich einiges an Gas“, freut sich Braito. Das Kühlwasser aus dem eigenen Brunnen wird nicht wie in Tirol sonst üblich nach dem Kühlvorgang bei 4° C wieder in einen „Negativbrunnen“ geleitet, sondern durch geschlitzte Rohrsysteme in 2,5 Meter Tiefe breitflächig versickert und darf deswegen um zwei Grad wärmer sein. Dadurch lässt sich der Kühlbedarf mit der Hälfte des Wasserverbrauchs erledigen.

Teamwork

„Einmal wöchentlich sitzen wir hier beisammen und besprechen alles, was mehr als einen betrifft. Gemeinschaft muss man auch lernen – der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Kleine Schritte wie die ehemalige gemeinsame Rapsöl-Tankstelle haben schnell Vorteile für jeden Einzelnen gezeigt – und mittlerweile, zum Beispiel bei der Anschaffung einer neuen Waschanlage, ist es überhaupt keine Frage mehr ob alle mitmachen.“

„Solche innovativen technischen Maßnahmen könnte sich ein Einzelner gar nicht leisten – und hier profitieren alle davon. Natürlich auch die Umwelt.“, erklärt der auch für EU-Förderungen zuständige Braito und gibt Einblick in die internen Strukturen:

„Ich mache alles außer Gemüse – so kann sich der Bauer wieder auf das konzentrieren, was er am besten kann.“

grosse pläne

In naher Zukunft soll neben den bestehenden 17 Mietern wie einem Schlosser, einer Bäckerei und einer LKW-Werkstatt ein ganz besonderes Projekt am Kasernengelände ‚heranwachsen‘: Zwei junge Konstrukteure aus Rum bauen gerade die erste Österreichische Zuchtanlage für „Alpengarnelen“. Auch der Biobetrieb soll ausgebaut werden.

Übergemüse

Auch für Lösungen bezüglich der anfallenden Gemüseabfälle ist Braito offen: „Wir konnten durch die Synergien unter den Bauern den Ausschuss von teilweise 40% auf unter 7% senken“, berichtet er, „aber trotzdem fallen beispielsweise jährlich hunderte Tonnen optisch nicht für den Handel geeignete Karotten an.“ Einzelne Bauern beteiligen sich daher aktiv am Pilotprojekt „Übergemüse“ zur Vermarktung dieses Ausschusses.

"Insgesamt sind wir am besten Weg mit Gemüseland Tirol eine eigene Marke in Sachen Energieeffizienz, Sparsamkeit und Verantwortung im Gemüsebau zu schaffen."

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