Energieeffiziente Gemeindegebäude

Zwei Wege, ein Ziel

Gebäude zählen zu den größten Hebeln, wenn es darum geht, Energie zu sparen und fossile Energieträger zu ersetzen. Manchmal reicht eine umfassende Sanierung, manchmal führt kein Weg an einem Neubau vorbei. Tirols Gemeinden gehen dabei trotz knapper Budgets und anspruchsvoller Rahmenbedingungen mit gutem Beispiel voran.

Erschienen: Oktober  2026 / Lesedauer: 6 Minuten / Erfahre hier mehr über Energieeffizienz

Tiroler Gemeinden stehen landauf, landab vor Herausforderungen. Eine davon ist der Erhalt von Gemeindegebäuden: angefangen bei Gemeindeämtern, Schulen und Kindergärten über Vereinsheime bis hin zu Feuerwehrhallen ist alles dabei. Vieles davon muss entweder saniert, erweitert oder neu gebaut werden, um die Bedürfnisse der Gemeindebewohner*innen weiterhin decken zu können.

Wie so ein Prozess aussehen kann, haben wir uns anhand zweier Tiroler Beispiele angesehen: dem gänzlich neu gebauten Feuerwehr- und Vereinshaus in der e5-Gemeinde Mötz sowie dem schrittweise sanierten und erweiterten Bildungszentrum in der e5-Gemeinde Reith bei Kitzbühel.

Wir wollen unabhängig werden!

TIROL 2050 energieautonom ist unser großes gemeinsames Ziel, wodurch unser Land frei von fossilen Rohstoffen wird und wir unsere benötigte Energie komplett aus erneuerbaren Energieträgern selbst produzieren. Die Geschichten des Gelingens zeigen monatlich vorbildhafte Umsetzungen von Gemeinden, Privatpersonen und Unternehmen, die einen wichtigen Beitrag zum Erreichen von TIROL 2050 energieautonom leisten.

Ein neuer Platz für vieles in Mötz

In Mötz wurden bereits 2020 im Gemeinderat Überlegungen angestellt, was mit der alten Feuerwehrhalle passieren soll, der ältesten im gesamten Bezirk. Dass es ein neues Gebäude braucht, war nach eingehender Prüfung schnell klar. Man wollte diesen Entschluss jedoch nutzen, um im Rahmen eines Bürger*innenbeteiligungsprozess die künftigen Nutzungen und die Anforderungen an das neue Gebäude gemeinsam mit der Bevölkerung zu definieren.

So entstand der Plan, die Feuerwehr, sämtliche Vereine im Dorf, die Bücherei, die Lebenshilfe sowie einen Veranstaltungssaal unter einem Dach zu vereinen und damit dafür zu sorgen, dass das Gebäude ganztägig gut ausgelastet ist.

Feuerwehr- und Vereinshaus Mötz

Nutzung:

  • Feuerwehr, Vereine, Bücherei, Lebenshilfe, Dorf- und Bezirkschronik sowie gemeinschaftlich nutzbare Veranstaltungsräume

Bauliche Maßnahmen:

  • Neubau: Feuerwehr- und Vereinshaus, Fertigstellung 2026 (19 Monate Bauzeit)
  • Gemeinsames Foyer als zentraler Treffpunkt für alle Nutzer*innen
  • Veranstaltungsraum sowie gemeinsam nutzbarer Küchen- und Gastrobereich
  • Feuerwehrhalle mit Aufenthaltsräumen und Kommandoraum
  • Bücherei zum Dorf hin orientiert
  • Holzbauweise mit Hanfdämmung, lediglich die Feuerwehrhalle in Beton ausgeführt
  • Versickerungsoffen ausgeführte Parkflächen

Energie- und Gebäudetechnik:

  • Photovoltaikanlage mit 70 Kilowatt-Peak (kWp)
  • Grundwasserwärmepumpe
  • Batteriespeicher mit 192 Kilowattstunden (kWh) Kapazität
  • Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
  • E-Ladestation, zweite Ladestation in Vorbereitung
  • Fahrradabstellplätze

klimaaktiv Gold Standard

Dass dieses Projekt tirolweit eine Vorreiterrolle einnehmen sollte, ist dem unermüdlichen Einsatz des Bürgermeisters von Mötz, Michael Kluibenschädel, zu verdanken. Gemeinsam mit dem Gemeinderat sorgte er dafür, dass die Weichen beim Neubau auf den klimaaktiv Gold Standard gestellt wurden und somit gewährleistet ist, dass das neue Mehrzweckgebäude neue Maßstäbe setzt. „Wer soll diese Rolle einnehmen, wenn nicht die Gemeinden? Wenn wir zeigen wollen, dass man nachhaltig bauen kann, dann müssen wir das vormachen und beweisen“, erklärt Kluibenschädel seinen simplen, aber äußerst sinnvollen Gedanken dahinter.

„Als Gemeinde stehen wir gegenüber unseren Bürger*innen in der Verantwortung, sorgsam mit Ressourcen umzugehen und an die Zukunft zu denken“, führt er fort. „Dafür waren und sind natürlich gute Partner*innen notwendig, die wir unter anderem mit dem Architekturbüro Imgang und weiteren heimischen Betrieben gefunden haben“, schließt er ab.

Was ist der klimaaktiv Gebäudestandard?

Der klimaaktiv Gebäudestandard ist das Qualitätszeichen für nachhaltiges Bauen und Sanieren – eine Initiative des Bundes für Klimaschutz, Mobilitäts- und Energiewende. Bewertet werden Gebäude ganzheitlich: von der Energieeffizienz über die ökologische Bauweise bis hin zur Ausführungsqualität. Dabei kommen klare und überprüfbare Kriterien zum Einsatz. Ziel ist es, klima- und ressourcenschonendes Bauen zu fördern und hohe Standards in der Baupraxis sichtbar zu machen.

„(...) Wenn wir zeigen wollen, dass man nachhaltig bauen kann, dann müssen wir das vormachen und beweisen“

Michael Kluibenschädel, Bürgermeister e5-Gemeinde Mötz

„Bei diesem Projekt war schnell klar, dass wir das schaffen können, wenn alle an einem Strang ziehen.“

Alexandra Schmid Roner,  Architekturbüro Imgang 

„In Tirol stoßen wir beim klimaaktiv Gold Standard noch etwas an unsere Grenzen“, erklärt Alexandra Schmid Roner, Partnerin des Architekturbüros Imgang aus Innsbruck. „Hier müssen alle am Bau beteiligten Unternehmen natürlich grundsätzlich erst einmal wissen, was damit gemeint ist, und zum Beispiel bei Themen wie der Materialbeschaffung genauer hinschauen“, erklärt sie.

„Bei diesem Projekt war schnell klar, dass wir das schaffen können, wenn alle an einem Strang ziehen“, freut sie sich über das Ergebnis.

Alle unter einem Dach in Reith bei Kitzbühel

Nicht neu, dafür aber umgebaut und erweitert wurde die Schule in Reith bei Kitzbühel. Was vorher nur als Volksschule diente, ist nun ein Bildungszentrum, das nicht nur die Volksschule, sondern auch Kindergarten und Kinderkrippe beherbergt. 

„Platz ist knapp und teuer in Reith. Daher haben wir uns im Sinne der Gemeindebürger*innen dafür entschieden, die alte Schule zu sanieren und die ehemalige Turnhalle aufzustocken, um mehr Platz für unsere Kleinsten im Ort zu schaffen“, erklärt Bürgermeister Stefan Jöchl. 

Die Zusammenführung erleichtert auch den Familienalltag: Kinder unterschiedlichen Alters können das Bildungszentrum nun gemeinsam mit dem Pedibus besuchen, statt zu verschiedenen Standorten gebracht werden zu müssen.

Was ist ein Pedibus?

Ein Pedibus (auch „Bus auf Füßen“ oder „Walking Bus“ genannt) ist eine organisierte Gehgemeinschaft, bei der Kinder ihren Schul- oder Kindergartenweg gemeinsam zu Fuß unter Begleitung von Erwachsenen zurücklegen.

„Hier haben wir uns aufgrund des knappen Budgets für ein Stufenmodell entschieden (...).“

Stefan Jöchl, Bürgermeister e5-Gemeinde Reith bei Kitzbühel

Im Zuge der Erweiterung wurde das Gebäude zudem schrittweise thermisch saniert und gedämmt, und mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet. Weitblick bewies die Gemeinde auch bei der Wärmeversorgung: Obwohl zunächst noch die bestehende Gasheizung genutzt wurde, wurde das Bildungszentrum bereits so geplant, dass ein späterer Umstieg auf eine Wärmepumpe problemlos möglich war. „Hier haben wir uns aufgrund des knappen Budgets für ein Stufenmodell entschieden, das wir gemeinsam mit dem Unternehmen Lusser, das die energetische Planung übernommen hat, erarbeitet haben“, führt Jöchl fort.

So wurde mit Maß und Ziel ein Gebäude saniert, das den aktuellen Standards entspricht und nun zukunftsfit ist.

Bildungszentrum Reith bei Kitzbühel

Nutzung:

  • Kindergrippe, Kindergarten und Volksschule

Bauliche Maßnahmen:

  • Umfassende Sanierung des Erdgeschosses
  • Erweiterung des Obergeschosses in Holzbauweise
  • Dämmung mit Zellulose
  • Stufenweise Erneuerung der technischen Gebäudeausrüstung

Energie- und Gebäudetechnik:

  • Photovoltaikanlage mit 18,9 Kilowatt-Peak (kWp)
  • Fußbodenheizung
  • Wärmepumpe

Vorreiterin Gemeinde

So unterschiedlich diese Projekte auch sein mögen, einige Aspekte verbinden sie klar miteinander: der Wille und der Mut, neue Wege zu gehen, die Zukunft der Gemeinde zu sichern und dabei mit gutem Beispiel voranzugehen.

Für manche mögen das nur Gebäude sein. Für viele aber sind sie ein Grund, hinzuziehen, dort zu bleiben und sich ein Leben in eben jener Gemeinde aufzubauen. Und damit im Gegenzug die Gemeinde selbst am Leben zu halten.

Dass sowohl Mötz als auch Reith bei Kitzbühel dabei einer Vorreiterrolle einnehmen, kommt nicht von ungefähr: Beide Gemeinden sind seit vielen Jahren Teil des e5-Programms für energieeffiziente Gemeinden und arbeiten gemeinsam mit der Energieagentur Tirol kontinuierlich an ihren energiepolitischen Zielen. Die beiden Bauprojekte sind dabei wichtige Puzzleteile auf ihrem Weg zur kommunalen Energiewende.

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