Erschienen: Februar 2026 / Lesedauer: 5 Minuten / Erfahre hier mehr Über Umweltwärme
Auf knapp 1.400 Metern Seehöhe, mitten im Skigebiet SkiWelt Wilder Kaiser - Brixental bei Itter, wurde vor einiger Zeit die KRAFTalm neu gebaut. Ursprünglich als klassische Skihütte mit sporadischen Übernachtungsgruppen geführt, erweiterte die Eigentümerfamilie Hölzl unter der Federführung der beiden Töchter Marion und Evelyn das Unternehmen zu einem vollwertigen Hotel mit 4‑Sterne‑Standard.
Gleichzeitig blieb der Tagesbetrieb als Skihütte erhalten – und damit einhergehend ein nicht zu unterschätzender Energiebedarf, der verlässlich und effizient gedeckt werden will. Mit dem Ziel, eine zukunftssichere und effiziente Heizlösung umzusetzen, und begleitet von fachlicher Expertise entschieden sich die Eigentümer*innen für eine Luftwärmepumpe.
Im Tal würde die Wahl des Heizsystems bei den ausführenden Unternehmen wohl kaum für Verwunderung sorgen. Doch in 1.400 Metern Seehöhe, mitten im Skigebiet, wo der Temperaturunterschied zwischen der Umgebungsluft und der benötigten Vorlauftemperatur für das Heizsystem und die Warmwasserbereitung doch gravierend ist, schwang zugegeben etwas Ungewissheit mit. Aber gemeinsam mit dem aus der Region stammenden Installationsbetrieb Pletzer und dem Wärmepumpenhersteller iDM Energiesysteme gelang es, die KRAFTalm mit der benötigten Wärmeenergie zu versorgen. Mit einem kaskadierenden System (mehrere Wärmepumpen aneinander geschaltet) kann stets genau jene Energiemenge produziert werden, die benötigt wird. Vor allem bei einem Hotelbetrieb ist das entscheidend, da sich die Anforderungen während des Tages verändern.
Wärmepumpen entziehen ihrer Umgebung Wärme – aus der Luft, dem Erdreich oder dem Wasser – und machen sie für Raumheizung und Warmwasser nutzbar. Mithilfe eines Kompressors wird diese Umweltwärme auf das im Gebäude benötigte Temperaturniveau „gepumpt“. Je nach Ausführung bieten Wärmepumpen spezifische Vorteile: Erd- und Wasserwärmepumpen punkten mit einem besonders hohen Wirkungsgrad und arbeiten nahezu geräuschlos, während Luftwärmepumpen vor allem durch ihre Anschaffungskosten und den geringen Platzbedarf überzeugen. Sie sind in Einfamilienhäusern ebenso einsetzbar wie in Wohnanlagen, Gewerbebetrieben oder öffentlichen Gebäuden – und auch auf 1.400 Metern Seehöhe, wie auf der KRAFTalm. Der große Vorteil aller Wärmepumpen: Bei optimalem Betrieb stammen mindestens drei Viertel der bereitgestellten Wärme aus der Umwelt. Lediglich ein Viertel wird in Form von elektrischer Energie für den Betrieb benötigt. In Kombination mit einem geringem Wartungsaufwand ergibt sich ein besonders effizienter und langfristig kostengünstiger Betrieb.
Eine Kaskade bezeichnet den Zusammenschluss mehrerer Wärmepumpen, die gemeinsam ein Gebäude mit Wärme versorgen. Der Begriff ist angelehnt an die stufenartige Abfolge eines Wasserfalls. Genauso arbeiten auch die Geräte: Sie schalten sich je nach aktuellem Bedarf stufenweise ein- oder aus, sodass immer nur so viel Leistung bereitgestellt wird, wie tatsächlich nötig ist. Dadurch arbeiten die Wärmepumpen effizienter, flexibler und zuverlässiger, insbesondere bei größeren Gebäuden oder stark schwankendem Wärmebedarf.
Luftwärmepumpen „pumpen“ die Außenluft mithilfe eines Kompressors auf das im Gebäude benötigte Temperaturniveau. Je kälter die Außenluft ist und je höher die benötigte Heiztemperatur im Gebäude, desto stärker muss der Kompressor arbeiten. Das hat Auswirkungen auf die Effizienz und erhöht den Strombedarf. Gleichzeitig sind moderne Luftwärmepumpen heute so ausgereift, dass sie auch bei niedrigen Außentemperaturen zuverlässig arbeiten. In gut gedämmten Gebäuden mit niedrigen Vorlauftemperaturen können sie selbst in alpinen Lagen effizient eingesetzt werden.
„Das hätten wir ganz klar nicht so umsetzen können, hätten wir nicht sehr vertrauenswürdige Partner an unserer Seite gehabt“, erklärt Martin Röckenschuss, Geschäftsführer von Pletzer Installationen. „Einerseits war es logistisch ein großer Aufwand, andererseits hatten wir wenige Erfahrungswerte, wie die Systeme in dieser Höhe und unter diesen Temperaturverhältnissen funktionieren würden“, führt er fort.
Bei unserem Besuch auf der KRAFTalm führte Marion Hölzl uns durch die Räumlichkeiten und den Außenbereich. Angefangen von der Sonnenterrasse, über die prominente Schauküche bis zum zweistöckigen Wellnessbereich inklusive Außenpool. Zum Abschluss durften wir noch einen Blick ins Zimmer Nummer 1 werfen und über den Ausblick daraus Richtung Wilder Kaiser staunen.
Der Eigentümerfamilie war wichtig, dass die Außengeräte der Luftwärmepumpe nicht unmittelbar im Blickfeld der Hotelgäste stehen und dass Geräuschentwicklungen weitgehend vermieden werden. Kurzerhand fand sich eine gute und kreative Lösung: Die Leitungen wurden auf die gegenüberliegende Seite der Skipiste verlegt. Dort wurden auch die Außengeräte positioniert, die der Luft die Wärme entziehen. Mit entsprechenden Pumpen wird das Wasser anschließend in die Energiezentrale der KRAFTalm geführt. „Man muss schon wissen, wo die Geräte sind. Ansonsten sieht man sie nicht“, freut sich Röckenschuss sichtlich.
Hannes Laister, Leitung Projektvertrieb iDM Energiesysteme
Da es sich um einen Hotel- und Gastronomiebetrieb handelt, sind die Anforderungen an die Luftwärmepumpen entsprechend hoch. Denn Warmwasser- und Heiznutzung konzentrieren sich tendenziell auf bestimmte Zeiten am Tag – etwa dann, wenn Gäste vom Skifahren zurückkommen, oder in der Früh, wenn alle aufstehen. Daher fiel die Entscheidung für vier hintereinander geschaltete Luftwärmepumpen, die als sogenannte parallele Kaskade funktionieren. Je mehr Wärmeenergie benötigt wird, desto mehr Wärmepumpen „arbeiten“. „Und für die Warmwasseraufbereitung setzen wir auf eine Booster-Wärmepumpe, die seriell dazugeschaltet werden kann“, erklärt Hannes Laister, Leitung Projektvertrieb bei iDM Energiesysteme, dem Hersteller der Luftwärmepumpen. „Damit arbeitet die Anlage sehr effizient und produziert nicht zu viel Wärmeenergie“, ergänzt er.
Eine Booster-Wärmepumpe ist ein Zusatzgerät, das die Vorlauftemperatur einer bestehenden Wärmepumpe anhebt, um höhere Temperaturen (60 bis 75 °C) für hygienisches Warmwasser oder Heizkörper effizient zu erzeugen.
Wärmepumpen sind ein regional verankertes Produkt. iDM Energiesysteme ist neben Heliotherm, Lambda und MECO einer von vier Wärmepumpenherstellern in Tirol. Mehr zu besonderen Umsetzungen der Tiroler Wärmepumpenhersteller gibt es in den folgenden Geschichten des Gelingens.
Für potenzielle Wartungsarbeiten an den Geräten bietet der Hersteller eine besondere Lösung. „Wir nennen es Predictive Maintenance und können in der Fernwartung auf sämtliche Daten im System zugreifen und somit Fehler und Abweichungen frühzeitig erkennen oder sogar beheben, ohne jemanden vor Ort zu haben“, erzählt Laister. Schließlich sei eine reibungslose Funktion essenziell, denn erreichbar ist die KRAFTalm – vor allem im Winter – nur über die Seilbahn. Und die fährt lediglich bis 16:00 Uhr. „Sollte wirklich einmal der Hut brennen, kommen wir auch anders rauf, aber durch das Frühwarnsystem können wir die meisten Fehlerquellen frühzeitig erkennen und beheben“, schließt Laister ab.
Marion Hölzl war beim gesamten Projekt eines besonders wichtig: dass es funktioniert. „Wir haben täglich 60 bis 80 Hotelgäste und 500 bis 600 Tagesgäste auf der Alm, da muss das einfach funktionieren“, erzählt sie. Mit Pletzer und iDM sei sie eine vertrauensvolle Partnerschaft eingegangen und fühle sich gut beraten. „Das Beste ist, wenn unsere Gäste gar nichts mitbekommen“, lacht sie. „Und wenn das dann auch noch zukunftsfit und regional umgesetzt ist, ist das natürlich genial“, schließt sie ab.
Es gehört viel Mut, Vertrauen und gute Zusammenarbeit dazu, ein Projekt umzusetzen, das sich auf wenig Erfahrungswerte stützen kann. So ist das mit den Vordenker*innen: Sie machen, probieren, gehen Risiken ein und sammeln Erfahrungen, die anderen den Weg ebnet. Und wenn das Vorhaben am Ende gelingt – wie hier auf der KRAFTalm –, werden die Grenzen des Möglichen ein Stück weit verschoben. Bei diesem Projekt ganz klar nach oben.