Maximilian House

Alle unter einem Dach

Mehr Raum, mehr Komfort, mehr Energieeffizienz– und ein architektonisches Highlight. Das Mehrgenerationenhaus der Familie Yegenoglu in Mils zeigt, wie gut Sanieren, nachhaltiges Bauen und Wohnkomfort Hand in Hand gehen– und dass sich Sanieren sowohl optisch als auch energietechnisch lohnt.

Erschienen: März  2026 / Lesedauer: 4 Minuten / Erfahre hier mehr über Energieeffizienz

Das Mehrgenerationenhaus der Familie Yegenoglu in der e5-Gemeinde Mils wurde vor wenigen Jahren aus seinem Dornröschenschlaf geweckt und umfassend saniert. Dabei wurde nicht nur für einen zeitgemäßen Energiestandard gesorgt, sondern mit nur 30 Quadratmetern zusätzlicher Flächenversiegelung rund 190 Quadratmeter neuer Wohnraum geschaffen.

Damit bietet das Haus heute nicht nur Platz für eine oder zwei, sondern für gleich drei Wohneinheiten. Dass mehrere Architektinnen in der Familie leben, zeigt sich dabei in jedem Detail: Die Sanierung ist weit mehr als eine energietechnische Aufwertung. Entstanden ist ein stimmiges architektonisches Gesamtkonzept, das generationenübergreifendes Wohnen ermöglicht, klare Raumstrukturen schafft und den Blick bewusst nach außen lenkt: auf das umliegende Gebirgspanorama, das zum festen Bestandteil des Wohngefühls geworden ist.

Wir haben mit der Bewohnerin und Architektin Lara Yegenoglu (Architekturbüro VILAA) über die Chancen und Tücken gesprochen, das eigene Mehrgenerationenhaus zu planen, zu bauen und dabei die Wünsche aller Generationen zu berücksichtigen.

Gebäudedaten

  • Baujahr 1975
  • 422 m2 Nutzfläche
  • 190 m2 Erweiterung
  • Drei Wohneinheiten
  • Heizwärmebedarf (HWB):
    21 kWh/m2a

„Hier sind alle Erinnerungen meiner Kindheit, hier hat sich das Familienleben über viele Jahre abgespielt“

Lara Yegenoglu

Die Anfänge

Das Haus in Mils wurde in den 70er-Jahren gebaut und befindet sich seit den 90er-Jahren in Familienbesitz. „Hier sind alle Erinnerungen meiner Kindheit, hier hat sich das Familienleben über viele Jahre abgespielt“, erinnert sich Lara an das Haus, das ihre Eltern damals gekauft haben. „Als wir alle älter wurden, hat es uns in diverse Teile der Welt getrieben – zum Arbeiten, Studieren und Leben. Und damit ist das Haus ein bisschen in einen Dornröschenschlaf gefallen“, führt sie fort. Sie habe aber immer schon im Hinterkopf gehabt, dass irgendwann die Möglichkeit bestehen könnte, nach Tirol zurückzuziehen und die Familiengeschichte in diesem Haus fortzusetzen, so Yegenoglu.

Die Entscheidung

„Irgendwann bekam die gesamte Familie Sehnsucht nach Tirol und damit fiel auch die Entscheidung, dass wir in unser Haus zurück möchten“, erinnert sich Lara. Dafür mussten sich alle Beteiligten zunächst anschauen, wie mehrere Familien in einem Haus integriert werden können und ob sich schlussendlich alle Vorstellungen erfüllen ließen. „Dazu kam natürlich, dass es noch viele offene Fragen hinsichtlich unserer Zukunft gab und man vermeiden wollte, in kurzer Zeit wieder umbauen zu müssen“, ergänzt sie.

Das alte Haus bleibt

Dass das alte Gebäude nicht abgerissen und durch ein neues ersetzt wurde, lag auch daran, dass in diesem Haus viele schöne Erinnerungen der gesamten Familie steckten. Und diese wollte niemand einfach zurücklassen. „Wir haben dann geplant und erweitert, aber das Haus, wie es ist, ist im Prinzip bestehen geblieben.“

Mit rund 30 Quadratmetern neuer Bodenfläche im Garten haben wir es durch eine Aufstockung geschafft, etwa 190 Quadratmeter zusätzlichen Wohnraum zu schaffen – in Form einer größeren und einer kleineren zusätzlichen Wohnung“, erklärt Yegenoglu. So konnte auf der bestehenden verbauten Fläche maximale Wohnfläche herausgeholt werden. Gleichzeitig wurde die Sanierung so konzipiert, dass sich das Haus mit geringsten baulichen Maßnahmen an veränderte Familiensituationen anpassen lässt – etwa durch einen eigenständigen Wohnbereich für die Kinder oder Platz für pflegende Angehörige. „Unser Teil hier unten ist natürlich geöffnet und etwas umstrukturiert, aber im Prinzip so erhalten, wie er war.“

„Wir wollten die Energiewerte eines Passivhauses erreichen. Die Herausforderung lag darin, einen Umbau so zu entwerfen, dass der Standard erreicht werden kann, ohne große architektonische Einbußen hinnehmen zu müssen“

Lara Yegenoglu

Was ist ein Passivhaus?

Ein Passivhaus minimiert Wärmeverluste durch eine hervorragend gedämmte, luft- und winddichte Gebäudehülle. Dadurch ist kaum zusätzliche Heizenergie nötig. Unterstützt wird dies durch eine hocheffiziente Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Beim Maximilian House konnte der Heizwärmebedarf durch die Sanierung um rund 94 Prozent gesenkt werden.

Im Passivhausstandard

Etwas, das man nicht alle Tage bei Sanierungen sieht, ist der Passivhausstandard: „Wir wollten die Energiewerte eines Passivhauses erreichen. Die Herausforderung lag darin, einen Umbau so zu entwerfen, dass der Standard erreicht werden kann, ohne große architektonische Einbußen hinnehmen zu müssen“, berichtet Yegenoglu aus eigener Erfahrung. Mit umfassender Außenwanddämmung, Fenstertausch, Installation einer Luft-Wasser-Wärmepumpe, Photovoltaikanlage, Fußbodenheizung sowie Wohnraumlüftung im Neubau wurden kaum Maßnahmen ausgelassen, um das Haus in Sachen Energieeffizienz auf den neuesten Stand der Technik zu bringen.

Gebäudetechnik

  • Luftwärmepumpe
  • Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung im Zubau
  • Photovoltaikanlage mit 13,37 Kilowattpeak (kWp)
  • Fußbodenheizung

Das Leben

Wer die Familie Yegenoglu besucht, spürt sofort die Zufriedenheit mit dem selbst geschaffenen Zuhause. Als Architektin konnte Lara Yegenoglu ihr eigenes Gebäude entwerfen und stand dabei vor der anspruchsvollen Aufgabe, die unterschiedlichen Wünsche und Anforderungen der gesamten Familie in Einklang zu bringen. Ein Vorhaben, das ebenso herausfordernd wie lohnend ist. Und es ist geglückt: Mit dem Mehrgenerationenhaus ist ein Ort der Harmonie entstanden, die auch für Außenstehende spürbar wird. Die Jüngeren schätzen den Raum für neue gemeinsame Erinnerungen, während die Älteren dankbar sind, der nächsten Generation nahe zu sein und deren Lebenswege unmittelbar mitzuerleben.

Mehrere Generationen unter einem Dach zu vereinen ist gewiss keine Selbstverständlichkeit. Der Familie Yegenoglu war diese Herausforderung bewusst und sie plante ihr Haus so, dass gemeinsames Leben ebenso möglich ist wie Rückzug und Privatsphäre. Alle drei Wohneinheiten sind vollständig voneinander getrennt und bieten dennoch Nähe, wenn sie gewünscht ist. Abgesehen vom vorbildlichen Energiestandard, überzeugt das Projekt vor allem durch eines: Es zeigt, wie generationenübergreifendes Zusammenleben gelingen kann, wenn Räume klug, vorausschauend und mit Blick auf Privatsphäre, Gemeinschaft und Komfort gestaltet werden.

Sanieren oder neu bauen?

Sanieren bedeutet, vorhandene Bausubstanz weiterzuentwickeln und die Potenziale eines Gebäudes gezielt zu nutzen, etwa durch interne Umstrukturierungen oder funktionale Anpassungen. Im Bestand steckt bereits viel Energie, weshalb eine Sanierung aus ökologischer Sicht gegenüber einem Ersatzneubau meist klar im Vorteil ist. Eine hochwertige und zukunftsfähige Sanierung geht dabei über rein energietechnische Maßnahmen hinaus: Sie verbessert auch die funktionale, architektonische, soziale und ökologische Qualität eines Gebäudes. Ein Ersatzneubau sollte erst dann in Betracht gezogen werden, wenn technische, statische oder wirtschaftliche Gründe ausdrücklich gegen eine Weiterentwicklung des bestehenden Gebäudes sprechen.

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