Erschienen: August 2026 / Lesedauer: 6 Minuten / Erfahre hier mehr über die Sonnenenergie
Photovoltaikanlagen auf Wohnanlagen sind in Tirol längst keine Besonderheit mehr. Was die Neue Heimat Tirol allerdings mit dem selbst erzeugten Sonnenstrom macht und wie die Mieter*innen davon profitieren, ist durchaus bemerkenswert. Die Rede ist vom sogenannten Mieter*innenstrommodell – einem Angebot, das sich fast schon zu gut anhört, um wahr zu sein.
TIROL 2050 energieautonom ist unser großes gemeinsames Ziel, wodurch unser Land frei von fossilen Rohstoffen wird und wir unsere benötigte Energie komplett aus erneuerbaren Energieträgern selbst produzieren. Die Geschichten des Gelingens zeigen monatlich vorbildhafte Umsetzungen von Gemeinden, Privatpersonen und Unternehmen, die einen wichtigen Beitrag zum Erreichen von TIROL 2050 energieautonom beitragen.
Umgesetzt wurde das neue Modell unter anderem im Neubauareal der Neuen Heimat im Innsbrucker Stadtteil Pradl. Hier entstanden 2024 insgesamt 135 geförderte Mietwohnungen sowie eine Kinderkrippe. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein gewöhnliches Neubauprojekt – doch es gibt eine Besonderheit.
Auf den Dächern der Wohnanlage befinden sich Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 235 Kilowattpeak (kWp). „Vorrangig nutzen wir den Sonnenstrom, um den allgemeinen Strombedarf der Gebäude zu decken – also für Wärmepumpen, Lüftung, Lift, Beleuchtung und Ähnliches“, erklärt Kajetan Rutzinger, der damalige Projektleiter der Anlage. Es wird aber deutlich mehr Sonnenstrom produziert als vor Ort benötigt wird. Was passiert also mit dem erzeugten Strom, der über den Betrieb des Gebäudes hinaus verfügbar ist? Anstatt den Strom ins Netz einzuspeisen und ihn anderen Menschen in Tirol und darüber hinaus zur Verfügung zu stellen, hat die Neue Heimat Tirol an diesem Standort erstmals das „Mieter*innen-Strommodell“ eingeführt.
„Der überschüssige Strom wird unseren Mieter*innen anschließend kostenlos zur Verfügung gestellt“, führt er weiter aus. „Das war für uns eine sehr gute Möglichkeit, die Wohnungen noch attraktiver zu machen und leistbares Wohnen tatsächlich zu leben“, ergänzt Rutzinger.
Kajetan Rutzinger erzählt beinahe beiläufig von diesem innovativen Strommodell. Da mussten wir genauer nachfragen. Denn tatsächlich: Der selbst erzeugte Strom, der nicht für den Betrieb des Gebäudes gebraucht wird, steht den Mieter*innen kostenlos zur Verfügung. Die Neue Heimat macht das nicht, weil sie den Strom sonst nicht verwerten könnte – sie könnte ihn genauso gut ins öffentliche Netz einspeisen. Stattdessen möchte sie ihren Kund*innen einen zusätzlichen Mehrwert bieten und erschwingliches Wohnen aktiv fördern. Das Ergebnis: die Haushalte der Wohnanlage können den erneuerbaren Strom direkt von der Photovoltaikanlage am Dach kostenlos nutzen, ohne zusätzliche Investitionen tätigen zu müssen oder den Vertrag mit ihrem Stromversorgungsunternehmen zu ändern.
Dadurch sparen die Nutzer*innen jährlich zwischen 200 und 400 Euro an Stromkosten. Doch wie wird das in der Praxis umgesetzt? Mithilfe einer sogenannten gemeinschaftlichen Erzeugungsanlage.
Sonnenstrom für Mieter*innen statt ins Netz: Die Neue Heimat Tirol zeigt mit dem Mieter*innenstrommodell, wie diese einfach und kostenlos von erneuerbarer Energieproduktion profitieren können.
Die Grundlage für das Mieter*innen-Strommodell liefert das Modell der Gemeinschaftlichen Erzeugungsanlage, wie Thomas Vogel, Experte der Energieagentur Tirol erklärt. Einfach gesagt verteilt dieses Modell den erzeugten Strom auf die Verbraucher*innen innerhalb des Hauses. Besonders relevant ist dieses Konzept für Mehrparteienhäuser, aber auch Bürogebäude oder Einkaufszentren eignen sich gut dafür.
„Das Schöne an diesem rein bilanziellen Modell ist, dass ich an der Elektroinstallation der Stromerzeugungs- bzw. Wohnanlage sowie an den Zählern nichts ändern und auch keine zusätzliche Leitung verlegen muss“, hebt Thomas Vogel hervor.
Eine gemeinschaftliche Erzeugungsanlage ermöglicht, dass Strom direkt am Gebäude erzeugt und von mehreren Bewohner*innen gemeinsam genutzt wird, zum Beispiel über eine Photovoltaikanlage am Dach. Voraussetzung ist, dass alle Teilnehmenden an dieselbe Hauptleitung angeschlossen sind. So können sich Mieter*innen oder Eigentümer*innen zusammenschließen und bilanziell den lokal produzierten Strom einfach gemeinsam nutzen, ganz ohne technischen Aufwand. Das bedeutet, dass den Teilnehmer*innen der Anteil des lokal erzeugten PV-Stroms bei der Stromabrechnung gut geschrieben wird.
Das macht die Umsetzung einfach. Gleichzeitig können Verbraucher*innen ihren Stromanbieter beziehungsweise Stromtarif für den Reststrom weiterhin frei wählen. Dadurch kann der Strom einer Photovoltaikanlage auf dem Dach nicht mehr nur einem einzigen Zählpunkt – wie früher häufig dem Allgemeinstrom – zugeordnet werden, sondern beliebig vielen Zählpunkten der einzelnen Parteien. Es müssen zudem nicht alle Haushalte dieselbe Strommenge beziehen und die Teilnahme ist für die Bewohner*innen freiwillig.
Engelbert Spiss, Leiter des Bereichs Bauen und Sanieren bei der Neuen Heimat Tirol, erklärt im Gespräch, dass dieses Modell gekommen ist, um zu bleiben: „Wir sehen es als neuen Standard für unsere Mietwohnungen und als hervorragende Möglichkeit, zukunftsweisende Technologien sinnvoll und gemeinnützig einzusetzen.“
Für uns ist das eine echte Erfolgsgeschichte: erneuerbare Energien, soziale Verantwortung, engagierte Menschen und ein spürbarer Nutzen für die Bewohner*innen. Die Neue Heimat Tirol geht neue Wege und zeigt, dass erneuerbare Energien nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch sozial und wirtschaftlich verträglich sein können.