Stadtrad Innsbruck

Innsbruck dreht am Rad

Egal ob für Vielfahrer*innen, für die letzte Meile oder für spontane Wege quer durch die Tiroler Landeshauptstadt: das Stadtrad Innsbruck ist für viele Situationen das passende Mobilitätsangebot. Wir wollten wissen, welche Arbeit hinter dem so rasant gewachsenen Radverleihsystem steckt und wofür die Räder genutzt werden.

Erschienen: Mai 2026 / Lesedauer: 5 Minuten / Erfahre hier mehr über Sanfte Mobilität

Das Stadtrad Innsbruck ist aus dem Alltag vieler Innsbrucker*innen und Besucher*innen der Stadt kaum mehr wegzudenken. Seit 2014 ist ein Mobilitätsangebot inklusive Infrastruktur entstanden, das Bewohner*innen und Gästen der Stadt ermöglicht, unkompliziert und schnell ein Fahrrad auszuleihen und sich damit durch die e5-Stadt Innsbruck zu bewegen.

 Wir haben einen Blick hinter die Kulissen eines der erfolgreichsten Radverleihsysteme Europas geworfen. Woher wir das wissen? Mit mehr als 5,5 Ausleihungen pro Fahrrad pro Tag misst sich Innsbruck mit europäischen Vorreiter*innenstädten wie Paris, Antwerpen oder Toulouse.

Das Radverleihsystem im Überblick

Das Stadtrad Innsbruck ist das öffentliche Fahrradverleihsystem der Stadt und macht klimafreundliche Mobilität im Alltag einfach, kostengünstig und für viele Menschen leicht zugänglich.

  • In Betrieb seit: 30. April 2014 mit 150 Citybikes an 14 Mietradstationen
  • Heute: 610 Citybikes, 4 Cargobike, 1 E‑Cargobike, 55 Mietradstationen
  • Erfolg: eines der erfolgreichsten Mietradsysteme Europas mit 5,5 Ausleihungen pro Tag und Fahrrad und über 1 Million Ausleihen im Jahr 2025
  • Auszeichnungen: Tiroler Klimaschutzpreis 2024, VCÖ Mobilitätspreis 2025

Die Menschen hinter dem Stadtrad

Natürlich braucht es viele engagierte Menschen, damit ein derart erfolgreiches Verleihsystem in einer Stadt wie Innsbruck reibungslos funktioniert. Einen von ihnen durften wir treffen: Michael Polzinger ist Projektleiter für das Stadtrad Innsbruck und arbeitet bei den Innsbrucker Verkehrsbetrieben (IVB). Er erzählt uns, was das Stadtrad besonders macht, warum es in Innsbruck so gut funktioniert und was es braucht, damit immer ein Fahrrad verfügbar ist, wenn eines benötigt wird.

„Das Stadtrad Innsbruck zählt zu den erfolgreichsten Fahrradverleihsystemen Europas.“

Michael Polzinger, Projektleiter Stadtrad Innsbruck

„Das gesamte Projekt funktioniert, weil wir auf starke Partnerschaften vertrauen können. Sei es die Stadt Innsbruck, die Politik, der Verein WAMS, das Bikesharing-Unternehmen nextbike oder natürlich alle betrieblichen und privaten Nutzer*innen. Alle tragen ihren Teil dazu bei, dass wir heute mit Stolz sagen können: Das Stadtrad Innsbruck zählt zu den erfolgreichsten Fahrradverleihsystemen Europas“, erklärt Polzinger.

Zudem sind die Leihräder Teil von Mobilitätsstrategien der Stadt Innsbruck (Masterplan Radverkehr 2030), vom Land Tirol (Radstrategie Tirol 2030) und der Republik Österreich (Masterplan Radfahren 2030).

Zahlen, Daten und Fakten

Rund 610 Fahrräder sind beim Stadtrad Innsbruck aktuell dauerhaft im Umlauf. Laut Michael Polzinger befinden sich davon die allermeisten im aktiven Betrieb: „Unsere Fahrräder sind auf etwa sechs Jahre Dauernutzung ausgelegt. Wir können aber bereits belegen, dass wir einzelne Räder deutlich länger im System halten können.“

Basis für das stationsbasierte Mietradsystem sind die rund 55 Verleihstationen, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind – meist an zentralen, stark frequentierten Punkten wie dem Bahnhof oder in der Innenstadt. „Jedes Fahrrad wird über das Jahr gerechnet im Schnitt 5,5‑mal am Tag ausgeliehen. Das ergibt 2025 insgesamt rund 1,1 Millionen Ausleihen pro Jahr“, führt Polzinger weiter aus.

„Unsere Fahrräder sind auf etwa sechs Jahre Dauernutzung ausgelegt. Wir können aber bereits belegen, dass wir einzelne Räder deutlich länger im System halten können.“

Michael Polzinger, Projektleiter Stadtrad Innsbruck

Wie nutzen Innsbrucker*innen das Stadtrad?

Oft wird angenommen, das Stadtrad sei in erster Linie ein Angebot für Tourist*innen und spiele im Alltag der Innsbrucker Bevölkerung kaum eine Rolle. Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben uns gezielt auf die Suche nach Vielfahrer*innen gemacht.

#1 Andrä Stigger

Fündig wurden wir unter anderem bei Andrä Stigger, Geschäftsführer des Vereins Klimabündnis Tirol. Das Klimabündnis ist ein Klimaschutznetzwerk, das Gemeinden, Betriebe und Bildungseinrichtungen in Klimaschutzfragen unterstützt.

„Ich fahre täglich mit dem Zug von Telfs zur Arbeit und nutze innerstädtisch für den Weg vom Bahnhof ins Büro – aber auch für Außentermine – fast ausschließlich das Stadtrad. Es ist unkompliziert, kostengünstig, man bewegt sich zwischendurch und es ist auch noch gut für die Umwelt“, ist er überzeugt.

„Als Klimabündnis Tirol organisieren wir zudem den jährlichen Fahrradwettbewerb ‚Tirol radelt‘. Da wollen wir natürlich mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass sanfte Mobilität auch im Arbeitsalltag einen festen Platz hat“, erklärt uns Andrä Stigger.

„(...) Es ist unkompliziert, kostengünstig, man bewegt sich zwischendurch und es ist auch noch gut für die Umwelt“

Andrä Stigger, Geschäftsführer Klimabündnis Tirol

Tirol radelt

Bei Tirol radelt gibt es verschiedene Aktionszeiträume über das Jahr verteilt. Von 1. Mai bis 30. Juni läuft Tirol radelt zur Arbeit und lädt dazu ein, den Arbeitsweg bewusst mit dem Rad zurückzulegen.

Die Kampagne motiviert seit 16 Jahren dazu, Alltagswege mit dem Fahrrad zurückzulegen – mit Spaß, zahlreichen Gewinnchancen und messbarem Nutzen für Gesundheit, Klima und Lebensqualität. Tausende Tiroler*innen zeigen jedes Jahr, wie einfach klimafreundliche Mobilität im Alltag sein kann. Dazu gibt es verschiedene Aktionszeiträume über das Jahr verteilt. Im Jahr 2025 nahmen 7.000 Tirolerinnen und Tiroler teil, radelten dabei mehr als 6 Millionen Kilometer, was eine Einsparung von mehr als 1 Million Kilogramm CO₂ bedeutet.

#2 Hannah Roher

Hannah treffen wir am Innufer. Sie nutzt das Stadtrad täglich für den Weg zur Arbeit und für Erledigungen innerhalb der Stadt. Für Vielfahrer*innen wie Hannah eignen sich der Monats- oder Jahrestarif, bei denen pro Fahrt die erste halbe Stunde inkludiert ist. Hier kannst du mehr zu den Tarifen für die Nutzung des Stadtrad Innsbruck erfahren. Hannah meint, ein Vorteil ist, dass sie in den 30 Minuten so gut wie alles in Innsbruck problemlos erreichen kann.

Außerdem genießt sie die Flexibilität: „Wenn ich abends in die Stadt gehe, mich mit Freund*innen treffe und vielleicht ein Glas trinke, kann ich das Stadtrad einfach stehen lassen und mit dem Bus nach Hause fahren. Ich muss mir vorher also keine Gedanken machen.“ Ein Angebot, das sie sehr schätzt. Ein weiterer Vorteil für sie ist, dass die Räder immer mit Lichtern für vorne und hinten sowie ausreichend Reflektoren ausgerüstet sind – und Hannah so gut sichtbar im Straßenverkehr für andere Verkehrsteilnehmende ist.

Läuft wie geschmiert

Damit das Innsbrucker Stadtrad-System reibungslos funktioniert, braucht es einen verlässlichen Partner, der sich nicht nur um den Service der Fahrräder kümmert, sondern auch um den sogenannten „Verschub“. Viele Fahrten verlaufen ähnlich: etwa morgens vom Stadtrand Richtung Innenstadt oder von Stationen an der Bahnstrecke für die letzte Meile zur Arbeit, Schule oder Universität – wodurch manche Stationen rasch voll und andere leer werden. Um dieses Ungleichgewicht auszugleichen, fahren Mitarbeiter*innen des Vereins WAMS zweimal täglich die Stationen ab und transportieren Fahrräder von einem Standort zum nächsten. Zusätzlich werden defekte Räder ausgetauscht und in der hauseigenen Radwerkstatt Conrad gewartet, bevor sie wieder zurück auf die Straße dürfen.

Bitte nachmachen!

Wir erzählen diese Geschichte aber nicht nur, um die erfolgreiche Entwicklung des Stadtrads Innsbruck zu zeigen. Wir wollen auch hervorheben, dass die Rahmenbedingungen stimmen müssen, damit so viele Menschen in Innsbruck tagtäglich mit dem Fahrrad unterwegs sind. Zusätzlich bewirken hohen Nutzungszahlen Aufmerksamkeit fürs Radfahren, was in weiterer Folge zur Schaffung einer radfreundlichen Stadt führen kann – etwa durch geeignete Radwege und Abstellanlagen. So profitieren alle, die das Fahrrad als Hauptverkehrsmittel nutzen.

Aber auch Gemeinden und Städte genießen Vorteile im öffentlichen Raum: So reduziert ein Mietradsystem die Zahl von „Fahrradleichen“ an Abstellplätzen, was wiederum zu weniger Arbeitsaufwand für Gemeindebedienstete führt. In Kombination mit Bus und Bahn sind Mieträder das optimale Verkehrsmittel für die letzte Meile und können so Gebiete abdecken, die kaum durch öffentlichen Verkehr abgedeckt sind.

Ein Erfolgsmodell, das weiter wächst

Ein Faktor für den Zuwachs der Nutzungszahlen – seit 2021 verdoppelte sich die Zahl der jährlichen Ausleihungen von Jahr zu Jahr – sind die Kooperationsvereinbarungen mit Unternehmen, Hochschulen und dem Innsbrucker Tourismusverband. Dadurch ist die Nutzung der Stadträder für Mitarbeitende und Studierende die ersten 30 Minuten kostenlos. Die Welcome Card stellt Gästen der Landeshauptstadt die Räder für 24 Stunden kostenlos zur Verfügung.

Das Stadtrad Innsbruck hat sich still und leise zu einem der erfolgreichsten Fahrradverleihsysteme Europas entwickelt. Möglich wurde das durch die Zusammenarbeit von Stadt, Land und Bund, einer klaren Strategie zur Umsetzung, einem gut ausgebauten Stationennetz, der verlässlichen Wartung der Fahrräder und einem attraktiven Tarifmodell.

„Wir planen, das Angebot weiter auszubauen – mehr Fahrräder bereitzustellen, neue Stationen einzurichten und bestehende zu verbessern.“

Michael Polzinger, Projektleiter Stadtrad Innsbruck

Auch die Zukunft des Stadtrads sieht vielversprechend aus: „Wir planen, das Angebot weiter auszubauen – mehr Fahrräder bereitzustellen, neue Stationen einzurichten und bestehende zu verbessern. Wir lernen täglich dazu und richten unsere Zukunftspläne entsprechend aus“, erklärt Michael Polzinger abschließend.

Wir freuen uns darauf.

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