Tiroler Versicherung

Zukunft nach TIROLER Art

Fast unscheinbar fügt sie sich ins Innsbrucker Stadtbild ein – die neue Zentrale der TIROLER VERSICHERUNG. Dennoch strotzt das Gebäude nur so vor Besonderheiten. Manche sind schon von außen sichtbar, andere schlummern wiederum im Inneren. Wir haben dem Tiroler Unternehmen einen Besuch abgestattet, mit den Verantwortlichen gesprochen und hinter die Kulissen des Neubaus geblickt.

Erschienen: Juni 2025 / Lesedauer: 5 Minuten / Erfahre hier mehr über Energieeffizienz

Von außen gibt sich das neue Gebäude der TIROLER VERSICHERUNG in der Wilhelm-Greil-Straße eher zurückhaltend. Doch schon die begrünten Fassadenflächen und das Sichtholz im Eingangsbereich deuten an, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Bürogebäude handelt.

Beim Betreten wird dieser Eindruck eindrucksvoll bestätigt: Die Besonderheit des Gebäudes wird sichtbar – es wurde nahezu vollständig in Holzbauweise errichtet.

Zurückhaltung als Tugend

Wer das Gebäude zum ersten Mal sieht, könnte beim Stichwort „Holzbauweise“ vielleicht an eine rustikale Holzhütte denken – doch das Gegenteil ist der Fall. Die neue Unternehmenszentrale fügt sich zurückhaltend und harmonisch in das Stadtbild von Innsbruck ein – ganz im Sinne der Bauleute. Maßgeblich geprägt wurde das Projekt von Vorstandsvorsitzendem Franz Mair, der im Gespräch eindrucksvoll schildert, wie es zur Realisierung des Neubaus kam und welche bewussten Entscheidungen den Weg dorthin bestimmten. Die Vielzahl an Details und das fundierte Wissen, das Mair dabei einbringt, lassen keinen Zweifel daran: Er war tief in den Bauprozess involviert – und hat nichts dem Zufall überlassen.

Das Gebäude

Zwei Jahre
Die Bauzeit dauerte von Mai 2022 bis Mitte 2024.

350 Arbeitsplätze
So viele stehen den Mitarbeiter*innen zur Verfügung.

Rund 2.000 Tonnen CO2
So viel wird in der neuen Zentrale gebunden. Das entspricht jener Menge an CO2, die 1.000 Mittelklasse-Wagen in einem Jahr ausstoßen.

9600 m2
So groß ist die Gesamtnutzfläche des Standorts.

Acht Geschoße
So hoch ist die neue Zentrale der TIROLER VERSICHERUNG.

Zurück zum Thema – und zu einer Zeit, in der Versicherungen noch prächtige Bauten errichteten, um nach außen hin Größe und Bedeutung zu demonstrieren. „Das sind wir nicht“, stellt Mair unmissverständlich klar. Dementsprechend war ein repräsentativer Prachtbau beim Neubau auch nie ein Thema. Der neue Baukörper setzt stattdessen auf subtile Akzente und bewusst gesetzte architektonische Elemente – niemals aufdringlich, nie laut. Selbst die Tatsache, dass es sich um einen Holzbau handelt, bleibt auf den ersten Blick verborgen. Das hängt zwar auch mit dem Ortsbild und dem Brandschutz zusammen – doch es wird klar: Hier wurde ganz bewusst eine andere Entscheidung getroffen. „Mit der Fassade wollten wir ein sichtbares Zeichen gegen die innerstädtische Überwärmung setzen“, erklärt der Vorstand. Ein Ergebnis dieser Haltung sind die 70 Quadratmeter begrünte  Fassadenflächen und 117 Pflanzentröge.

„Mit der Fassade wollten wir ein sichtbares Zeichen gegen die innerstädtische Überwärmung setzen.“

Franz Mair, Vorstandsvorsitzender

New Work nach TIROLER Art

Spätestens beim Betreten des begrünten Innenhofs entfaltet das Gebäude seine ganze Wirkung – besonders für jene, die es täglich betreten. „Wir wollten ein klares Zeichen setzen, vor allem für unsere Mitarbeitenden, die hier tagtäglich ein- und ausgehen“, erklärt Vorstandsvorsitzender Franz Mair. Auf acht Geschoßen finden sich nicht nur 350 moderne Arbeitsplätze – dazu gleich mehr –, sondern vor allem ein Umfeld, das zum Wohlfühlen einlädt. „Unser Ziel war es, einen Raum zu schaffen, in dem man nicht nur gut arbeiten, sondern auch gerne Zeit verbringen möchte“, so Mair weiter.

Auf der Suche nach Vorbildern richteten die Verantwortlichen den Blick nicht nur auf die Umsetzung eines großen Holzbaus, sondern ebenso auf zukunftsweisende Arbeitswelten. Das Ergebnis: Ein Gebäude, in dem rund 2.000 Kubikmeter Holz verbaut wurden – und das weit mehr bietet als klassische Büroarbeitsplätze. Eine lichtdurchflutete Cafeteria im obersten Geschoß mit Blick über Innsbruck, ein Rooftop-Garten mit Blumenwiese und Stadtbienen, eine betriebseigene Kindertagesstätte, ein top ausgestattetes Fitnessstudio, einen Bewegungsraum – all das und mehr ist Teil eines ganzheitlich gedachten Arbeitsplatzes.

„Und wenn eine Versicherung baut, sollte das Gebäude natürlich auch sämtliche Sicherheitsstandards nicht nur erfüllen, sondern übers Ziel hinausschießen. Daran haben viele durch die Holzbauweise, vor allem in Sachen Brandschutz, gezweifelt. Wir haben es aber geschafft und sind stolz auf das Ergebnis“, freut sich Mair.

Das Energiethema

Rund um dieses Gebäude gäbe es viel zu erzählen – mehr, als hier Platz findet. Was uns im Rahmen von TIROL 2050 energieautonom jedoch besonders wichtig ist: die Energieperformance. Denn das Gebäude hat im klimaaktiv-Standard die Höchstwertung von 1.000 Punkten erreicht. „Diese Punktzahl zeigt, dass sämtliche Kriterien für klimafreundliches Bauen umfassend erfüllt wurden“, erklärt Andrea Strasser von ENergy CONsultants GmbH, die das Projekt als Energieberaterin begleitet hat. „Das beginnt bei der konsequenten Holzbauweise, reicht über ein ganzheitliches (E-)Mobilitätskonzept, ein systematisches Energiemonitoring bis hin zu einem nachhaltigen Energieversorgungskonzept – und noch vieles mehr.“

„Von Anfang an war unser Ziel, ein Gebäude zu schaffen, das so wenig Energie wie möglich benötigt.“

Andrea Strasser , Energieberaterin von ENergy CONsultants GmbH

Was ist der klimaaktiv Gebäudestandard?

Der klimaaktiv-Gebäudestandard ist das Qualitätszeichen für nachhaltiges Bauen und Sanieren – eine Initiative des Bundes für Klimaschutz, Mobilitäts- und Energiewende. Bewertet werden Gebäude ganzheitlich: von der Energieeffizienz über die ökologische Bauweise bis hin zur Ausführungsqualität. Dabei kommen klare und überprüfbare Kriterien zum Einsatz. Ziel ist es, klima- und ressourcenschonendes Bauen zu fördern und hohe Standards in der Baupraxis sichtbar zu machen.

Die Motivation, ein derart ambitioniertes Ziel zu erreichen, stand von Beginn an im Zentrum. Mit dem Vorstand, dem Architekten und dem gesamten verantwortlichen Team der TIROLER VERSICHERUNG hatte Energieberaterin Andrea Strasser dabei starke Mitstreiter*innen an ihrer Seite. Diese gemeinsame Haltung habe auch die ausführenden Unternehmen angesteckt und zu besonderem Engagement motiviert, erzählt sie. Und genau hier liegt eine weitere Besonderheit des Neubaus: Fast alle beteiligten Firmen stammen aus Tirol. Besonders bemerkenswert – viele der ausführenden Handwerker*innen und Betriebe sind selbst Kund*innen der Versicherung. Wer das Prinzip der TIROLER VERSICHERUNG kennt – ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit – erkennt sofort, warum dieser Ansatz zum Selbstverständnis des Unternehmens passt.

Voller Besonderheiten

„Von Anfang an war unser Ziel, ein Gebäude zu schaffen, das so wenig Energie wie möglich benötigt“, erklärt die Energieberaterin. Die Architektur macht sich dabei Sonnenenergie auf mehreren Ebenen zunutze – nicht nur über die Photovoltaik-Anlagen, sondern auch durch klug platzierte Fensterflächen und gezielte Beschattung. Denn: Energie, die gar nicht erst verbraucht wird, muss auch nicht produziert werden.

Der benötigte Energiebedarf wird unter anderem direkt am Gebäude gewonnen. Die zum Innenhof ausgerichtete Fassade ist mit Photovoltaikmodulen bestückt und trägt maßgeblich zur Eigenversorgung bei. Insgesamt erzeugen die PV-Anlagen jährlich rund 135.000 Kilowattstunden (kWh) Strom – das entspricht etwa einem Drittel des Gesamtverbrauchs.

Ergänzt wird das Energiekonzept durch eine Grundwasserwärmepumpe, die im Winter für wohlige Wärme sorgt. Im Sommer wiederum kommt das acht bis zwölf Grad kühle Grundwasser aus dem nahegelegenen Bozner Platz Brunnen zum Einsatz. Über das sogenannte Soft-Cooling – dabei wird das Wasser durch Lamellen in den Etagendecken geleitet – lässt sich das Gebäude effizient und angenehm temperieren.

Energieeffizienz in Zahlen

Rund 2.000 m3 Holz
So viel Holz steckt im Haus.

70 m2 und 117 Pflanzentröge
So groß ist die Grünfassade, die zur Abkühlung der Umgebung beiträgt.

550 m2
So viel Grünfläche bieten allein die Dachgärten.

12 Bäume
So viele Bäume wurden im Innenhof gepflanzt.

123 m2
So groß ist die Living Wall im Stiegenhaus.

300 m2
So groß ist die neu geschaffene Grünfläche im Innenhof.

32 m
So hoch ist die begrünte Wand im Inneren.

8 bis 12°C
Diese Temperatur hat das Grundwasser, das die Grundwasserpumpe aus dem Tiefenbrunnen am Bozner Platz nutzt – zum Heizen und Kühlen.

446 Module
So viele Photovoltaik-Module wurden im Innenhof und am Dach mit einer Gesamtfläche von 916 m2 montiert. Jährlich werden so 135.000 kWh erzeugt, das deckt rund 30 Prozent des Energieverbrauchs und in etwa so viel, wie rund 40 Einfamilienhäuser pro Jahr verbrauchen.

Während wir die zahlreichen baulichen Maßnahmen zur Energieeffizienz und Eigenversorgung bestaunen, lohnt sich auch ein Blick auf das durchdachte Mobilitätskonzept – denn auch hier wurde nachhaltig geplant. Der Standort profitiert von seiner Nähe zum Innsbrucker Hauptbahnhof und zahlreichen Haltestellen im Umfeld, sodass Mitarbeitende wie Kund*innen bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen können. 

Für alle, die das Fahrrad bevorzugen, stehen großzügige Abstellmöglichkeiten zur Verfügung – ergänzt durch mehrere Fahrradverleihstationen in unmittelbarer Umgebung. Auch im Fuhrpark zeigt sich das Engagement für klimafreundliche Mobilität: Die Dienstfahrzeuge im Außendienst wurden schrittweise auf Elektroautos umgestellt, die in der hauseigenen Tiefgarage direkt geladen werden können.

„Gerade wir sind gefordert, den Klimawandel ernst zu nehmen und mit gutem Beispiel voranzugehen. Zu zeigen, was möglich ist.““

Franz Mair, Vorstandsvorsitzender

Die TIROLER Zukunft

„Die Stimmung im Haus ist gut“, erzählt uns der Vorstand Franz Mair. Wir merken den Stolz der Mitarbeitenden, wenn sie über das Gebäude sprechen, seine Besonderheiten zeigen und die vielen durchdachten Details erklären. Doch darauf will sich die TIROLER VERSICHERUNG nicht ausruhen. „Wir wollen uns kontinuierlich weiterentwickeln. Und ein großer Vorteil der Holzbauweise ist ihre Flexibilität – wir können Räume leicht anpassen, neue Wände einziehen oder bestehende Strukturen verändern“, betont Mair.

Als Versicherungsunternehmen sieht er auch eine besondere Verantwortung: „Gerade wir sind gefordert, den Klimawandel ernst zu nehmen und mit gutem Beispiel voranzugehen. Zu zeigen, was möglich ist.“ Dieses Gebäude ist ein eindrucksvoller Beweis dafür – auch wenn es seine Besonderheiten erst auf den zweiten Blick offenbart.

Du willst keine Geschichte mehr verpassen?

Dann melde dich hier zu unserem Newsletter an.