Ein (Umwelt-) Zeichen setzen

Im Urlaub abschalten und das gute Gewissen behalten? Das geht am besten in Regionen und Betrieben, die Nachhaltigkeit nicht nur versprechen, sondern tatsächlich leben. Der Tourismusverband Kitzbüheler Alpen – St. Johann in Tirol und der Penzinghof in Oberndorf zeigen eindrucksvoll, wie umweltbewusstes Handeln, Energieeffizienz und Gastfreundschaft Hand in Hand gehen.

Erschienen: Jänner 2026 / Lesedauer: 5 Minuten / Erfahre hier mehr über Energieeffizienz

Wenn in Tirol über die nachhaltige Entwicklung des Landes gesprochen wird, fällt meist ein zweites Wort: Tourismus. Eines ist klar: Wir können nicht ohne das eine aber auch nicht ohne das andere. Doch wie lassen sich Tourismus und Nachhaltigkeit – genauer gesagt, das Ziel eines energieautonomen Tirols im Jahr 2050 – auf einen gemeinsamen Nenner bringen?

Diese Aufgabe bewusst anzunehmen, ist das erklärte Ziel des Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit der Tirol Werbung, zahlreicher Tourismusverbände und vieler Tourismusbetriebe. Denn sie alle wissen: Wir müssen das erhalten, was unser Land so attraktiv macht.

Der Tourismusverband geht voran

Der Tourismusverband Kitzbüheler Alpen – St. Johann in Tirol ist einer jener Verbände, der Nachhaltigkeit nicht dem Zufall überlässt, sondern systematisch vorantreibt. „Wir wollten nicht nur nach außen zeigen, dass wir etwas tun, sondern auch intern eine Art Guideline für unsere Geschäftsprozesse haben, von der wir wissen, dass sie verifizierbar ist“, erklärt die Geschäftsführerin des TVB, Martina Foidl. Fündig wurde man beim österreichischen Umweltzeichen für Tourismusdestinationen. „Bereits während der Befüllung und des Audits sind wir auf viele Dinge aufmerksam geworden – einerseits, was wir schon gut machen, und andererseits, wo es noch Verbesserungspotenzial gibt“, führt sie fort. „In gewisser Weise nimmt es uns Last von den Schultern, da wir nun auf ein bewährtes System zurückgreifen können“, zeigt sich Foidl motiviert.

Das Österreichische Umweltzeichen

Das Österreichische Umweltzeichen ist ein staatliches Gütesiegel für Umwelt und Qualität. Es wird vom Bundesministerium vergeben und zeichnet Tourismusbetriebe und Regionen aus, die besonders umweltfreundlich wirtschaften und hohe Qualitätsstandards in Bereichen wie Energieeffizienz, Abfallvermeidung, Ressourcenschonung, regionale Wertschöpfung und soziale Verantwortung einhalten. Die Einhaltung der Kriterien wird regelmäßig durch unabhängige Stellen überprüft.

„Wir wollten nicht nur nach außen zeigen, dass wir etwas tun, sondern auch intern eine Art Guideline für unsere Geschäftsprozesse haben, von der wir wissen, dass sie verifizierbar ist.“

Martina Foidl, Geschäftsführerin des Tourismusverband Kitzbüheler Alpen – St. Johann in Tirol

Maßnahmen wie der kostenfreie Okto Wander- und Winterbus oder die Gästekarte, die gleichzeitig als Ticket für lokale Bahnverbindungen fungiert, sind nur ein kleiner Auszug dessen, was die Region in Sachen Klimaschutz unternimmt. „Seitdem wir den Prozess zur Zertifizierung für das Umweltzeichen gestartet haben, haben wir auch sehr viel über unsere Kommunikationskanäle sensibilisiert“, berichtet Barbara Döttlinger, die zuständige Nachhaltigkeitskoordinatorin im Tourismusverband. Das sei zwar wichtig, aber wir wollen Nachhaltigkeit ausdrücklich nicht nur als Marketing-Tool verstanden wissen. „Wenn sich die Region in diese Richtung entwickeln will, ist es wichtig, dass wir alle an einem Strang ziehen – also nicht nur wir, sondern auch die Gemeinde und die Betriebe. Dann profitieren alle davon“, ergänzt Foidl.

Penzinghof – ein Vorzeigebetrieb

Vorzeigebetriebe gibt es in der Region viele, einer davon sticht besonders hervor: der Penzinghof in Oberndorf. Dieser hat mehr oder weniger parallel zu den Prozessen des TVB selbst das Umweltzeichen für Betriebe erhalten. „Wir haben während der Corona-Zeit begonnen, uns um die Zertifizierung zu bemühen, da wir bemerkt haben, dass wir zwar schon vieles richtig machen, es unseren Gästen aber schwer strukturiert und klar vermitteln konnten“, erklärt Georg Lindner, einer der „Penzinghofer“.

Mit „einiges richtig machen“ meint Lindner, dass der Penzinghof nicht nur versucht, Lebensmittel so weit wie möglich aus der eigenen Landwirtschaft zu beziehen (Konzept: „Kilometer 0“), sondern sich auch energetisch zukunftsfit macht – etwa durch die familieneigene Hackschnitzelanlage, eine 136 Kilowatt-Peak-Photovoltaikanlage, Abwärmerückgewinnung des Kühlhauses und vieles mehr. „Wir sind nicht perfekt, aber wir bemühen uns und haben mit dem Umweltzeichen eine gute Leitlinie gefunden.“ Der nächste Schritt steht ebenfalls bevor: Gemeinsam mit dem Bruder, der den Hof nebenan betreibt, wurde eine Energiegemeinschaft gegründet. So kann der produzierte Solarstrom nun optimal genutzt werden.

„Wir sind nicht perfekt, aber wir bemühen uns und haben mit dem Umweltzeichen eine gute Leitlinie gefunden.“

Georg Lindner, Hotel Penzinghof

Tirol leistet Pionierarbeit

St. Johann in Tirol ist nicht die einzige Region, die klare Schritte in Richtung TIROL 2050 energieautonom setzt. „Wir haben inzwischen fünf Tiroler Tourismusverbände, die mit dem Umweltzeichen für Tourismusdestinationen ausgezeichnet wurden“, berichtet Nicole Ortler, Leiterin des Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit bei der Tirol Werbung. „Wir wollen natürlich auch mit gutem Beispiel vorangehen und bieten diverse Tools an, die von den Verbänden genutzt werden können“, führt sie fort. „Wichtig ist, dass wir Mut beweisen, wenn es darum geht, den Tiroler Tourismus nachhaltiger zu gestalten. Tirol ist im Tourismus für Pionierarbeit bekannt und kann das auch im nachhaltigen Tourismus werden“, schließt Ortler ab.

„Wir haben
inzwischen fünf Tiroler Tourismusverbände,
die mit dem Umweltzeichen für Tourismusdestinationen ausgezeichnet
wurden“

Nicole Ortler, Leiterin des Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit der Tirol Werbung

§ 17a Nachhaltigkeits-Koordinator*in

Seit der Aktualisierung des Tiroler Tourismusgesetzes im Jahr 2022 gibt es in jedem Tiroler Tourismusverband eine*n Nachhaltigkeits-Koordinator*in – ein europaweit einmaliger Schritt.

Nachhaltigkeits-Koordinator*innen unterstützen die Geschäftsführung dabei, langfristige Nachhaltigkeitsstrategien zu entwickeln, Beteiligungs- und Informationsprozesse zu gestalten und die gesteckten Nachhaltigkeitsziele Schritt für Schritt umzusetzen.  Begleitet werden sie dabei vom Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit der Tirol Werbung, das eingerichtet wurde, um die Verbände mit Wissen, Werkzeugen und Erfahrung zu stärken.

Beim TVB Kitzbüheler Alpen – St. Johann in Tirol übernimmt Barbara Döttlinger diese Aufgabe. Im Kaunertal ist das Judith Falch, die wir einen Tag bei ihrer Arbeit begleitet haben. Mehr dazu erfährst du in der Geschichte des Gelingens Ein Tal, das weiterdenkt.

Schritt für Schritt

Martina Foidl, Geschäftsführerin des TVB Kitzbüheler Alpen – St. Johann in Tirol, hat es treffend formuliert: „Der Weg ist das Ziel.“ Das gilt für Nachhaltigkeit, für Energieeffizienz und für den Weg zu einem zukunftsfitten Tourismus. Es gilt wie so oft: Besser jeden Tag einen Schritt in die richtige Richtung zu gehen, als alles auf einmal erzwingen zu wollen und dabei zu übersehen, dass Veränderung nur gemeinsam funktioniert. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes die nachhaltigere Lösung.

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