Verkehrsverbund Tirol

Wir fahren e(h) Bus!

Öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, ist immer eine gute Idee. Noch besser ist es, wenn sie elektrisch unterwegs sind. So wie in Kitzbühel. Was für Straßenbahnen längst selbstverständlich ist, gilt im Busverkehr noch als Pionierarbeit. Wir haben uns angeschaut, wie die Elektrifizierung von Bussen gelingen kann.

Erschienen: September 2026 / Lesedauer: 5 Minuten / Erfahre hier mehr über die Elektromobilität

Der öffentliche Verkehr in Tirol wird zunehmend elektrifiziert. Das spart Emissionen, ist effizient und wichtig, um unser Ziel TIROL 2050 energieautonom zu erreichen. Ein Beispiel dafür, wie das gelingen kann, ist Kitzbühel. Hier wird der öffentliche Stadtverkehr seit Mai 2026 mit E-Bussen abgewickelt und damit innerstädtisch zu 100 Prozent elektrisch betrieben.

Wie diese Umstellung gelungen ist? Das haben wir uns vor Ort näher angeschaut. Mit dabei ist die Expertin vom Verkehrsverbund Tirol (Abteilung Projekte), Alexandra Medwedeff. Natürlich reisen wir bei einer Geschichte über den öffentlichen Verkehr standesgemäß mit dem Zug an. Das hat auch den weiteren Vorteil, dass wir bereits im Zug mit Alexandra reden und sie fragen können, welche Rolle der VVT bei der Elektrifizierung des Tiroler Öffi-Verkehrs spielt.

Wir wollen unabhängig werden!

TIROL 2050 energieautonom ist unser großes gemeinsames Ziel, wodurch unser Land frei von fossilen Rohstoffen wird und wir unsere benötigte Energie komplett aus erneuerbaren Energieträgern selbst produzieren. Die Geschichten des Gelingens zeigen monatlich vorbildhafte Umsetzungen von Gemeinden, Privatpersonen und Unternehmen, die einen wichtigen Beitrag zum Erreichen von TIROL 2050 energieautonom leisten.

Die Rolle des VVT

„Wir als Verkehrsverbund sind dafür zuständig, unter allen Stakeholdern im Tiroler Öffi-Verkehr zu vermitteln, wir erstellen unter anderem Verkehrskonzepte und Fahrpläne für Regionen und schreiben diese aus. Diverse Verkehrsunternehmen bewerben sich dann darauf und diese sind auch jene, die die Busfahrer*innen anstellen“, erklärt Medwedeff. „Bei jenen Ausschreibungen können wir dann auch zum Beispiel die Elektrifizierung vorgeben“, führt sie fort.

„Bei jenen Ausschreibungen können wir dann auch zum Beispiel die Elektrifizierung vorgeben.“

Alexandra Medwedeff, Verkehrsverbund Tirol Abteilung Projekte

Da sei natürlich auch abzuwägen, ob die benötigten Busse zur Verfügung stehen, ob die Ladeinfrastruktur gewährleistet werden kann und vieles mehr. So ein Prozess brauche laut Medwedeff gut und gerne drei Jahre, vom ersten Konzept, bis zum E-Bus auf der Straße.

Kitzbühel macht's vor

Wie das dann aussieht und sich anfühlt, mit einem E-Bus durch die Stadt zu fahren, macht Kitzbühel vor. Hier wartet der E-Bus der Linie 1 auf uns und fährt uns einmal quer durch die Stadt. Zeit genug, um mit ein paar beteiligten Menschen darüber zu sprechen.

Zum Beispiel Manfred Rieger, dem Technischen Leiter der Verkehrsleitung Kitzbühel des betreibenden Unternehmens ÖBB-Postbus. „Für uns ist natürlich wichtig, dass der E-Bus im täglichen Betrieb planmäßig funktioniert. Und hier kann ich sagen, dass die Elektromobilität zahlreiche Vorteile bietet. Sei es bei den Emissionswerten, den Wartungsarbeiten oder dem Reisekomfort für Fahrgäste und Busfahrer*innen“, freut er sich über die Vorreiterrolle.

„Wir kommen mit einer Akku-Ladung für eine Ganztagesschicht gut aus (...).“

Manfred Rieger, Technischen Leiter der Verkehrsleitung Kitzbühel ÖBB-Postbus

„Wir kommen mit einer Akku-Ladung für eine Ganztagesschicht gut aus und können im Fall einer Pause wieder aufladen, sollte es aufgrund von Kälte oder ähnlichem benötigt werden. Dafür stehen uns am Werksgelände zwei Ladesäulen mit bis zu jeweils 360 Kilowatt Ladeleistung zur Verfügung“, erklärt er. „Aber bei 350 Kilometern Reichweite und Umläufen von 150 bis 170 Kilometern haben wir hier mehr als genug Puffer“, schließt er ab.

Wie viel Ladeleistung braucht's?

Je höher die Ladeleistung in Kilowatt (kW), desto kürzer ist die Ladezeit. Mit einer kraftvollen Leistung von 360 kW lässt sich ein E-Bus wie in Kitzbühel in anderthalb bis zwei Stunden voll aufladen. Zum Vergleich: Für den privaten E-PKW reichen zu Hause meist rund fünf kW völlig aus, während im öffentlichen Schnellladenetz für E-Autos üblicherweise Stationen mit 150 kW und mehr zum Einsatz kommen.

Die Geschichten des Gelingens auf YouTube

Begleite uns nach Kitzbühel und erfahre, wie die E-Busse im Öffentlichen Verkehr in Kitzbühel funktionieren, welche Rolle der Verkehrsverbund Tirol dabei spielt und wie die neuen Busse bei den Fahrgästen ankommen.

Wie fährt es sich mit einem E-Bus?

Andreas Parolini, einer der Fahrzeuglenker der Linie 1, zeigt sich höchst zufrieden mit der Neuanschaffung. „Ich fahre seit gut 15 Jahren für Postbus in Kitzbühel und muss sagen, ich vermisse die Dieselbusse nicht. Der E-Bus fährt ruhig und gleichmäßig, bremst gut durch die Rekuperation und ist leise, was natürlich die Fahrgäste freut“, weiß er.

„Der E-Bus fährt ruhig und gleichmäßig, bremst gut durch die Rekuperation und ist leise, was natürlich die Fahrgäste freut.“

Andreas Parolini, Buslenker ÖBB-Postbus

Was ist Rekuperation?

Einfach ausgedrückt ist Rekuperation die Rückgewinnung von Bewegungsenergie in E-Fahrzeugen. Während beim Verbrenner die Energie beim Bremsen als Wärme verloren geht, wird sie bei batterieelektrischen Fahrzeugen beim Verzögern zurück in den Akku gespeist. Möglich wird das, weil E-Fahrzeuge ihren Motor auch als Generator nutzen können, der die Bewegungsenergie in Strom umwandelt. Ähnlich wie bei einem Fahrraddynamo wird in diesem Moment das E-Fahrzeug gebremst und erzeugt zugleich Strom.

Kitzbühel ist nicht allein

Während wir hier die vorbildhafte Umsetzung der Elektrifizierung des öffentlichen Verkehrs in Kitzbühel hervorheben, dürfen wir nicht vergessen, dass auch andere Gemeinden und Regionen Tirols bereits voll auf die Elektromobilität setzen. In Innsbruck und dem umliegenden Zentralraum sind bereits mehr als 40 E-Busse im Einsatz. Zwischen Seefeld, Leutasch, Reith und Telfs verbinden 13 E-Busse die Region Seefelder Plateau. In Serfaus-Fiss-Ladis und im Raum Landeck beweisen sechs E-Busse bereits im täglichen Linienbetrieb ihre Winter- und Bergtauglichkeit. Außerdem wird im hinteren Zillertal der Tuxer Sportbus Sommer wie Winter mit einer E-Busse-Flotte von sieben Fahrzeugen betrieben.

Damit der Umstieg gelingt

Die reine Elektrifizierung alleine reicht natürlich nicht, um mehr Menschen in den öffentlichen Verkehr zu bringen. Attraktive, engmaschige Fahrpläne, gute Angebote, motivierte Menschen, die sich dafür einsetzen, eine moderne Infrastruktur sowie einen übergeordneten Masterplan, der den Umstieg ermöglicht und leitet, sind dafür entscheidend. Denn wie wir alle wissen: Nur wenn alle mitmachen, gelingt uns unser großes Ziel TIROL 2050 energieautonom.

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