In der e5-Gemeinde Mils in Innsbruck-Land steht ein Haus aus den 1970er-Jahren, das in die Jahre gekommen war und den Nutzungsanforderungen der Bewohner*innen nicht mehr gerecht wurde. Lange wurde es nur teilweise genutzt, energietechnisch entsprach es nicht mehr dem heutigen Standard. Gleichzeitig barg es enormes Potenzial. Heute ist genau dieses Gebäude ein architektonisches Statement. Es wurde energietechnisch saniert und als Mehrgenerationenprojekt neu interpretiert, und zeigt nun, dass sich Sanieren nicht nur für den Energiestandard, sondern auch für die Optik und den Komfort lohnt.
Das Wohnhaus der Familie Yegenoglu befindet sich seit den 1990er-Jahren in Familienbesitz. „Hier sind alle Erinnerungen meiner Kindheit“, erzählt Architektin und Bewohnerin Lara Yegenoglu. Als Studium und Beruf die Familie in unterschiedliche Teile der Welt führten, wurde es ruhiger im Haus. Bis schließlich die Sehnsucht nach Tirol wuchs. Die Familie wollte zurückkehren und alle Generationen wieder im Haus in Mils zusammenbringen.
Statt abzureißen und neu zu bauen, entschieden sie sich bewusst für die Weiterentwicklung des Bestands. Mit nur rund 30 Quadratmetern zusätzlicher Flächenversiegelung entstanden durch Aufstockung und intelligente Planung rund 190 Quadratmeter neuer Wohnraum. Heute beherbergt das Haus drei vollständig getrennte Wohneinheiten und bleibt dennoch ein gemeinsamer Lebensmittelpunkt.
Die Entscheidung der Familie Yegenoglu liegt im Trend. In Tirol gibt es rund 166.000 Wohngebäude, etwa 60.000 davon stammen aus der Bauperiode zwischen 1945 und 1980. Viele dieser Gebäude weisen einen schlechten Wärmeschutz auf – und gleichzeitig ein enormes Einsparpotenzial. Bis Ende 2023 wurden rund 30 Prozent dieser Gebäude saniert. Durch attraktive Förderprogramme von Bund und Land ist diese Zahl in den vergangenen Jahren weiter gestiegen. Denn klar ist: Wer Tirol bis 2050 energieautonom und fossilfrei machen will, kommt am Gebäudebereich nicht vorbei. Im gesamten Gebäudesektor in Tirol sind rund 18 Prozent Energieeinsparung notwendig. Ein wesentlicher Anteil davon liegt im Bestand.
Auch in Mils stand Energieeinsparung ganz oben. Ziel war es, einen Passivhausstandard zu erreichen. Mit umfassender Außenwanddämmung, Fenstertausch, Fußbodenheizung, Wohnraumlüftung, Photovoltaikanlage und einer Luft-Wasser-Wärmepumpe wurde das Haus energetisch auf Neubauniveau gebracht. Das Ergebnis ist beeindruckend: Die Messung vor und nach der Sanierung zeigt, dass der Heizwärmebedarf um unglaubliche 94 Prozent gesenkt werden konnte.
„Thermisch sanierte Gebäude verbrauchen in der Regel 50 bis 75 Prozent weniger Energie. Das reduziert nicht nur laufende Heizkosten erheblich, sondern ermöglicht auch kleinere und damit günstigere Heizungsanlagen. Im Idealfall werden thermische Sanierung und Heizungstausch gemeinsam gedacht. So wie hier in Mils“, betont Alexandra Ortler von der Energieagentur Tirol.
Sanieren bedeutet nicht nur, Energie zu sparen. Es bedeutet auch, graue Energie im Bestand zu erhalten, Flächenverbrauch zu minimieren und bestehende Strukturen sinnvoll weiterzuentwickeln. Gerade in einem Land wie Tirol, wo Baugrund knapp ist und Landschaftsschutz eine zentrale Rolle spielt, ist die hochwertige Sanierung oft die ökologisch sinnvollere Alternative zum Neubau. So auch beim Maximilian House: Das Haus erzählt noch immer die Geschichte der Kindheit und schreibt gleichzeitig eine neue. Mit weniger Energiebedarf, höherem Wohnkomfort und einem Konzept, das zeigt, wie die Energiewende im Gebäudesektor in Tirol gelingen kann.