29. Mai 2026

Nach dem Aus in Assling: Gemeinden setzen bei Windkraft auf Praxiserfahrungen

Windkraft-Exkursion der Energieagentur Tirol

Die Diskussion um Windkraft in Tirol hat zuletzt durch das Ergebnis der Windmessungen auf der Compedal Hochalm in Assling neue Dynamik bekommen. In mehreren Regionen laufen aktuell noch Messungen, zusätzliche Standorte werden geprüft und die Bestrebungen einiger Tiroler Gemeinden bleiben aufrecht.

Wie das Ergebnis in Assling zeigt, ist nicht jeder Standort für die Nutzung von Windenergie geeignet, es bleibt jedoch unumstritten, dass es für TIROL 2050 energieautonom einen Mix aller erneuerbaren Energien braucht.

„Wir müssen uns unabhängig von Öl-Scheichs und Gas-Oligarchen machen und unseren Energiebedarf aus heimischen, erneuerbaren Ressourcen decken. Dazu zählen vor allem Wasser, Sonne und Biomasse. Wir sind aber technologieoffen und zugänglich für Wind, der vor allem im Winter eine wichtige Ergänzung darstellen kann“, hält Landeshauptmann Anton Mattle fest.

Um fundierte Entscheidungen treffen zu können, braucht es neben Daten vor allem konkrete Einblicke. Wie Windkraftanlagen im alpinen Raum funktionieren, wie sie in der Praxis wahrgenommen werden und welche Erfahrungen andere Regionen gemacht haben, stand daher im Mittelpunkt einer Windkraft-Exkursion, die von der Energieagentur Tirol organisiert wurde.

Praxisbeispiele im alpinen Raum 

Gemeinsam mit Vertreter*innen aus 14 Tiroler Gemeinden besuchte die Delegation zwei bestehende Windparks: den Tauernwindpark im steirischen Murtal sowie den Windpark Munderfing in Oberösterreich. Am Tauernwindpark stehen auf rund 1.900 Metern Seehöhe im Gebirgsmassiv der Niederen Tauern zehn Anlagen mit einer Gesamtleistung von über 30 Megawatt. Der Betreiber des Tauernwindparks ImWind prüft auch mögliche Standorte in Tirol. Der Windpark Munderfing, der zu 75 Prozent im Besitz der Gemeinde ist, umfasst sechs Anlagen mit rund 19 Megawatt Leistung.

Windpark als touristische Attraktion

Die Erlebnisse vor Ort zeigten, dass die Rahmenbedingungen für Windkraftprojekte stark variieren können, sowohl in technischer auch in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht. Eine zentrale Frage für viele Gemeinden in Tirol ist das Zusammenspiel mit dem Tourismus, das auch bei der Errichtung des Tauernwindpark Thema war – in unmittelbarer Nähe befindet sich ein Skigebiet. Auch in Munderfing ist der Windpark Teil des touristischen Angebots und ein beliebtes Ausflugsziel. Auch für die Tiroler Bevölkerung steht Tourismus und Windkraft in keinem Widerspruch. Laut einer im April durchgeführten repräsentativen Umfrage der Energieagentur Tirol liegt der Zuspruch für Windkraft in Tirol bei 62 Prozent, in Skigebieten sogar bei 65 Prozent.
 
Martin Harb, Bürgermeister der e5-Gemeinde Eben am Achensee, reflektiert seine Teilnahme bei der Exkursion: „Wichtig bei Windkraft ist, dass technische, touristische und gesellschaftliche Interessen miteinander verbunden werden. Gerade Eben am Achensee kann als Beispiel gesehen werden, wie sich technische Infrastruktur und Tourismus gut ergänzen – etwa bei der Achenseebahn, Achenseeschifffahrt oder bei Seilbahnen.“
Auch wirtschaftliche Fragen wurden thematisiert. Gerade für kleinere Gemeinden kann Windkraft neue finanzielle Spielräume eröffnen.

Der Schlaitener Bürgermeister Ludwig Pedarnig sieht hier Chancen: „Natürlich ist die Windkraft ein Eingriff in die Natur, dafür können wir unsere Abhängigkeit von ausländischen, fossilen und nuklearen Energieimporten insbesondere im Winterhalbjahr reduzieren und die Energiesicherheit erhöhen. Gerade für kleinere Gemeinden mit geringen Kommunalsteuereinnahmen kann sie eine wichtige wirtschaftliche Stütze sein.“ 
 
Neben wirtschaftlichen Fragen stand auch die Wahrnehmung der Anlagen im Landschaftsbild im Fokus.

Wolfgang Huter, Vizebürgermeister der Gemeinde Fließ, hält fest: „Auch in Tirol sollten wir uns der Windkraft nicht verschließen. Die Anlagen fügen sich gut in die Landschaft ein und sind letztlich eine Form von technischer Infrastruktur, die wir im alpinen Raum ohnehin sehr gut kennen.“ 

Erfahrungen als Entscheidungsgrundlage 

Für die Energieagentur Tirol steht die sachliche Einordnung im Vordergrund.

„Wir wollen Gemeinden auf dem Weg zur Energieautonomie bestmöglich unterstützen. Dazu gehört neben einer fachlichen Beratung auch die Möglichkeit, einen Windpark direkt zu erleben und von bereits umgesetzten Projekten zu lernen“, hält Rupert Ebenbichler, Geschäftsführer der Energieagentur Tirol, fest.

Der Austausch mit bestehenden Projekten liefert Gemeinden eine wichtige Grundlage, um Chancen und Herausforderungen realistisch einschätzen und eigenständige Entscheidungen treffen zu können.