Wenn sich Bürger*innen, Unternehmen, Gemeinden oder Organisationen zusammentun und eine Energiegemeinschaft gründen, können ihren vor Ort erzeugten Strom gemeinsam verbrauchen, speichern und verkaufen.
„Energiegemeinschaften machen Energie für Bürger, Betriebe und Gemeinden günstiger und das Land unabhängiger vom internationalen Energiemarkt“, ist Landeshauptmann Anton Mattleüberzeugt und wirbt für die Gründungen von Energiegemeinschaften.
Auch das Land nützt die rechtlichen Möglichkeiten und gründet nun erstmals eine Bürgerenergiegemeinschaft: Insgesamt 52 Photovoltaikanlagen sind bereits auf Landesgebäuden installiert. Die Fläche der verbauten PV-Anlagen entspricht etwa 23.300 Quadratmetern, also der Fläche von mehr als drei Fußballfeldern. Die Gesamtleistung von rund 4,1 Megawatt-Peak ist gleichzusetzen mit dem Jahresstromverbrauch von rund 1.000 Haushalten. Der erzeugte Strom wird bereits überwiegend direkt an den Standorten genutzt. Überschüsse, die bisher ins öffentliche Netz eingespeist wurden, sollen künftig zur Versorgung anderer landeseigener Gebäude genutzt werden. Dazu beschloss die Tiroler Landesregierung heute, im Zuge der traditionellen Regierungssitzung am Hohen Frauentag, die Gründung einer Bürgerenergiegemeinschaft gemeinsam mit der TIWAG-Next Energy Solutions GmbH (TINEXT). Ziel dieser Gemeinschaft ist es, den durch Photovoltaikanlagen auf Landesgebäuden erzeugten Strom möglichst vollständig innerhalb der landeseigenen Gebäude zu nutzen.
„Tirol hat großes Potenzial, sich selbst mit sauberer und leistbarer Energie zu versorgen. Wir wollen unabhängig von Öl und Gas werden und unseren Energiebedarf bis 2050 aus allen verfügbaren erneuerbaren Ressourcen decken. Das Land Tirol geht erneut mit gutem Beispiel voran – sowohl beim Ausbau von Photovoltaikanlagen auf Landesgebäuden als auch bei der Gründung einer Energiegemeinschaft. Wir schaffen einen regionalen Kreislauf: Künftig soll der gesamte auf Landesgebäuden produzierte Strom auch vom Land genutzt werden. Damit nutzt das Land Tirol als Organisation die selbst erzeugte erneuerbare Energie so effizient wie möglich“, betont LH Mattle.
„Die Dächer unserer Landesgebäude bieten ideale Flächen, um klimafreundlich Strom zu erzeugen. Mit der Energiegemeinschaft gehen wir nun den nächsten wichtigen Schritt, um den Energiebedarf landeseigener Gebäude bestmöglich mit heimischem, erneuerbarem Strom von unseren Landesdächern zu decken“, ergänzt Hochbaureferent LHStv Philip Wohlgemuth.
„Als Landesenergieversorger tragen wir die Verantwortung für eine sichere, kostengünstige und umweltfreundliche Energieversorgung – und für Vorbildwirkung bei modernen Energielösungen. Mit der neuen Energiegemeinschaft gemeinsam mit dem Land Tirol treiben wir die Energiewende aktiv voran und zeigen, wie erneuerbare Energienutzung in der Praxis funktioniert“, erklärt AR-Vorsitzender Eduard Wallnöfer.
Das Tiroler Modell einer sicheren, leistbaren und nachhaltigen Energieversorgung ist in der Satzung des Landesenergieversorgers verankert und dient nun auch dem Bund als Orientierung für eine mögliche österreichweite Umsetzung.
Parallel zu den landeseigenen Projekten erlebt Tirol insgesamt einen anhaltenden Photovoltaik-Boom: So wurden im Jahr 2024 rund 780.000 Quadratmeter neue Modulflächen und 7.600 neue PV-Anlagen errichtet – das entspricht einem Zuwachs von fast 160 Megawatt-Peak auf nunmehr 550 Megawatt-Peak Gesamtleistung. Mit dieser Kapazität kann jährlich so viel Sonnenstrom erzeugt werden, wie 153.000 durchschnittliche Haushalte im Jahr verbrauchen – ein deutlicher Sprung im Vergleich zu 112.000 Haushalten im Jahr 2023. Derzeit kommen in Tirol rund 58 Prozent der Energie aus erneuerbarer Erzeugung. Der österreichische Schnitt liegt bei knapp 41 Prozent, der EU-Schnitt liegt bei unter 25 Prozent.
„Mit dem aktuellen Trend gehen wir in Tirol einen großen Schritt in Richtung Energieautonomie. Unser Ziel bleibt jedoch 100 Prozent erneuerbare Energie bis 2050. Mit der Energiegemeinschaft zeigen wir als Land auf, wie heimischer Strom noch effizienter genutzt und wie die Energiewende und regionale Wertschöpfung Hand in Hand gehen können“, so Energiereferent LHStv Josef Geisler.
Energiegemeinschaften ermöglichen es BürgerInnen, Gemeinden oder Unternehmen, gemeinsam regional erzeugten erneuerbaren Strom – etwa aus Photovoltaikanlagen – zu nutzen. Mitglieder profitieren von günstigerem Strom, höherer Versorgungssicherheit und der Förderung regionaler Wertschöpfung, während gleichzeitig Abhängigkeiten von externen Energielieferanten reduziert werden.
Gerade für Gemeinden eröffnen Energiegemeinschaften zahlreiche Vorteilen wie Energie über Grundstücks- und Gemeindegrenzen hinweg zu produzieren, zu speichern, zu verkaufen und zu verbrauchen. Bereits über 40 Gemeinden in ganz Tirol setzen daher auf dieses Modell, um die Energiewende aktiv voranzutreiben und eine lokale, nachhaltige Energieversorgung zu stärken.
Der Start in eine Energiegemeinschaft ist oft mit überschaubarem Aufwand verbunden. So lassen sich beispielsweise für die Erstellung der Verträge einfach kostenlose Mustervorlagen nutzen. Als Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften in Tirol unterstützt die Energieagentur Tirol Gemeinden, Betriebe sowie Bürger*innen bei der Umsetzung.