25. Juli 2025

Neues Gesetz für Österreichs Strommarkt

Wichtiger Schritt auch für die Energiewende in Tirol

Österreich steht vor der größten Reform des Strommarktes seit 20 Jahren. Das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) soll die Spielregeln für die Energiezukunft festlegen und ist damit ein entscheidender Hebel, um das Ziel TIROL 2050 energieautonom zu erreichen.

Um die Energiewende erfolgreich zu gestalten und Tirol bis 2050 energieautonom zu machen, braucht es nicht nur den Ausbau von erneuerbaren Energien und ein stabiles Netz, sondern auch einen modernen rechtlichen Rahmen. Genau diesen soll das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) schaffen, das derzeit in Begutachtung ist und das bisherige ELWOG (Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz) ablösen wird. Es ist die Antwort auf eine Energiewelt, die sich grundlegend verändert hat.

Früher kam der Strom hauptsächlich aus wenigen großen Kraftwerken, die kontinuierlich Energie lieferten. Heute speisen auch viele Wind- und unzählige Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern von Privathäusern, Unternehmen und Gemeinden saubere, aber wetterabhängige Energie in die Netze ein. Diese dezentrale und schwankende Erzeugung stellt die Stabilität der Stromversorgung vor neue Herausforderungen. Das ElWG soll hier für mehr Planungssicherheit sorgen und den Weg für ein flexibles und widerstandsfähiges Energiesystem ebnen.

Flexibilität wird zum Schlüssel der Energiewende

Ein zentraler Begriff der neuen Energiewelt ist Flexibilität. Während früher die Stromerzeugung der Nachfrage folgte, wird es künftig genau umgekehrt sein: Die Verfügbarkeit von Sonnen- und Windstrom soll unser Verbrauchsverhalten intelligent steuern. Wer Strom dann nutzt, wenn viel davon produziert wird, stabilisiert das Netz und wird dafür belohnt.
Genau hier setzt das neue Gesetz an. Es soll die notwendigen Rahmenbedingungen für den Einsatz von Energiespeichern, intelligenten Steuerungssystemen und finanziellen Anreizen wie dynamischen Stromtarifen schaffen. Damit werden jene belohnt, die ihren Verbrauch flexibel gestalten – etwa, indem sie ihre Waschmaschine nutzen, das E-Auto laden oder ihre Wärmepumpe betreiben, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht.

„Das neue Gesetz ist eine riesige Chance, um unserem Ziel TIROL 2050 energieautonom einen entscheidenden Schritt näherzukommen. Es könnten so endlich die notwendigen Spielregeln festgelegt werden, damit Flexibilität im Stromsystem fair belohnt wird. Das ElWG legt das Fundament damit alle – von Privathaushalten über Gemeinden bis zu Unternehmen – aktiv und fair an der Energiewende teilhaben können. Das ist ein wichtiger Schritt in eine sichere, saubere und leistbare Energiezukunft für Tirol“, sieht Rupert Ebenbichler, Geschäftsführer der Energieagentur Tirol, die Chance hinter dem Elektrizitätswirtschaftsgesetz.

Wie geht es weiter?

Der Gesetzesentwurf befindet sich aktuell in der Begutachtungsphase. Bis zum 15. August 2025 haben verschiedene Interessensgruppen die Möglichkeit, Stellungnahmen einzubringen. Obwohl bei einzelnen Regelungen noch Klärungsbedarf besteht, um die Auswirkungen präzise abschätzen zu können, zeigt der Entwurf eine klare und positive Richtung. Er ist ein wichtiger Schritt, um das österreichische Energiesystem fit für die Zukunft zu machen. Ein Beschluss im Nationalrat könnte frühestens im September erfolgen.