Das beste aus zwei Welten

28 Erdbohrungen und drei Erdwärmepumpen stellen sicher, dass es jährlich über 30.000 Besucherinnen und Besuchern weder zu warm, noch zu kalt ist. Mithilfe der Wärmepumpen wird das Gebäude des Congress Centrum Alpbach auf einer Seehöhe von über 1.000 Metern effizient geheizt und gekühlt. Wie das genau funktioniert, haben wir uns vor Ort angesehen.

Erschienen: April 2026 / Lesedauer: 4 Minuten / Erfahre hier mehr Über Umweltwärme

Das Congress Centrum Alpbach ist den meisten Menschen bekannt als Veranstaltungsort des European Forum Alpbach – einem internationalen Veranstaltungsformat, das Menschen aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Kultur und Wissenschaft zusammenbringt.

Das Kongresshaus bietet hierfür einen besonderen Platz, mitten in den Tiroler Alpen. „Mit 160 bis 180 Veranstaltungstagen im Jahr, führen wir natürlich deutlich mehr Veranstaltungen aus als nur das European Forum“, erklärt der Geschäftsführer Thomas Kahn. Ohnehin hat das Gebäude, das architektonisch einzigartig im Hang gelegen ist und von einem Skilift überthront wird, vieles zu erzählen.

Nachhaltigkeit

Unter anderem, dass sich das Team rund um Geschäftsführer Thomas Kahn nunmehr seit Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt. Um hier nicht nur Worte, sondern auch Taten sprechen zu lassen, bemüht sich Kahn um diverse Zertifizierungen. So wurde das Gebäude zum Beispiel als Green Location mit dem Österreichischen Umweltzeichen UZ200 ausgezeichnet. Obendrein wurde es im klimaaktiv-Gebäudestandard saniert und hat dafür die klimaaktiv-Plakette in Silber erhalten. Diese und viele weitere Zertifizierungen garantieren, dass sich das Haus an bewährten Standards orientiere und in Sachen Nachhaltigkeit transparent und glaubwürdig sein wolle, so der Geschäftsführer.

Auch aus Sicht der Energieautonomie macht das Sinn. So werden die wichtigsten Aspekte von unterschiedlichen Seiten strukturiert betrachtet: Von der möglichst öffentlichen Anreise der Gäste über ein energiesparendes Gebäude bis hin zum Potenzial der Nutzung von Sonnenenergie.

Im täglichen Betrieb bedeutet das Vieles zu beachten. „Über 30.000 Besucher*innen können wir pro Jahr verzeichnen“, erzählt Kahn. „Da sind wir dauerhaft mit Auf- und Abbau beschäftigt und es herrscht das ganze Jahr über reges Treiben – ob bei der Veranstaltung selbst oder eben in den Zeiten dazwischen. Das ist schon eine Mammutaufgabe hier bei allen Ressourcenströmen und Nachhaltigkeitsaspekten den Überblick zu behalten“, führt er fort. Unter anderem deswegen sei er froh um klare Richtlinien, was Themen rund um Gebäudetechnik, Beschaffung, Mobilität oder Müll betrifft.

„Über 30.000 Besucher*innen können wir pro Jahr verzeichnen“

Thomas Kahn, Geschäftsführung Congress Centrum Alpbach

Ein Rundgang durchs Congress Centrum Alpbach

Thomas Kahn führte uns durch das Gebäude und zeigte uns zahlreiche Veranstaltungsräume in verschiedenen Größen sowie die beeindruckenden Glasflächen an der Front, die einen atemberaubenden Blick auf die Bergkulisse bieten. Die Highlights kannst du dir in der Bildershow selbst ansehen.

„Egal wo man hier aus dem Fenster blickt, man kann die Natur sehen sowie die umliegende Tiroler Bergwelt“

Thomas Kahn, Geschäftsführung Congress Centrum Alpbach

Auf 2.800 Quadratmetern Veranstaltungsfläche werden laufend Kongresse, Konferenzen, Ausstellungen und vieles mehr abgehalten. Dafür wurden die Räumlichkeiten seit der Eröffnung im Jahr 1998 immer wieder erweitert und saniert. Die Fläche verteilt sich auf zahlreiche Räume diverser Größe und Ausrichtung, teils im Hang, teils mit Glasfassade. „Egal wo man hier aus dem Fenster blickt, man kann die Natur sehen sowie die umliegende Tiroler Bergwelt“, ist Kahn sichtlich stolz auf dieses einzigartige Kongresszentrum. Zurecht – sind Kongresshäuser dieser Dimension normalerweise doch eher in einer größeren Stadt angesiedelt.

Das Energiekonzept

Ein Gebäude dieser Art und mit dieser Nutzung bedarf eines ausgeklügelten Energiekonzept. Nicht nur müssen die Räume beheizt und gekühlt werden. Es müssen auch große Menschenmassen bedient werden, die in kürzester Zeit das Raumklima verändern und den Raum schnell aufheizen. „Durch ein System aus Erdwärmepumpen sowie Fußboden- und Wandheizungen können wir uns auf unsere Anforderungen gezielt einstellen“, erklärt Kahn. Das sei auch wichtig, weil Wärme- und Kühlanforderungen in kurzer Zeit wechseln. Hier hat die Wärmepumpe eine gute Antwort parat. Im Fall vom Congress Centrum Alpbach reden wir konkret von drei Erdwärmepumpen, 28 Erdbohrungen und knapp 4.000 Metern Rohrlänge unterhalb des Neubaus.

„Wir haben mit der Erdwärmepumpe und Sole als Energieträger ein sehr effizientes System, das gerade bei kalten Außentemperaturen für eine konstante Energiezufuhr ins Gebäude sorgen kann“

Alexander Schwaiger, Produktmanager Heliotherm Wärmepumpentechnik Ges.m.b.H

Erbaut und betreut durch Heliotherm

Zur Planung und Installation kam im Zuge des Umbaus 2016 ein Unternehmen zum Einsatz, dass quasi zur Nachbarschaft des Congress Centrum Alpbach zählt. Das Unternehmen Heliotherm Wärmepumpentechnik Ges.m.b.H aus Langkampfen im Tiroler Unterland hat uns bei unserem Besuch die Besonderheiten der Anlage erklärt und uns in den Technikraum geführt. „Wir haben mit der Erdwärmepumpe und Sole als Energieträger ein sehr effizientes System, das gerade bei kalten Außentemperaturen für eine konstante Energiezufuhr ins Gebäude sorgen kann“, erklärt Alexander Schwaiger, Projektmitarbeiter bei Heliotherm. 

Sole erklärt

Sole ist üblicherweise ein Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel, dessen Gefrierpunkt unter dem von reinem Wasser liegt. In einer Wärmepumpe fungiert es als Wärmeträgermedium. Es wird bei einer Erdwärmepumpe über Rohre durch das Erdreich gepumpt und nimmt dort Wärme auf bzw. gibt die Wärme bei Kühlung ab.

„Im Erdreich ist die Temperatur das ganze Jahr über gesehen sehr konstant und somit auch sehr zuverlässig und wenig abhängig von äußeren Einflüssen“

Alexander Schwaiger, Produktmanager Heliotherm Wärmepumpentechnik Ges.m.b.H

„Im Erdreich ist die Temperatur das ganze Jahr über gesehen sehr konstant und somit auch sehr zuverlässig und wenig abhängig von äußeren Einflüssen“, führt er fort. „Zudem können wir über die Wärmepumpen im Sommer sowohl aktiv als auch passiv kühlen – also die warme Raumluft ans Erdreich abgeben sowie die niedrigere Temperatur aus dem Erdreich in den Kreislauf bringen. Das ist in unserem Fall besonders wichtig, da eine ausreichende Kühlung im Sommer bei Veranstaltungen gesichert sein muss. In Räumen mit vielen Menschen gleichzeitig gar keine leichte Aufgabe.“

  • Leistung: 3 Anlagen à 100 Kilowatt (kW)
  • 28 Tiefenbohrungen mit 3.920 m Rohrgesamtlänge
  • Wärmeerzeugung von Oktober bis Juni: 111.000 Kilowattstunden (kWh)
  • Kälteerzeugung von Juni bis Oktober: 17.000 kWh 
  • Heizen: über Fußboden- und Wandheizung
  • Kühlen: über Deckenkühlsystem und Lüftung

Wärmepumpen sind ein regional verankertes Produkt. Heliotherm ist neben iDM Energiesysteme, Lambda und MECO einer von vier Wärmepumpenherstellern in Tirol. Mehr zu besonderen Umsetzungen der Tiroler Wärmepumpenhersteller gibt es in den folgenden Geschichten des Gelingens.

„Zudem können wir über die Wärmepumpen im Sommer sowohl aktiv als auch passiv kühlen (...).“

Alexander Schwaiger, Produktmanager Heliotherm Wärmepumpentechnik Ges.m.b.H

 Aktive und passive Kühlung

Die aktive Kühlung kehrt den Kältekreislauf um, führt die warme Luft aus den Räumen ab und gibt sie ans Erdreich ab. Passive Kühlung nutzt im Sommer die konstante Temperatur im Erdreich und führt diese durch das Heizsystem. Der Vorteil dieses Kühlsystems liegt ganz klar in der Effizienz.

Der Kältekreislauf erklärt

Im Verdampfer wird das Kältemittel mithilfe der Umweltenergie aus Luft, Erdreich oder Grundwasser verdampft und anschließend im Verdichter auf die benötigte Temperatur und Druck gebracht. Im Verflüssiger gibt das Kältemittel die zuvor aufgenommene Wärme an den Heizkreislauf ab und kondensiert wieder.  Nach der Druckabsenkung durch das Expansionsventil beginnt der Kreislauf erneut.

Eierlegende Wollmilchsau

Die Wärmepumpe gilt als das effizienteste Heizsystem und auch im Congress Centrum Alpbach macht sie ihrem Ruf alle Ehre. Denn es gibt denkbar leichtere Einsatzorte für den effizienten Betrieb einer Wärmepumpe, als ein großes Kongresszentrum, das auf über 1.000 Meter Seehöhe, halb im Erdreich steht und jedes Jahr über 30.000 Personen empfängt.

 Das System funktioniert einwandfrei – auch dank der kompetenten Partnerschaft mit dem Unternehmen Heliotherm.

Wie wichtig solche regionalen Partnerschaften sind, hat bereits die Geschichte des Gelingens zur Luftwärmepumpe auf KRAFTalm gezeigt. Und genau das braucht es für ein energieautonomes Tirol bis zum Jahr 2050: Tatkräftige Unternehmen und Menschen, die den Status quo herausfordern, neu definieren und allen voran beweisen, dass es eben auch bei großen Veranstaltungszentren kein fossiles Energiesystem sein muss, sondern eines das verlässlich und erneuerbar wärmt – und kühlt.

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